Wer sind eigentlich ... die Kapuziner?

von Christof Beckmann

Montag, 10.06.2019

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Einen Cappuccino, bitte ....

Pfingsten: Traditionell ist das der Termin für Priesterweihen – 16 sind es dieses Jahr in NRW. Doch neben der traditionellen Kaplansstelle nach der Weihe gibt es ja auch noch die Ordensgemeinschaften, wie die Kapuziner...

INFO: In vier der fünf nordrhein-westfälischen Bistümer standen an diesem Pfingstwochenende Priesterweihen an. Insgesamt erhalten die NRW-Diözesen in diesem Jahr 16 Neupriester. Das sind sechs mehr als im Vorjahr. An diesem Freitag vor Pfingsten empfing ein Kandidat des Ruhrbistums in Essen die Priesterweihe, am Samstag drei Männer in Paderborn und einer in Aachen. Am Pfingstsonntag spendet in Münster Ortsbischof Felix Genn fünf Männern die Priesterweihe, im Erzbistum Köln bereiteten sich sechs Theologen auf ihre Weihe am 28. Juni vor, dazu ein Benediktiner-Mönch aus der Dormitio-Abtei bei Jerusalem. Die Priesterweihe in Köln findet traditionell am Herz-Jesu-Fest am dritten Freitag nach Pfingsten statt. Die Zahl der Neupriester in den NRW-Bistümern lag in den vergangenen Jahren stets im unteren zweistelligen Bereich. 2018 belief sie sich auf 10, 2017 auf 18, 2016 auf 17, 2015 auf 13 und 2014 auf 21 Theologen.

Neben dem Dienst als Weltpriester gibt es auch die Möglichkeit, in einem Orden zu leben: Rund 18.000 Ordensleute gibt es derzeit in Deutschland. Davon sind über 14.000 Ordensfrauen in 1.226 klösterlichen Niederlassungen von zahlreichen Gemeinschaften: Es bestehen 308 Generalate, Provinzialate, Abteien und selbständige Einzelklöster. Deutlicher weniger Mitglieder zählen die Männerorden und -kongregationen. Nach aktuellen Angaben der deutschen Ordensoberen gibt es 3.668 Ordensmännern in 400 klösterlichen Niederlassungen, 104 selbständige Ordensprovinzen, Abteien und Prioraten von 60 verschiedenen Ordensgemeinschaften. Die größten Gruppen sind die benediktinisch, franziskanisch und vinzentinisch geprägten Ordensgemeinschaften.

Traditionell ist wie bei den Frauenorden auch hier die franziskanische Ordensfamilie besonders stark, die in den Anfängen der Bettelorden-Bewegung vor rund 800 Jahren entstand. Neben den Franziskanern (Ordo Fratrum Minorum, OFM) und den Minoriten (OFMConv) gehören zu ihnen auch die Kapuziner (Ordo Fratrum Minorum Capucinorum, OFMCap), die auf den 1209 gegründeten ersten Orden des hl. Franziskus zurückgehen. Die heutige Kapuzinergemeinschaft ging ab 1528 aus einer franziskanischen Reformbewegung in Italien hervor, die raschen Zulauf gewann und eigene Strukturen ausbaute. Die „Minderbrüder vom eremitischen Leben“ lebten abseits der Städte und Dörfer durften seitdem als Wanderprediger tätig werden, eigene Obere wählen und Brüder in ihre Niederlassung aufnehmen. Sie waren sehr volksverbunden, setzten sich u.a. besonders für die Pflege von Pestkranken ein und hatten schnell großen Rückhalt im Volk. Ihren Namen erhielten sie nach der spitzen Kapuze ihres Habits (italienisch: „il cappuccio“), eine Bezeichnung, die ab 1535 auch offiziell in päpstlichen Dokumenten verwendet wurde.

Heute gibt es weltweit etwa 11.000 Kapuziner in 120 Ländern, die nach der Regel des hl. Franziskus leben. Wie zur Gründungszeit legen sie Wert auf Stille und Gebet, aber auch auf aktives Engagement in der Sonder- und Randgruppenseelsorge und in sozial-pastoralen Projekten wie der Obdachlosenarbeit.

