Versöhnung über den Gräbern - 70 Jahre danach

von Stefanie Hanke

Sonntag, 15.11.2015

Pappsärge mit den Überresten deutscher Gefallener werden in einem Gemeinschaftsgrab beigesetzt.
Gefallene deutsche Soldaten der Kesselschlacht bei Halbe werden zur letzten Ruhe gebettet. Beim Ausbruch aus dem Kessel im April 1945 starben 30.000 Wehrmachtssoldaten, 20.000 Rotarmisten und etwas 10.000 Zivilisten.

Mit einer Gedenkstunde in Berlin erinnert der Deutschen Bundestag am heutigen Volkstrauertag an die Toten der beiden Weltkriege und alle Opfer der Gewaltherrschaft. Ebenso wichtig ist und bleibt 70 Jahre nach Kriegsende aber auch die Versöhnungsarbeit.

"Wir als Deutsche haben im Zweiten Weltkrieg Furchtbares über ganz Europa gebracht, und gerade im Osten Europas ist das noch sehr gegenwärtig", sagt Markus Meckel, Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Er begrüßt deshalb ausdrücklich die Aktion "Versöhnung über den Gräbern", bei der deutsche und ukrainische Soldaten gemeinsam gefallene Soldaten des Zweiten Weltkriegs umbetten.

So zum Beispiel in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Hier wurden unlängst im Park Askoldowa Mogil die Gebeine von über 1.300 Wehrmachtssoldaten gefunden. Im Sommer 2015 bargen Soldaten der Bundeswehr und der ukrainischen Präsidentengarde die Überreste und bestatteten sie auf einem Sammelfriedhof. Viele der Gefallenen konnten anhand ihrer Erkennungsmarken zuvor identifiziert und ihre Angehörigen informiert werden. Das sei wichtig, meint Markus Meckel vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge: "Es macht in einer Familie sehr viel aus, wenn man plötzlich erfährt: Der Mann, der Vater oder Großvater ist gefunden – wir können an sein Grab gehen, um zu trauern, aber auch dann mit diesem Thema abzuschließen."
Sonntag, 15.11.2015