Kindesmissbrauch: Auch für die Kirche ein Thema

von Sabine Langenbach

Sonntag, 22.07.2018

Kind mit Teddy steht vor einem Mann
Nach Angaben des Kölner Vereins "Zartbitter" sind zwei Drittel der Opfer sexueller Gewalt Mädchen, ein Drittel Jungen.

Laut Kriminalstatistik gab es 2017 in Deutschland 13.539 polizeilich erfasste Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch. Die Dunkelziffer liegt weitaus höher. Und die Taten passieren auch an vermeintlich sicheren Orten wie Familie, Verein oder Kirche.

In einem Bericht des Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs vom Oktober 2017 heißt es dazu: "Sexuelle Gewalt findet am häufigsten innerhalb der engsten Familie statt (ca. 25 %) sowie im sozialen Nahraum beziehungsweise im weiteren Familien- und Bekanntenkreis, zum Beispiel durch Nachbarn oder Personen aus Einrichtungen oder Vereinen, die die Kinder und Jugendlichen gut kennen (ca. 50 %). Sexuelle Gewalt durch Fremdtäter oder -täterinnen ist eher die Ausnahme. Zunehmend finden sexuelle Übergriffe aber auch im digitalen Raum statt."

Christian Rommert war lange Jahre Pastor einer evangelischen Freikirche, gehört aktuell zum Sprecherteam des "Wort zum Sonntag" in der ARD und arbeitet außerdem als selbständiger Berater. Daneben liegt ihm vor allem der Schutz von Kindern am Herzen. Zusammen mit seiner Frau Katrin hat Rommert inzwischen in mehr als 100 (meist freikirchlichen) Gemeinden Vorträge und Seminare über sexuelle Gewalt gegen Kinder gehalten.

Seine Erfahrungen mit dem Thema und den Menschen, denen er in diesem Zusammenhang begegnet ist, hat er in einem Buch zusammengefasst. Es heißt "Trügerische Sicherheit. Wie wir Kinder vor sexueller Gewalt in Gemeinden schützen", ist im SCM-Verlag erschienen und kostet 16,95 Euro. Zum Inhalt heißt es bei Amazon.de: "Die Enthüllungen der letzten Jahre haben gezeigt: sexuelle Gewalt gibt es auch in Gemeinden und anderen christlichen Institutionen. Christian Rommert zeigt die dunkle Realität von sexueller Gewalt im christlichen Umfeld. Er verleiht Opfern eine Stimme und verdeutlicht, dass Kinder und Jugendliche in christlichen Einrichtungen nicht besser geschützt sind als an anderen Orten. Dabei gibt er konkrete Hilfe und zeigt, wie sich Gemeinden, Kindergärten und Familien auf den Weg zu mehr Sicherheit begeben können. Sein Fazit: Blindes Vertrauen wiegt uns in trügerische Sicherheit."

Rommert selber sagt dazu: "Ich bin der Überzeugung, wenn man Täterstrategien verstanden hat, dann sind genau die Orte, die sich für sicher halten, die der Meinung sind, bei uns gibt es das nicht, besonders gefährdet, weil eben Täterinnen und Täter gezielt solche Orte aufsuchen." Genau das wollten Verantwortungsträger in Kirchen und Freikirchen lange Zeit nicht glauben – oder sie haben es verdrängt. Ein Grund mehr, warum Christian Rommert dieses Buch geschrieben hat: "Ich habe die Hoffnung, ein recht praxisnahes Buch geschrieben zu haben und vor allen Dingen eine Antwort auf die Frage liefern zu können, warum ist es so wichtig sich mit dieser Thematik zu beschäftigen. Wie sehen sichere Orte aus? Was kann ich tun, damit meine Einrichtung, meine Kirchengemeinde, der Ort, an dem ich mit Kindern arbeite, sicher wird?"

Christian Rommerts Buch hat das Zeug zum Standardwerk für alle, die haupt- oder ehrenamtlich mit Kindern arbeiten. Denn wenn sie genau hinsehen, Fragen stellen und vorbeugen, können sie Räume schaffen, in denen Kinder wirklich sicher sind.

Christian Rommert: "Trügerische Sicherheit.
Wie wir Kinder vor sexueller Gewalt in Gemeinden schützen"
erschienen im SCM-Verlag (Sept. 2017)
240 Seiten, Preis: 16,95 Euro.
Sonntag, 22.07.2018