Ev. Kirche: Hambacher Forst muss bleiben

von Jil Blume

Donnerstag, 01.11.2018

Braunkohlebagger im Tagebau
Die Genehmigung für RWE, im Feld Hambach Braunkohle abzubauen, läuft bis 2040.

Mit Garzweiler II und Hambach liegen gleich zwei Braunkohle-Tagebaue im Gebiet des Evangelischen Kirchenkreises Jülich. Dort kämpft man schon seit über 30 Jahren gegen den Abbau und fordert einen Strukturwandel für die Region.

Pfarrer Jens Sannig leitet als Superintendent den Kirchenkreis Jülich und hat die jüngsten Proteste gegen den Braunkohle-Tagebau im Hambacher Forst hautnah miterlebt: "Ich war viel im Wald, auch ganz früh an dem Donnerstagmorgen, als die ersten Räumungen anfingen, und wir waren viel im Kontakt mit den jungen Aktivisten." Er sei den jungen Menschen, die den Hambacher Forst seit 2012 mit Protestaktionen vor der Rodung geschützt hätten, dankbar für ihren Einsatz. Sie hätten dafür gesorgt, dass das Problem in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt sei.

Er habe auch persönlich viel von den Aktivisten gelernt, erzählt Sannig im Interview mit der Redaktion PEP: "Was sie so antreibt und was ihre Beweggründe sind. Und dass sie wirklich auch ganz andere Lebenskonzepte entwickeln, auch entwickeln müssen, weil sie sagen: So wie ihr die letzten 30 Jahre gewirtschaftet habt, können wir nicht die nächsten 30 Jahre wirtschaften. Darauf haben sie aufmerksam gemacht."

Der Kirchenkreis Jülich und seine 19 Kirchengemeinden setzen sich bereits seit langem für ein umweltverträgliches und nachhaltiges Wirtschaften ein. Unter der Leitung von Superintendent Sannig wurde der Kirchenkreis sogar zum landeskirchlichen Vorbild in Sachen Umweltschutz, Naturstrom und ökofairer Beschaffung von Materialien und Lebensmitteln und berät andere kirchliche Einrichtungen in diesen Fragen.

"Wir haben immer gesagt, dass man aus der Braunkohle aussteigen kann und muss, weil sie massiv zum CO2-Ausstoß beiträgt", so Sannig. Schon in den 1990er Jahren habe der Kirchenkreis sogenannte Entwicklungskonferenzen veranstaltet und die Umsiedlung der Anwohner kritisiert, die wegen der Tagebaue ihre Heimatdörfer verlassen mussten. Aktuell arbeite man zusammen mit anderen Organisationen an einem 7-Punkte-Papier zum Thema Strukturwandel.

Das sei ein zentrales Thema, um beim Ausstieg aus der Braunkohle voranzukommen, so Jenas Sannig: "Diese Region hier mit der Eliteuniversität Aachen, mit dem Forschungszentrum Jülich (…) hat so viele technische Innovationen, die sie hervorbringen, dass wir diesen Menschen, die dort ausgebildet werden an den Hochschulen, die Möglichkeiten geben müssen, hier auch als Gründer sich niederzulassen. Wir machen jetzt die Erfahrung, dass die alle abwandern nach Baden Württemberg, nach Bayern, weil sie sagen: Hier in der Region haben wir gar keine Möglichkeit zu gründen, und wir finden auch keine Arbeitnehmer. Das wollen wir umkehren und sagen: (…) Diese Region hat Zukunft! Und sie hat aber Zukunft jenseits der Braunkohle."

Aus Sicht von Sannig müsse der Kohleabbau sofort gestoppt werden, wenn man Pariser Klimaziele überhaupt noch erreichen wolle. Gleichzeitig müsse der Strukturwandel jetzt eingeleitet und die drei Milliarden Euro, die RWE für ein neues Kraftwerk ausgeben wolle, in diesen Strukturwandel investiert werden. Außerdem müsse – ähnlich wie bei der Steinkohle – ein Fond aufgelegt werden, um die Ewigkeitslasten abzusichern.

Vor diesem Hintergrund ist für Superintendent Sannig klar: "Dieser Hambacher Wald kann und muss stehen bleiben, weil die Kohle, die da drunter liegt, kann und darf gar nicht – wenn man das Klima-Abkommen von Paris ernst nimmt – gefördert werden." Der Hambacher Forst zwischen Aachen und Köln war mal über 4.000 Hektar groß. Aber dann kam der Braunkohle-Tagebau. Heute hat der Wald nur noch eine Fläche von gut 500 Hektar. Umweltaktivisten versuchen, diesen Rest zu erhalten.

Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts erstreckte sich der auch als Bürgewald bekannte Hambacher Forst über etwa 12.000 Hektar. Bevölkerungswachstum, Besiedelung, Holzgewinnung, Industrialisierung und Straßenbau ließen das Gebiet im Laufe der Jahrhunderte auf etwa ein Drittel seiner ursprünglichen Größe schrumpfen. In den 1970er Jahren verkauften die angrenzenden Gemeinden ihre Anteile am Hambacher Forst an die damalige Rheinbraun AG und erhielten dafür hohe Entschädigungen. Damit war der Weg frei für den Braunkohle-Tagebau, der 1978 in dem Gebiet begann und dem seither große Teile des Waldes zum Opfer gefallen sind.

Donnerstag, 01.11.2018