Weihnachtspakete für Krefelder Tafel-Kinder

von Bettina Furchheim

Sonntag, 30.11.2014

zwei weihnachtlich eingepackte Geschenkkartons
Geschenke gehören einfach zum Fest dazu - wie der Weihnachtsbaum und der Kirchgang.

Rentner, Alleinerziehende, Arbeitslose – die Kundschaft der "Tafeln" in Deutschland ist bunt gemischt, sie ist arm, und sie wird immer größer: Gegenüber 2005 hat sich ihre Zahl verdreifacht, auf 1,5 Millionen. Darunter sind 500.000 Kinder und Jugendliche.

Sie leben in Familien, in denen das Geld chronisch knapp ist und die deshalb trotz staatlicher Unterstützung regelmäßig auf Hilfe angewiesen sind. Zum Beispiel, wenn es um die Versorgung mit Nahrungsmitteln geht. Hier springen die sogenannten "Tafeln" ein, die Lebensmittelspenden von Supermärkten einsammeln und sie kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr an Bedürftige verteilen. Mit Stand 2012 versorgten die bundesweit rund 900 Tafeln mit ihren über 2.000 Ausgabestellen rund 1,5 Millionen Menschen mit Essen.

Für den Bundesverband Deutsche Tafel sind die Zahlen ein Beleg für den kontinuierlichen Anstieg der Armut in Deutschland und zugleich für das staatliche Versagen in der Steuer- und Sozialpolitik. Die Bundesregierung müsse mehr tun, "um allen Menschen eine wirkliche Chance auf Teilhabe am gesellschaftlichen und sozialen Leben zu eröffnen.“ Insbesondere für Kinder fordert der Bundesverband vermehrte Anstrengungen: Das Mindeste seien die Neuberechnung der Hartz-IV-Sätze für Kinder, eine Bildungspolitik vom Kindergartenalter an und kostenlose Mittagsmahlzeiten in Kitas und Schulen.

Dass die Hartz-4-Regelsätze generell um 70 Euro zu niedrig sind, meint auch der stellvertretende Sprecher der Nationalen Armutskonferenz, Michael David. Auch und gerade in der Advents- und Weihnachtszeit spürten Kinder und Jugendliche besonders deutlich, dass ihre Armut sie ausgrenzt. Mit täglich 2,60 Euro pro Kind für Essen und 1,20 Euro für Freizeitausgaben, wie es die Regelsätze vorsehen, sind keine großen Sprünge zu machen – und erst recht keine großen Geschenke.

Damit der Platz unter dem Weihnachtsbaum nicht leer bleibt, spenden Freiwillige in Krefeld Weihnachtspäckchen für Kinder von Familien, die zur regelmäßigen Kundschaft der örtlichen Tafel gehören. Im oberbayrischen Burghausen an der Grenze zu Österreich zahlt die Kommune an die Empfänger von Sozialleistungen seit 2005 freiwillig eine zusätzliche "Weihnachtsbeihilfe" von 120 Euro aus. Und in NRW sorgt seit 1998 die von Caritas, Diakonie und den NRW-Lokalradios getragene Aktion Lichtblicke dafür, dass auch Familien in Not ein schönes Weihnachtsfest feiern können.
Sonntag, 30.11.2014