Grenzenlos feiern – Karfreitag ökumenisch

von Werner Beuschel

Freitag, 19.04.2019

Ökumene-Symbol mit Bibelspruch
Zu Zeiten des Apostels Paulus gab es noch keine Konfessionen. An die Galater schrieb er: "Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus."

Seit gut 500 Jahren gehen evangelische und katholische Kirche getrennte Wege und feiern jeweils eigene Gottesdienste. Erst recht an hohen Feiertagen wie dem Karfreitag. Seit fast 20 Jahren zeigen zwei Gemeinden in Mönchengladbach, dass es auch anders geht

Seit gut 500 Jahren gehen evangelische und katholische Kirche getrennte Wege und feiern jeweils eigene Gottesdienste. Erst recht an hohen Feiertagen wie dem Karfreitag. Seit fast 20 Jahren zeigen zwei Gemeinden in Mönchengladbach, dass es auch anders geht

Die evangelische Christuskirchengemeinde und die katholische Pfarre St. Michael feiern am Karfreitag gemeinsam Gottesdienst. Der evangelische Pfarrer Andreas Rudolph erinnert sich noch gut an die Premiere im Jahr 2000: "Die Resonanz war sehr gut, wir (…) haben dann erst noch mal überlegt, ob es auch Alternativen gäbe im Jahr, (…) haben einen ökumenischen Gottesdienst am Reformationstag gefeiert, einen am dritten Advent, am zweiten Weihnachtstag und sind dann aber doch auf diesen markanten Karfreitag zurückgekehrt."

In diesem Jahr findet dieser ökumenische Karfreitags-Gottesdienst zum 17. Mal statt. Wieder in der Kirche von St. Michael. Den vielzitierten "wichtigsten evangelischen Feiertag" in einer katholischen Kirche zu feiern, ist für Pfarrer Rudolph kein Problem: "Weil die Bedeutung des Karfreitags ja in beiden christlichen Konfessionen deutlich gesehen wird. Natürlich hat es das etwas erleichtert, diesen ökumenischen Gottesdienst zu feiern, weil seit der Neuordnung der Liturgie der Karwoche auf katholischer Seite vormittags keine Gottesdienste stattfinden, so dass dieser Platz also auch vakant war und wir da den Gottesdienst problemlos feiern können."

Bei aller Gemeinsamkeit nehmen beide Konfessionen im Gottesdienst aber auch Rücksicht auf die immer noch ungelösten Probleme zwischen den Kirchen – Stichwort "Abendmahl". Dazu sagt Pfarrer Andreas Rudolph: "Wir haben lange gesucht und für uns einen Mittelweg gefunden, dass es nicht zu Verwechslungen mit Abendmahl oder Eucharistie kommt: ein Wortgottesdienst mit einem Kreuzgang  und einer Agape-Feier, wo wir Brot und Traubensaft miteinander teilen."

Zum diesjährigen ökumenischen Karfreitagsgottesdienst, der um 10 Uhr in der katholischen St. Michael-Kirche beginnt, werden wie in den Vorjahren rund 200 Besucher erwartet. Das wäre vor 60, 70 Jahren undenkbar gewesen. Noch Mitte der 1950er Jahre waren sich evangelische und katholische Christen so spinnefeind, dass sie sich das Leben gegenseitig schwer gemacht haben. Damals galt der Karfreitag noch als höchster evangelischer Feiertag. Katholische Familien haben da gerne ihre Wäsche gewaschen und demonstrativ nach draußen gehängt. Evangelische Bauern revanchierten sich damit, dass sie an Fronleichnam den Mist auf ihre Felder brachten, um katholische Prozessionen zu stören. Inzwischen sind solche Provokationen Gottseidank Vergangenheit.

Freitag, 19.04.2019