Einbrecher machen auch vor Kirchen nicht Halt

von Bettina Furchheim

Sonntag, 10.07.2016

maskierter Einbrecher mit Brecheisen hebelt ein Fenster auf
In Sekunden geknackt: Ohne einbruchshemmende Sicherungen sind Fenster und Türen für die Kriminellen kein echtes Hindernis.

Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland fast 170.000 Wohnungseinbrüche – bundesweit ein Anstieg um 10%, in NRW waren es sogar 18% mehr als im Vorjahr. Auch Kirchen und Kapellen werden immer wieder von Einbrechern und Dieben heimgesucht.

Nach einem Bericht des Evangelischen Pressedienstes (epd) vom 4. Mai 2016 wurden im vergangenen Jahr evangelische und katholische Kirchen in 817 Fällen Opfer von Einbrechern und Dieben. Den Gesamtschaden beziffert das Düsseldorfer Landeskriminalamt auf 352.000 Euro. Im Jahr zuvor habe die Zahl der Fälle mit 729 zwar niedriger gelegen. Dafür sei der Gesamtschaden 2014 mit 450.000 Euro erheblich höher gewesen.

Die Täter hätten es vor allem auf Bargeld aus den Sakristeien und Opferstöcken abgesehen, aber auch Computer, Metall und sakrale Gegenstände wie etwa Abendmahlskelche seien vor ihnen nicht sicher, so der epd-Bericht. Für Aufsehen sorgte unter anderem ein Diebstahl in Münster, bei dem 2009 der Bischofsstab von Kardinal von Galen entwendet wurde. Erst rund drei Jahre später habe der verurteilte Dieb den Stab der Kirche zurückgegeben.

Grundsätzlich seien katholische Gotteshäuser eher im Visier der Kriminellen, weil sie – anders als evangelische Kirchen – in der Regel reicher ausgestattet sind und über mehr kunsthistorisch wertvolle Gegenstände verfügen. Aus der Wallfahrtskirche Neviges bei Wuppertal haben Diebe laut epd-Bericht im Februar 2016 eine jahrhundertealte Mariendarstellung gestohlen. Glücklicherweise gab der reuige Dieb das Gnadenbild schon einen Tag später zurück: Franziskanermönche fanden es vor ihrer Klostermauer.

Die Kirchengemeinden reagieren unterschiedlich auf die Bedrohung durch Einbrecher und Diebesbanden. Einige überlegen die Installation von Überwachungskameras, andere sichern wertvolle Gegenstände oder Reliquien hinter Panzerglas, und wieder andere stellen mit Hilfe von Ehrenamtlichen "Bewacher-Teams" zusammen. So kann zum Beispiel die Kirche St. Ida in Moers jeden Tag zwei Stunden geöffnet sein, weil freiwillige "Kirchenwächter" anwesend sind und dafür sorgen, dass nichts gestohlen wird.

Vorsicht und Vorbeugung sind für die Gemeinden auf jeden Fall auch weiterhin geboten. Nach epd-Angaben gab es im 1. Quartal 2016 bereits 203 neue Fälle von Diebstahl bzw. Einbruch in Kirchen und Kapellen. Der Schaden bisher: 52.000 Euro.

Sonntag, 10.07.2016