Weltkirchenrat: Schutz für Christen im Irak

von Manfred Rütten

Sonntag, 05.03.2017

zwei irakische Frauen und ihre Kinder
Die Zahl der Christen im Irak ist in den vergangenen Jahren von 1,6 Millionen auf nur noch 300.000 gesunken.

Nach Angaben von "Open Doors e.V" werden weltweit über 100 Millionen Christen wegen ihres Glaubens verfolgt oder bedrängt. Auf einer Liste des Hilfswerkes mit den 50 schlimmsten Verfolgerstaaten steht der Irak auf Platz 7.

Über die Lage der Christen im Land schreibt "Open Doors" in ihrem Weltverfolgungsindex von 2017: "Der Irak leidet seit Jahren an struktureller Unsicherheit, Konflikten und Instabilität, unter einer Regierung, die nicht in der Lage ist, Recht und Gesetz durchzusetzen und wenigstens ein Minimum an Sicherheit zu gewährleisten. Die generelle Verfolgungssituation ist gekennzeichnet von Straffreiheit für die Verfolger, die Bedrohung durch Angriffe von islamischen Extremisten und die Behandlung von Christen als Bürger zweiter Klasse durch die Behörden."

Um sich selbst ein Bild von der Situation der christlichen Bevölkerung im Irak zu machen, war eine Delegation des Weltkirchenrates vom 20. bis 24. Januar 2017 für fünf Tage in Bagdad und in der autonomen Region Kurdistan. An der Reise der 14köpfigen Delegation hat u.a. auch der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein, teilgenommen. Er berichtete anschließend von offener Diskriminierung und Vertreibung der Christen.

"Vielen Christen", so Hein, "ist ihr Eigentum weggenommen worden – auch ihr Landeigentum – und das wurde dann an muslimische Menschen verteilt. Und Christen haben gar keine Hoffnung, dass sie das wiederbekommen." Als einen Auslöser für das Vorgehen gegen die christliche Bevölkerung nannte der Bischof den Irakkrieg von 2003. Ein US-geführtes Militärbündnis hatte damals den Sturz des Diktators Saddam Hussein herbeigeführt. Von der mehrheitlich muslimischen Bevölkerung seien Christen daraufhin als Unterstützer der westlichen Invasoren gebrandmarkt worden.

Seitdem sei die Zahl der Christen im Irak von einstmals 1,6 Millionen auf heute 300.000 zurückgegangen. Sollte die Entwicklung anhalten, werde es in 20 Jahren keine Christen mehr im Irak geben, so Bischof Martin Hein nach seiner Reise auf einer Pressekonferenz. Dabei habe das Land eine lange christliche Tradition, biblische Orte wie Ninive, Ur, und Babylon lägen im Irak.

Die Delegation des Weltkirchenrates habe bei ihrem Besuch u.a. mit dem Staatspräsidenten Fuad Masum und dessen Regierung gesprochen. Über den Inhalt der Gespräche heißt es in einer epd-Meldung auf der Internetseite der EKD: "Der Weltkirchenrat hat verstärkte internationale Hilfe für den Irak nach einem möglichen militärischen Sieg über die Terrormiliz »Islamischer Staat« angemahnt. Andere Staaten müssten den Irak bei der Wiederansiedlung der Christen und weiterer vertriebener Minderheiten unterstützen, forderte eine ökumenische Delegation bei einem Besuch in Bagdad laut einer Mitteilung."

Sonntag, 05.03.2017