Schweißtreibend: im Talar durch den Sommer

von Matthias Huttner

Sonntag, 14.07.2019

Pfarrerin und Pfarrer im Talar am Kölner Rehinufer
So wie Anna Quaas und Mathias Bonhoeffer aus Köln tragen alle evangelischen Geistlichen auch bei größter Sommerhitze ihren schwarzen Talar (Foto: Engelbert Broich)

Wenn´s heiß ist, hilft eigentlich nur: ab in den Schatten, viel trinken und leichte Kleidung. Viele müssen aber selbst in der größten Sommerhitze ihre Dienstkleidung tragen – z.B. auch Pfarrer. Ihr Talar ist ein schweißtreibendes Kleidungsstück.

Der Talar ist die offizielle Amtstracht evangelischer Geistlicher und ähnelt den hochgeschlossenen Roben, wie sie zum Beispiel auch Richter am Gericht tragen. Talare werden meist aus Wolle angefertigt, haben lange Ärmel und reichen dem Träger bis zu den Fußknöcheln. Was im Winter angenehm wärmt, wird im Sommer schnell zur unerträglichen Sauna – vor allem bei Amtshandlungen im Freien wie etwa bei einer Beerdigung. Dann zieht der schwarze Stoff die Hitze regelrecht an.

Was unter dem Talar getragen wird, entscheidet jeder Geistliche für sich. Pfarrer Matthias Vosseler aus Stuttgart sagt: "Unterm Talar hab ich das an, was ich auch im Pfarrersalltag immer anhabe. Ich bin jeden Tag in der Kirche und sollte auch als Pfarrer erkennbar sein. Deshalb trage ich keine kurzen Hosen oder so, sondern ich hab eigentlich immer einen Anzug an. Ich lass schon mal das Jackett weg, aber bei so hochsommerlichen Temperaturen muss man einfach durch."

Seine Kollegin Pfarrerin Jennifer Berger aus Reutlingen trägt an heißen Tagen gerne ein leichtes Sommerkleid unter dem Talar. Der habe zwar viele Knöpfe und sei hoch geschlossen, aber sie hat Sorge, "dass man dann doch irgendwas durchblitzen sieht und dann wär der Gottesdienstbesucher nicht mehr von meiner Predigt angetan, sondern vielleicht eher erschreckt von dem, was er unter meinem Talar sieht, und das möchte ich dann doch nicht." Mehr Infos hier.

Schon in der Antike wurden zu besonders feierlichen Anlässen lang herabfallende Festtagskleider getragen, und die Kirche übernahm diese Tradition für ihre liturgischen Gewänder. Während katholische Geistliche bis heute zum Teil aufwändig verzierte und auch farbige Messgewänder tragen, hat sich für evangelische Geistliche der schlichte schwarze Talar eingebürgert. Er geht zurück auf den Doktorrock, den Martin Luther als Gelehrter trug. Sein Talar war damals noch kein liturgisches Gewand, sondern die normale Alltagskleidung eines Theologen.

Das änderte sich erst im Jahre 1811, als König Friedrich Wilhelm III eine Kabinettsorder erließ, die den preußischen Talar mit weißem Beffchen für Richter, Rabbiner und evangelische Geistliche vorschrieb. Damit trat ein einheitliches liturgisches Gewand an die Stelle der vielen Spielarten von Gewändern, die seit der Reformation von 1517 in den evangelischen Kirchen Mitteleuropas zu sehen waren. Zugleich war der Talar damit endgültig keine Alltagskleidung mehr.

Als "Dienstkleidung" weist der Talar seinen Träger als offiziellen Vertreter der evangelischen Kirche aus. Er darf nur bei Amtshandlungen (Taufe, Hochzeit, Beerdigung usw.) und im Gottesdienst getragen werden. Als "körperverhüllender Mantel" soll er entlastend wirken und die Konzentration auf das Wesentliche erleichtern, Ablenkungen durch die individuelle Erscheinung des Predigers oder der Predigerin sollen verhindert werden.

Sonntag, 14.07.2019