Kontakt: Curia Generalizia dei Frati Minori Cappuccini, Via Piemonte, 70, 00187 Roma, ITALIA, Tel. +39 06 42011710, +39 335 1641820, Fax +39 06 4828267, Internet: https://www.ofmcap.org/de/

Franz von Assisi, eigentlich Giovanni Bernardone (* um 1181/1182 in Assisi, Italien, † 3. Oktober 1226 in Portiuncula bei Assisi, war der Gründer des Franziskanerordens (Ordo Fratro Minorum, OFM). Geboren als Sohn des reichen Tuchhändlers Pietro di Bernardone und seiner Frau Pica, führte er das sorgenfreie Leben eines jungen, reichen Mannes. 1202 wurde er im Krieg der Stadt Assisi gegen Perugia gefangen genommen. Nach schwerer Krankheit und langer Genesung während der Gefangenschaft bekehrte er sich bei der Pflege von Aussätzigen. Immer wieder zog er sich in die Einsamkeit zurück, um den Willen Gottes zu erspüren. Er beschloss, das Evangelium buchstäblich zu verwirklichen und ein Leben in völliger Armut zu führen. Er wählte das Leben als Einsiedler, dem sich im Laufe der Zeit immer mehr junge Männer anschlossen. 1210 bat Franziskus mit seinen Gefährten in Rom beim Papst um die Bestätigung der Regel ihrer „Armutsbewegung“ zu erbitten. Die Bruderschaft wurde mit der Anerkennung durch Papst Innozenz III.(1209/10) und der Bestätigung der endgültigen Regel (1223) zum Orden der Minderen Brüder (Ordo Fratrum Minorum, OFM).
Franziskus starb am Abend auf den 4. Oktober 1226 und wurde bereits 1228 von Papst Gregor IX. heiliggesprochen. Seit 1230 liegen seine Gebeine in einem Sarkophag in der Unterkirche von San Francesco in Assisi. Franz von Assisi gilt aufgrund seines Wirkens als erster Tierschützer. Daher wird am 4. Oktober, dem Tag des Heiligen Franziskus, weltweit von Tierschützern der Welttierschutztag begangen. Franz von Assisi wurde von der katholischen Kirche zum Patron der Umweltschützer und Ökologen „erhoben“. In dieser Tradition steht die 1995 gegründete Franz von Assisi-Akademie zum Schutz der Erde (http://www.faape.org/). Weltweit gibt es rund 15.000 Minderbrüder in 103 Provinzen. 1221 - noch zu Lebzeiten des Heiligen Franziskus - kamen die ersten Brüder über die Alpen nach Deutschland. Mehr: http://www.franziskaner.de/

Kapuziner in Münster: Die Ordensniederlassung gehört zu zahlreichen Conventen, die zum Beginn des 17. Jahrhunderts im heutigen NRW entstanden. Sie kamen um 1612/13 aus Flandern in die Stadt und erhielten 1615 die Erlaubnis des Bischofs sich niederzulassen, zu betteln und zu predigen. 1619 bauten sie an der Krummenstiege ein Kloster, dessen Kirche 1626 geweiht wurde. Die Kapuziner wirkten vor allem in der Verkündigung, Spendung der Sakramente und als Beichtväter, waren darüber hinaus aber auch stark karitativ engagiert. 1725-27 entstand eine größere Kirche, die durch Johann Conrad Schlaun errichtet wurde und 1728 von Bischof Clemens August konsekriert wurde. Nach der Vertreibung der Kapuziner als Folge der Säkularisation wurde sie 1812 als Ägidii-Kirche zur Pfarrkirche, das leer stehende Kloster wurde 1828 abgerissen. 1857 kehrte der Orden zurück und errichtete vor dem Neutor einen Konvent mit Kirche, wurde 1875 durch das „Klostergesetz“ abermals vertrieben, kamen wieder zurück und konnten ab 1887 das Kloster erweitern. Es wurde 1941 von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und 1944 durch einen Bombenangriff zerstört, 1946-1954 wiederaufgebaut und 1993-1995 umfassend renoviert. Bis heute beginnen hier die Brüder der Rheinisch-Westfälischen Kapuzinerprovinz ihre berufliche Ausbildung (Berufsausbildung oder Studium). Angeschlossen sind die Philosophisch-Theologische Hochschule der Franziskaner und Kapuziner und die Provinz- bzw. Studienbibliothek. Das Kloster, dem auch lange Zeit die mit dem Kontakt zu den Brüdern in Indonesien und Mexiko betraute Missionsprokur angeschlossen war, besitzt eine große wissenschaftliche Bibliothek, deren Bestand auch online eingesehen werden kann (Online-Katalog) und dient als internationales Studienhaus. Mehr zur Geschichte des Klosters Münster: Vortrag von P. Prof. Dr. Leonhard Lehmann OFMCap, Rom.

