Verein "321" will jüdisches Leben bundesweit fördern

von Joachim Gerhardt

Sonntag, 27.01.2019

Schmuckstück Davidsstern an  einer Kette
Im Jahr 2017 betrug die Anzahl der Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Deutschland 97.791 Personen (Quelle: Statista.de).

Köln gilt als älteste jüdische Gemeinde nördlich der Alpen. Ihre erste schriftliche Erwähnung findet sich in einem kaiserlichen Dekret aus dem Jahr 321. "321" nennt sich deshalb auch ein Verein, der im April 2018 in der Domstadt ins Leben gerufen wurde.

Zu den Gründungsmitgliedern gehören neben dem Präsidenten des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, auch der ehemalige NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker sowie Vertreter von evangelischer und katholischer Kirche. Mit Dr. Matthias Schreiber (Düsseldorf) und Joachim Gerhardt (Bonn) sitzen gleich zwei evangelische Pfarrer in dem dreiköpfigen Vorstand. Mehr Infos hier.

Ziel des Vereins ist es eigenen Angaben zufolge, die jüdische Kultur in Deutschland zu stärken und das friedliche Zusammenleben der Religionen zu fördern. "Wir wollen vor allen Dingen auch zeigen, wie stark die jüdische Kultur unser Land bereichert hat", sagt Pfarrer Joachim Gerhardt. "Egal ob Musik, Kunst, Sport oder Wissenschaft – überall hat das Judentum uns geprägt, und wir wollen einen Beitrag leisten, dass das so bleibt und dass jüdisches Leben auch wieder wächst bei uns."

Beim Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben, Felix Klein, wird der Verein damit große Zustimmung ernten. Klein hatte im Januar 2019 bedauert, dass in den Schulen jüdisches Leben in Deutschland oft erst dann thematisiert werde, wenn es im Geschichtsunterricht um den Holocaust gehe. Er wünsche sich, dass die kulturellen Leistungen jüdischer Menschen in Deutschland mehr in den Vordergrund gestellt würden.

In zwei Jahren, wenn das Edikt von 321 genau 1.700 Jahre alt wird, soll dieses Jubiläum bundesweit mit einem Festjahr begangen werden. Für die jüdische Gemeinde in Deutschland habe das Datum eine große Bedeutung, so Josef Schuster vom Zentralrat der Juden. Es sei vergleichbar mit dem 500. Reformationsjubliäum der evangelischen Kirche im Jahr 2017. Laut Pfarrer Gerhardt wird es zum Jubiläumsjahr 2021 einen Festakt in Köln geben, außerdem noch viele weitere Ausstellungen, Konzerte, und Veranstaltungen. Geplant seien zum Beispiel ein Kulturführer über jüdische Spuren in Deutschland und bundesweite Jüdische Kulturtage.

Einen Vorgeschmack darauf bieten die diesjährigen Jüdischen Kulturtage Rhein-Ruhr , die vom  28. März bis zum 14. April unter dem Titel "Zuhause - Jüdisch. Heute. Hier." stattfinden. Nach Angaben des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden Nordrhein soll das Festival zeigen, wie die deutsche Kultur durchdas Judentum geprägt wurde.

Bei den Kulturtagen Rhein-Ruhr werden nach einem Bericht des Evangelischen Pressedienstes (epd) Werke jüdischer und nicht-jüdischer Maler, Komponisten und Autoren präsentiert: "Allen gemeinsam ist: Sie leben oder lebten in Nordrhein-Westfalen oder weisen einen besonderen Bezug zum bevölkerungsreichsten Bundesland auf. Insgesamt sind 150 Veranstaltungen in 14 Städten geplant, darunter Aachen, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Köln und Wuppertal."

In der archäologischen Zone vor dem Kölner Rathaus erfolgte am 28.06.2018 die Grundsteinlegung für das neue jüdische Museum. Es soll "Miqua" (Museum im Quartier) heißen und durch seinen Namen an das jüdische Ritual-Bad Mikwe erinnern, das sich unter dem Kölner Rathausplatz befindet und das als eines der am besten erhaltenen Ritualbädern aus dem Mittelalter weltweit gilt. Es wird Teil der unterirdischen Ausstellung des Museums werden – genauso wie das freigelegte römische Praetorium und Teile des jüdischen Viertels aus dem Mittelalter. Die Eröffnung ist für das Jubiläumsjahr 2021 geplant. Über den Bau des jüdischen Museums informiert dieses Video.

In Köln gab es bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts im Herzen der Stadt ein eigenes jüdisches Viertel mit etwa 1.000 Bewohnern. Als 1349 rund um Köln eine Pestepidemie wütet, verbreitet sich das Gerücht, die Juden hätten die Brunnen vergiftet. Obwohl die jüdischen Bewohner Kölns unter dem Schutz von Stadt, Erzbischof und König stehen, stürmt ein aufgeheizter Mob am 23. August 1349 das Viertel, macht es dem Erdboden gleich und tötet fast alle Bewohner. Im Jahr 1424 werden die Juden für "ewige Zeiten" aus der Stadt gewiesen. Erst im 19. Jahrhundert wird es danach wieder Juden in Köln geben. Bis 1933 die Nazis an die Macht kommen und Hetze, Drangsalierung und Verfolgung von Neuem beginnen. Heute hat die Synagogengemeinde Köln fast 5.000 Mitglieder und gehört damit zu den größten in Deutschland.

Sonntag, 27.01.2019