"Goliath-Watch" schaut Konzernen auf die Finger

von Hubert Mauch

Sonntag, 29.04.2018

Büro-Wolkenkratzer mit Euro-Symbol
Die Entwicklungsorganisation Oxfam hat ermittelt: Allein die 50 größten US-Konzerne haben 2015 mithilfe von Tochterfirmen rund 1,6 Billionen Dollar in Steueroasen verschoben. (Quelle: n-tv vom 12.4.2017)

Thomas Dürmeier ist Volkswirt und hat seine Doktorarbeit über die Macht der Konzerne geschrieben.Mehr noch: Er hat ihnen auch den Kampf angesagt und dazu einen Verein gegründet, dessen Name auf das biblische Duell von David gegen Goliath zurückgeht.

Mit "Goliath-Watch" will Dürmeier große Konzerne ins Visier nehmen, die ihre Marktmacht und Finanzstärke zum Nachteil von Mensch und Natur missbrauchen. Die erste Kampagne des im Dezember 2017 gegründeten Vereins beschäftigt sich deshalb mit der geplanten Fusion des Chemieriesen Bayer und des führenden Saatgutherstellers Monsanto. Für deren Zusammengehen hat die EU-Wettbewerbskommissarin am 21. März 2018 zwar "grünes Licht" gegeben, doch "Goliath-Watch" sammelt weiter Unterschriften gegen die Fusion, fordert ein verbessertes Kartellrecht und will den Zusammenschluss der beiden Unternehmen weiterhin verhindern.

"Ein Konzern ist irgendwann zu groß für Märkte, und ein Konzern ist irgendwann zu groß für die Demokratie", ist Thomas Dürmeier überzeugt. Schon jetzt würden große Global Player die Politik vor sich hertreiben: "Bayer, Monsanto, die Deutsche Bank diktieren: Wir wollen mit euren Steuergeldern gerettet werden. Von euren Steuergeldern subventioniert werden. Wo landen denn die Agrarsubventionen zum Beispiel? Wo landen denn die ganzen Gelder zur Rettung der Banken? Natürlich bei den Banken und auf den dem Konto der großen Vermögensbesitzer."

"Goliath-Watch" fordert deshalb eine Verschärfung des Kartellrechts und will die Konzerne dazu verpflichten, Menschenrechte einzuhalten. Auch die digitale Sammelwut von Apple, Google, Amazon und Facebook, die fast immer auf Kosten der User gehe, ist Dürmeier ein Dorn im Auge: "Wir wollen die Macht der Konzerne einschränken, und wir wollen wieder zurück zu Demokratie und ne Natur haben, in der wir leben können."

Dass sein Verein noch recht klein ist und seine Gegner im Vergleich dazu schier übermächtig erscheinen, stört den Volkswirtschaftler nicht. Das Beispiel von David gegen Goliath zeige, dass man mit der richtigen Strategie auch gegen große und mächtige Akteure Erfolg haben könne: "Man kann auch gewinnen – auch wenn man klein ist."

Sonntag, 29.04.2018