Derzeit gehören 28 Brüder zum Konvent in Münster. Sie sind als Dozenten an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Kapuziner tätig, nehmen seelsorgliche Vertretungsdienste in Pfarrgemeinden und Schwesternkonventen der Stadt Münster wahr oder stehen als Gesprächsseelsorger und Beichtpriester zur Verfügung. Drei Mitbrüder aus Indien absolvieren an der Universität Münster ihr Promotionsstudium, die jüngsten Brüder im Juniorat bereiten sich auf die Arbeit in der Ordensprovinz vor und ältere Mitbrüder werden auf der Alten- und Pflegestation betreut. Der Klostergarten am Kapuzinerkloster wurde er zu einem Refugium für alte Obst und Gemüsesorten, aber auch zum Rückzugs- und Erfahrungsort umgestaltet.

Für Studierende bieten die Kapuziner Meditationsabende, Franziskuskreis und mehrmals im Jahr Wochenenden zu verschiedenen Glaubensthemen. Weitere Infos im Flyer und unter www.kloster-fuer-studierende.de. Die Kosterbriefe informieren über aktuelle Angebote, Veranstaltungen und Gottesdienstzeiten im zweiten Quartal 2019. Einblicke in das Ordensleben gibt es auf dem Youtube-Kanal von kapuziner-entdecken.de

Kontakt: Kapuzinerkloster Münster, Kapuzinerstraße 27/29, 48149 Münster, Telefon: +49 (0) 251 9276-0, FAX: +49 (0) 251 9276-210, E-Mail: muenster@kapuziner.org

Unser Gesprächspartner: Bruder Dr. Stefan Walser OFMCap bezeichnet sich selbst als „Schwabe, Linkshänder, Kapuziner, Priester, Theologe“. 1980 geboren in Ravensburg, kam er 2001-2003 zum Diplomstudium Katholische Theologie an die WWU Münster und lernte dort die Kapuziner kennen. 2003-2004 ging er nach Rom an die Ponticifia Università Gregoriana sowie am Pontificio Ateneo S. Anselmo, schloss 2004-2006 sein Studium mit Diplom ab und trat in den Kapuzinerorden ein. Nach Stationen in Olten (CH), Salzburg, Münster und Nairobi wurde er 2013 zum Dr. theol. an der WWU Münster promoviert, legte 2014 die Ewige Profess ab, wurde zum Diakon und 2015 zum Priester geweiht. 2014-2017 war er Diakon und Kaplan im Pfarrverband Isarvorstadt in München, gehörte 2016-2019 der Provinzleitung der Deutschen Kapuzinerprovinz an, ist Lehrbeauftrager für Fundamentaltheologie und arbeitet in diesem Fach seit 2017 an seiner Habilitation.

Kontakt: Br. Dr. Stefan Walser, Kapuzinerkloster, Kapuzinerstr. 27/29, 48149 Münster, Tel. 0251/9276-0, E-Mail: stefan.walser@kapuziner.org, Internet: http://www.pth-muenster.de/dozenten/br-dr-stefan-walser/, https://www.kapuziner-entdecken.de/bruder-stefan-walser, https://www.instagram.com/fra_stefan/?hl=de

Warum Kapuziner? Bruder Stefan ist Kapuziner in Münster und arbeitet dort als Wissenschaftler an der Uni. Warum er froh ist, Kapuziner geworden zu sein, erzählt er in diesem Video.

Montag, 10.06.2019