Post für´s Christkind

von Stefan Klinkhammer

Sonntag, 19.11.2023

Hat nur etwa sechs Wochen im Jahr geöffnet: Das Weihnachtspostamt in Engelskirchen (Foto: DHL Deutsche Post AG)
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Hat nur etwa sechs Wochen im Jahr geöffnet: Das Weihnachtspostamt in Engelskirchen (Foto: DHL Deutsche Post AG)

Das Weihnachtspostamt im oberbergischen Engelskirchen hat wieder seine Arbeit aufgenommen. Bis Heiligabend beantwortet dort das Christkind Briefe aus der ganzen Welt, wie die Deutsche Post mitteilte.

INFO: Im Weihnachtspostamt stünden dem Christkind 19 Helfer zur Seite. Kinder, die ihren Wunschzettel bis 20. Dezember an die Adresse „An das Christkind, 51777 Engelskirchen“ schicken und eine Absenderadresse angeben, bekommen ein Antwortschreiben.
Vor der Eröffnung der Filiale sind nach Angaben der Post bereits 9.000 Briefe eingegangen. Neben den klassischen Geschenkwünschen seien darin auch das Klima und der Krieg ein Thema. Eine Absenderin wünsche sich, von Hitze und Flut verschont zu werden, und sehne sich nach Frieden in der Ukraine. Manchen Kindern sei wichtig, viel Zeit mit der Familie zu verbringen sowie dass Familie und Freunde gesund seien. Die siebenjährige Johanna frage das Christkind: „Hast Du Opa Kalle schon mal im Himmel getroffen?“
Der Post zufolge sind bereits Briefe aus Chile, Brasilien, Malaysia, Thailand und China, aber auch aus Italien, Tschechien und Spanien angekommen. Das Christkind antworte in zwölf verschiedenen Sprachen. Individuelle Antworten verfasse es auch in Blindenschrift. Im vergangenen Jahr hat das Christkind in Engelskirchen fast 135.000 Briefe aus 48 Ländern beantwortet.
Bundesweit gibt es insgesamt sieben Weihnachtsfilialen der Deutschen Post. So ist das Christkind auch in Himmelstadt (Bayern) und Himmelpforten (Niedersachsen) erreichbar, der Weihnachtsmann im Hildesheimer Stadtteil Himmelsthür (Niedersachsen) und in Himmelpfort (Brandenburg) sowie der Nikolaus im saarländischen Sankt Nikolaus und im niedersächsischen Nikolausdorf. Seit dem 16. November erhält das Christkind wieder irdische Unterstützung durch ein eigens eingerichtetes Weihnachtspostamt in Engelskirchen: 13 "Postengel" helfen dort beim Beantworten von Kinderbriefen aus aller Welt, die an das Christkind schreiben.
 
Das Christkind als mythische Symbolfigur des weihnachtlichen Schenkens ist noch relativ jung. Über lange Zeit war der Heilige Nikolaus der geheimnisvolle Gabenbringer, der unerkannt die Kinder beschenkte. Dies geschah auch nie zu Weihnachten, sondern stets an seinem Namenstag, am 6. Dezember. Doch das änderte sich in Folge der Reformation im 16. Jahrhundert: Martin Luther – so erklärt es der Theologe Dr. Manfred Becker-Huberti – "schafft das Schenken auf Nikolaus ab, weil er den Nikolaus abschaffen will – als Vermittler. Den braucht er nicht mehr. In seiner Theologie ist es nicht vorgesehen, dass Heilige als Vermittler auftreten. (….) Luther hat das Schenken dann verlegt auf Weihnachten."


Aber damit hat Martin Luther gleichzeitig ein neues Problem in die Welt gesetzt. Denn nun taucht die Frage auf, so Manfred Becker-Huberti: "Wenn denn Weihnachten geschenkt wird, wer schenkt denn da? (…) Irgendwer musste da her. Und im Elsass entdeckte Luther eine Figur: das Christkind. Und das Christkind schenkt seitdem". Allerdings besucht es über Jahrhunderte nur evangelische Familien. Die Katholiken wollten weder Weihnachten als Schenktermin noch das Christkind akzeptieren. Sie bestanden auf "ihrem" Nikolaus.

Sonntag, 19.11.2023