Erwachsenentaufe: für ein Ja zu Gott ist es nie zu spät

von Dagmar Hempel

Sonntag, 21.08.2016

Ein Buntglasfenster zeigt die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer
Auch Jesus war schon ein erwachsener Mann, als er sich von Johannes dem Täufer im Jordan taufen ließ.

Bis ins 7. Jahrhundert hinein hat die Kirche ausschließlich Erwachsene getauft. Danach setzte sich im Laufe der Zeit die Kindstaufe mehr und mehr durch. Trotzdem gibt es auch heute noch "Spätberufene", die zum Glauben finden und sich taufen lassen.

Laut der jüngsten amtlichen Statistik verzeichnete allein die evangelische Kirche im Jahr 2014 deutschlandweit rund 161.000 Kindstaufen. In den meisten Fällen sind die Täuflinge dabei nicht älter als ein Jahr. Manche Eltern verzichten aber auch bewusst auf eine Taufe, weil sie die Entscheidung für den christlichen Glauben ihren Kindern selber überlassen wollen. Rechtlich ist das ab dem 14. Lebensjahr möglich, denn dann wird ein Kind religionsmündig

Taufen, die nach Vollendung des 14. Lebensjahres vollzogen werden, werden in der kirchlichen Statistik als Erwachsenentaufe gewertet. In der evangelischen Kirche lag ihre Zahl 2014 bundesweit bei 17.000. Gründe für eine späte Taufe gibt es viele. Mal haben sie mit Traditionen zu tun – etwa wenn jemand in den ostdeutschen Bundesländern aufgewachsen ist, wo Christen nach 40 Jahren SED-Herrschaft in der Minderheit und Taufen deshalb vergleichsweise selten sind. Auch die gestiegene Zahl Alleinerziehender und ihre Scham, ohne einen Partner am Taufbecken zu stehen, mögen eine Rolle spielen. Ebenso finanzielle Gründe, denn traditionell gehört zur Taufe eine anschließende Familienfeier. In jedem Fall aber gilt: Wer sich als Erwachsener zur Taufe entschließt, trifft eine sehr bewusste Entscheidung für den Glauben.

Die Taufe wird im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes vollzogen. Dabei wird das Haupt des Täuflings dreimal mit Wasser begossen. Sie geht auf den Taufbefehl Jesu Christi zurück (Matthäus-Evangelium, Kapitel 28, Vers 18-20). Die Taufe ist ihrem Wesen nach nicht wiederholbar, das heißt, auch bei einem Kirchenaustritt bleibt die Taufe gültig. Sie wird nicht wiederholt, wenn man wieder in die evangelische Kirche eintritt oder wenn man in einer anderen Kirche oder kirchlichen Gemeinschaft gültig getauft worden ist. Katholische und evangelische Kirche zum Beispiel erkennen die die Taufe gegenseitig an.

Nur eine mit Wasser und auf den Namen des Dreieinigen Gottes vollzogene Taufe ist gültig. Der Täufling wird dadurch automatisch Kirchenmitglied und erwirbt damit – abhängig von seinem jeweiligen Lebensalter – u.a. folgende Rechte: Teilnahme am Abendmahl und Erlaubnis für das Patenamt (beides in der Regel ab 14. Lebensjahr nach der Konfirmation); Anspruch auf seelsorgerliche Begleitung sowie auf kirchliche Amtshandlungen wie Trauung und Bestattung; Teilnahme an Presbyteriumswahlen und Gemeindeversammlungen; Zugehörigkeit zur weltweiten Gemeinschaft aller Christinnen und Christen.

Bei einer Taufe werden durch die Eltern in der Regel zwei Paten bestellt. Die evangelische Taufe wird normalerweise im Rahmen eines Gemeindegottesdienstes in der Kirche vollzogen. In begründeten Ausnahmefällen kann auch zu Hause, in Krankenhäusern und Kliniken getauft werden. Wenn für einen Menschen, besonders für ein neugeborenes Kind, Lebensgefahr besteht und ein Pfarrer oder eine Pfarrerin nicht mehr herbeigerufen werden kann, darf nach evangelischem Verständnis jeder Christ taufen. Voraussetzung ist, dass der Täufling oder die Eltern einverstanden sind. Diese "Nottaufe" ist danach der zuständigen Kirchengemeinde anzuzeigen.

Mit der Taufe wird ein Mensch nicht nur rein formal in die christliche Gemeinschaft auf der ganzen Welt aufgenommen – er wird gleichzeitig auch zu einem "Kind Gottes". Was damit gemeint ist, kommt in zwei Bibelversen treffend zum Ausdruck: So spricht der Herr: " Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!" (Jesaja 43,1) und "Ich lasse Dich nicht fallen und verlasse Dich nicht" (Josua 1,5). Die Taufe begründet damit ein unzertrennliches Band zwischen Gott und Mensch - einen Bund, der niemals gebrochen werden kann.

Die Taufe ist ein Sakrament. Sakramente sind von Gott eingesetzte, sichtbare Handlungen. Zu einem Sakrament gehören Wort und Zeichen. Das wichtigste Zeichen der Tauffeier ist das Wasser als Urelement des Lebens. Im Wasserritus wird der Täufling von allen Sünden rein gewaschen und erfährt symbolisch, was Jesus Christus durchlebt hat: Wie er durch den Tod zum ewigen Leben gelangt ist, so kommt das Wasser über den Täufling, und er "taucht auf" als Mensch des neuen Lebens.

Alter christlicher Brauch ist es, dem Neugetauften ein weißes Gewand als Symbol des ewigen Lebens überzuziehen. Dass die Taufe überwiegend schon im Kleinkindalter vollzogen wird, hängt damit zusammen, dass die Taufe als ein Geschenk Gottes verstanden werden soll und nicht als eigener Verdienst. Kleine Kinder können noch nichts zur Taufe hinzutun. Gott beschenkt sie unabhängig davon, wie sie sich verhalten. Eltern und Paten haben die Aufgabe, stellvertretend den Glauben für die Kinder zu bezeugen und den Kindern im Heranwachsen zu vermitteln.

Eine Auswahl von Taufsprüchen und Antworten auf häufig gestellte Fragen in Zusammenhang mit der Taufe bietet die EKD-Internetseite www.taufspruch.de
Sonntag, 21.08.2016