Im Vergleich: Jesu Geburt in Bibel und Koran

von Dr. Brigitta Duhme-Hildebrand

Sonntag, 15.12.2019

Mensch sitzt am Tisch und liest ein Buch
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Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung verteilt sich auf nur zwei Religionen: Das Christentum hat etwa 2,3 Mrd. Anhänger, der Islam ca. 1,6 Mrd.

"Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging …" – so beginnt die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium. Aber nicht nur die Bibel erzählt von der Geburt Jesu – das tut auch der Koran.

"Im Koran spielt Jesus eine große Rolle. Aber nicht nur Jesus, sondern auch Maria wird sehr häufig erwähnt", sagt der Pfarrer und Islam-Experte Dr. Karl Federschmidt: "Und es kommen noch andere Personen vor, die wir aus der Weihnachtsgeschichte kennen." Es wird zum Beispiel von der Geburt Johannes des Täufers erzählt, und sowohl in der Bibel als auch im Koran ist es ein Engel, der Maria die Nachricht überbringt, dass sie einen Sohn gebären wird.

Beide Bücher kennen auch die jungfräuliche Empfängnis. Aber dann läuft die Geschichte doch in unterschiedliche Richtungen. Laut Bibel wird Jesus in einem Stall geboren. Im Koran dagegen unter einer Palme. Unterschiedlich ist auch die Bedeutung, die das neugeborene Kind hat. Im Christentum gilt Jesus als der Sohn Gottes. Das ist im Islam anders, sagt Dr. Karl Federschmidt: "Jesus gilt als Prophet, als ganz besonderer Prophet, er wird sehr verehrt, aber eben nicht als der Sohn Gottes, weil dieser Begriff »Sohn Gottes« insgesamt im Koran abgelehnt wird."

Zur biblischen Geschichte von der Geburt Jesu gehört, dass sich Maria zusammen mit Josef auf den Weg nach Bethlehem macht. Im Koran dagegen wird weder die Reise noch der Name Josef erwähnt. Auch der Verkündigungsengel und die Hirten auf dem Feld tauchen nicht auf. Nur Maria selbst wird in beiden Religionen ähnlich beschrieben: als von Gott auserwählt und gesegnet. Einig sind sich Bibel und Koran auch bei der Jungfrauengeburt: Das ist ein Wunder, das nur Gott vollbringen kann.

Im Christentum ist das Fest der Geburt Jesu mit besonderen Symbolen verbunden: Engel gehören dazu, leuchtende Sterne und die Heilige Nacht natürlich. So eine besondere Nacht kennt auch der Islam, aber die hat mit der christlichen Weihnacht wenig zu tun, so Dr. Karl Federschmidt: »Nacht der Bestimmung« wird sie genannt bei den Muslimen - die Nacht, in der das erste Mal ein Vers Gottes Mohammed offenbart wurde. Und diese Nacht wird besonders gefeiert: am Ende des Fastenmonats Ramadan, dem heiligen Monat der Muslime. Das ist schon eine interessante Parallele. Vergleichbar der Geburt Jesu für uns Christen ist diese »Nacht der Bestimmung« - dass Gott sich den Menschen zeigt in einem Wort."

Ein ausführlicher Vergleich der Geburtsgeschichte Jesu in Bibel und Koran findet sich zum Beispiel unter http://www.islamiq.de/2018/12/24/die-geburt-jesu-im-koran/

Sonntag, 15.12.2019