25 Jahre Mauerfall – ohne die Kirche undenkbar

von Manfred Rütten

Samstag, 01.11.2014

Graffiti und Spruchband aus der Zeit der Wende 1989
Das Graffiti (links) ziert eine Hauswand in Leipzig, der Spruch stammt aus einem Spielfilm über die Wende 1989.

Am 3. Oktober 1990 wurde die deutsche Einheit vollendet, doch tiefer in die Herzen und Köpfe hat sich ein anderes Datum eingegraben: der 9. November 1989 - der Tag, an dem die Mauer fiel. Demnächst jährt sich das Ereignis zum 25. Mal.

Dass die Mauer in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 fiel, ist nicht nur den vielen Tausend Menschen zu verdanken, die in den Wochen und Monaten zuvor friedlich für ihre Freiheit demonstrierten. Sie ist auch den Kirchengemeinden zu verdanken, in deren Schutz die Protestbewegung der DDR über Jahre zu dem wachsen konnte, was dann 1989 auch durch Volkspolizei, Armee und Stasi nicht mehr aufzuhalten war.

Den wohl bekanntesten "Schutzraum" bot die Leipziger Nikolaikirche. Schon zu Beginn der 80er Jahre – als auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze hochgerüstet wurde – gab es hier das erste Friedensgebet. Anfangs nur an zehn Tagen im Jahr, ab September 1982 aber wöchentlich, immer montags um 17 Uhr. Nach einer Verhaftungswelle in Berlin 1988 wurde dieses Angebot erweitert um tägliche Fürbitten-Gebete, zu denen regelmäßig über 100 Teilnehmer kamen.

Die Treffen in der Nikolaikirche sprachen sich herum, und schon bald ging es nicht mehr nur um Fürbitten für die Berliner Inhaftierten. Zu einem Gesprächsabend "Leben und Bleiben in der DDR" am 19. Februar 1988 kamen statt der erwarteten 50 Ausreisewilligen gut 600: "Sie erlebten den Abend so positiv, dass sie am Ende fragten, ob auch sie zu den Friedensgebeten willkommen seien, auch wenn sie Nichtchristen sind", erinnert sich Christian Führer, der im Sommer 2014 verstorbene Pfarrer der Nikolaikirche. Von da an kamen montags jedes Mal Hunderte Menschen zum Friedensgebet, was der Kirche nun auch die ungeteilte Aufmerksamkeit der Stasi einbrachte.

Einen Tag nach der letzten Volkskammer-Wahl im Frühjahr 1989 wurden alle Zufahrtsstraßen zur Nikolaikirche durch Polizeiketten besetzt. Doch die abschreckende Wirkung blieb aus. Im Gegenteil! Je mehr Kontroll- und Abschreckungsmaßnahmen ergriffen wurden, umso mehr Menschen kamen in und vor die Nikolaikirche. Die Bilder von Verhaftungen auf dem Nikolaikirchplatz – gedreht von westlichen Kamerateams - gingen um die Welt und via Westfernsehen auch durch die DDR. Nun kamen noch mehr Menschen aus allen Teilen der Republik nach Leipzig in die Nikolaikirche.

So kam der 9. Oktober heran, über den Pfarrer Christian Führer einmal sagte: "An diesem Tag wurde die Nikolaikirche im Verbund mit den anderen Innenstadtkirchen zum Ausgangspunkt der gewaltlosen Demonstration der 70.000 und damit zum Kernpunkt der friedlichen Revolution überhaupt". Die nächsten "Montagsdemonstrationen" hatten schon doppelt so viele Teilnehmer. Am 18. Oktober trat erst Honecker zurück, im November dann das Politbüro und am 4. November gab es in Berlin-Ost die erste genehmigte Massendemonstration. Fünf Tage später war die Mauer Geschichte.

Der 25. Jahrestag des Mauerfalls wird in Berlin am 9. November 2014 mit einem "Fest der Freiheit" gefeiert. Unter anderem werden Die Fantastischen Vier, Udo Lindenberg und Clueso die Bühne am Brandenburger Tor rocken. Das ZDF meldet sich von dort live ab 19.10 Uhr mit seiner Sendung „Berlin direkt“. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg widmet dem Mauerfall am 9. und 10.11.2014 weite Teile seines TV- und Radioprogramm (http://www.rbb-online.de/mauerfall/) Schon ab dem 7. November läuft - ebenfalls in Berlin - eine Kunstaktion zum Mauerfall: mit 8.000 beleuchteten weißen Ballons wird der ehemalige Mauerverlauf quer durch die Stadt nachgezeichnet.

Eine sehr informative und mit vielen Film- und Tondokumenten gespickte Internetpräsentation zum 25. Jahrestag des Mauerfalls hat der Evangeliumsrundfunk (ERF) ins Netz gestellt: http://mauerfall.erf.de/
Samstag, 01.11.2014