Letzte Fragen: Angebote am Sterbebett

von Joachim Gerhardt

Sonntag, 19.05.2019

alter Mann im Pflegebett
Wenn das Lebensende naht, kommen bei vielen Menschen Ängste und Fragen auf. (Foto: Pixabay)

Obwohl in Deutschland statistisch gesehen jede Stunde über 100 Menschen sterben, wird über das Thema kaum gesprochen. Das ändert sich eigentlich immer erst, wenn es wirklich auf das Ende zugeht und auf einmal ganz viele Ängste und Fragen im Raum stehen.

Ambulante Hospizdienste begleiten sterbende Menschen zu Hause, und auch stationäre Hospize verfügen über entsprechend gut geschultes Pflegepersonal. In den Krankenhäusern, wo sich die meisten der jährlich gut 930.000 Sterbefälle in Deutschland (2017) ereignen, gibt es in der Regel zumindest eine Palliativstation. Mancherorts kommen auch Psychologen/innen in die Klinik, um mit sterbenskranken Patienten Gespräche zu führen und Entspannungsübungen mit ihnen zu machen.

Relativ neu im Gesundheitswesen ist die sogenannte "Spiritual Care"-Ausbildung, die insbesondere von Ärzten und Pflegepersonen absolviert wird, die im Palliativbereich arbeiten. Auf der Internetseite der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen heißt es dazu: "In der Palliativmedizin jedenfalls hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Bedarf an Spiritualität und die Fürsorge für diese Dimension eine vierte Säule neben der medizinischen, sozialen und psychologischen Dimension des angemessenen Handelns darstellt. Hier bahnt sich erstmals in einem Teilbereich am Rande des modernen medizinischen Handelns eine integrale Sicht des Menschen an, die auch das Phänomen Religion nicht mehr ausklammert."

Krankenhaus- und Klinikseelsorger wie der Bonner Pfarrer Andreas Bieneck haben das schon immer so gesehen. Über seine Arbeit an der Uniklinik sagt er im Interview mit der Bonner Kirchenzeitung "Protestant": "Das Besondere bei Begegnungen mit Sterbenden ist, dass diese echt und aufrichtig sind. Es gibt keine Fassaden, es wir keine Rolle mehr gespielt. Das macht sie so wertvoll." Auch Menschen, die keiner Kirche angehören, würden sich von ihm dann ein Gebet oder einen Segen wünschen, so Bieneck.

Er begrüßt die jüngsten Entwicklungen in der Medizin, Themen wie Ganzheitlichkeit und Spiritualität mehr Raum zu geben. Die Angst vor dem Tod und die Frage, was "danach" kommt, würden schließlich viele Sterbende beschäftigen: »Was erwartet mich denn dann? Gibt es jemand oder etwas, was mich hält?« sind Fragen, die ihm dabei schon begegnet sind. In vielen Jahren als Klinikseelsorger hat Andreas Bieneck die Erfahrung gemacht, "dass der Glaube für sterbende Menschen ein ganz wichtiger, ja ich würde sogar sagen: der entscheidende Halt ist."

In gewisser Weise sterben fromme Menschen also tatsächlich leichter. Vorausgesetzt sie sind mit "ihrem" Gott und ihrem Glauben im Reinen.

Sonntag, 19.05.2019