"Religion und Politik" im Fokus der Forschung

von Ann-Marlen Hoolt

Sonntag, 25.11.2018

Berlin 1933: Nazis mit Hakenkreuzen vor einer Kirche
Kirchenwahl am 23.7.1933 in Berlin: SA-Männer vor Marienkirche mit Plakat "Wählt Liste 1 Deutsche Christen". (Foto: Bundesarchiv Bild 183-1985-0109-502 / CC BY-SA 3.0 de)

An der Universität Münster untersuchen 200 Forscher aus 14 Ländern und mehr als 20 verschiedenen Fachbereichen das Zusammenspiel von Religion und Politik. Dieses Exzellenzcluster ist das einzige seiner Art in Deutschland und das Größte bundesweit.

Die Forschungen sind dabei nicht allein auf das Christentum und die aktuelle Politik beschränkt. Auch andere Religionen, Kulturen und frühere Zeitalter werden in Münster untersucht. Unter den Forschern finden sich deshalb neben Politikwissenschaftlern und Theologen auch Historiker, Archäologen, Sprachwissenschaftler, Psychologen und über 10 weitere Fachbereiche. Gemeinsam erforschen sie immer neue Querverbindungen und teilen die Ergebnisse miteinander. Auch der Rechtshistoriker Nils Jansen hat davon profitiert: "Seitdem ich an der Uni bin, bin ich im Cluster aktiv und ich glaube, dass ich als Jurist und auch als Rechtshistoriker sehr viele Dinge über das Recht und seine Entstehung jetzt sehr viel besser verstehe. Seit ich die Religion so stark in den Fokus nehme."

Die interdisziplinären Forschungsprojekte wurden in den vergangenen sieben Jahren vom Bund und den Ländern mit gut 40 Millionen Euro gefördert. Aktuell beschäftigt sich das Exzellenzcluster "Religion und Politik" zum Beispiel mit dem Verhältnis der beiden Bereiche während der Zeit des Nationalsozialismus. Eine entsprechende Tagung mit dem Titel "Was glaubten die Deutschen 1933 - 1945? Eine neue Perspektive auf das Verhältnis von Religion und Politik im Nationalsozialismus" findet von Donnerstag, 6. Dezember, bis Freitag, 7. Dezember 2018, in Münster statt.

Als das Cluster vor elf Jahren gegründet wurde, gingen die Forscher noch davon aus, dass man Religion und Politik klar voneinander abgrenzen könne, so der Rechtshistoriker Nils Jansen: "Dann haben wir gemerkt, dass das gar nicht stimmt. Dass die Grenzen zwischen Religion und Politik verfließen, dass sie Gegenstand von gesellschaftlichen Auseinandersetzungen sind, sich immer verschieben und so weiter."

Besonders sichtbar wird das Zusammenspiel von Religion und Politik, wenn daraus handfeste Auseinandersetzungen resultieren, so Jansen: "Wir erleben überall auf der Welt religiöse Konflikte. (…) Wir sehen das in Israel, wo es offensichtlich ist, dass die Religion den Konflikt anheizt, und wir sehen das beispielsweise auch in Amerika. Und deshalb ist es dringend erforderlich, das Wissen zu generieren, mit solchen Konflikten zurecht zu kommen."

Die Stadt Münster scheint dafür genau der geeignete Ort zu sein. Denn hier wurde 1648 mit dem "Westfälischen Frieden" nicht nur der 30jährige Krieg beendet, hier stand gewissermaßen auch die Wiege der Diplomatie. Denn die damaligen Verhandlungen zwischen den verfeindeten evangelischen und katholischen Kriegsherren waren alles andere als einfach. In Münster – so möchte man sagen – kennt man sich also aus mit "Religion und Politik".

Sonntag, 25.11.2018