Ende der Wallfahrtssaison in NRW

von Stefan Klinkhammer

Freitag, 01.11.2019

Wallfahrtskapelle Telgte, Foto: Bischöfliche Pressestelle Münster
Wallfahrtskapelle Telgte, Foto: Bischöfliche Pressestelle Münster

Am 31. Oktober endet die Wallfahrtssaison – auch in den vielen Pilgerorten von NRW. Wie war es etwa im Bistum Münster? Nach Kevelaer kommen immer mehr als 800.000 - wir schauen mal nach Telgte ....

INFO: Wallfahrt ist nicht nur eine spezifische Ausdrucksform katholischer Frömmigkeit, wie der Blick auf die anderen Weltreligionen zeigt. „Gnadenorte” des Christentums sind etwa das Heilige Land, wo Jesus gelebt und gelehrt hat, gekreuzigt wurde und auferstand; die Gräber der Apostel und großer Heiliger wie in Rom, Assisi oder Santiago de Compostela und Marien-Wallfahrtsorte wie Lourdes, Loreto und Fatima, Altötting, Werl oder Kevelaer. Allein das Bistum Münster kennt 28 große und kleine Wallfahrtsorte, zu denen rund 1,5 Millionen Christen jährlich aufbrechen: Zu den meist besuchten zählten nach Kevelaer die Marienwallfahrtsorte Telgte, Bethen bei Cloppenburg und Eggerode bei Schöppingen, Haltern mit dem Annaberg, der Kreuzwallfahrtsort Stromberg bei Oelde, Warendorf, Herzfeld bei Lippetal, Xanten-Marienbaum und Kranenburg. In Kevelaer zählen die Wallfahrt der Motorradfahrer sowie im August die Wallfahrt der Tamilen und die Bocholter Fußwallfahrt zu den größten Ereignissen im Pilgerjahr.

Marienwallfahrts Telgte: Der Marienwallfahrtsort Telgte verzeichnete 2019 rund 100.000 Pilger – mit steigender Tendenz. Gegenstand der Verehrung ist dort das Telgter Gnadenbild der schmerzhaften Maria. Die Pietà mit dem vom Kreuz abgenommenen Christus im Schoß seiner Mutter wurde um 1370 aus Lindenholz geschaffen. Sie wurde von der Muttergottes-Bruderschaft bei örtlichen Flurprozessionen getragen, in einen kostbaren Mantel gehüllt und mit einer Krone geschmückt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg ordnete der Münsteraner Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen 1651 eine Prozession von Münster und Warendorf nach Telgte an, ernannte 1654 Telgte zum Hauptwallfahrtsort des Bistums Münster und ließ eine neue barocke Wallfahrtskapelle für die Pietà erbauen, einen achteckigen Zentralbau mit Kuppel. Seit 1701 zogen auch die Kirchengemeinden des westlichen Münsterlandes nach Telgte, es folgte ein Aufschwung der Prozessionen und 1763 wurde ein achteckiger Ausbau mit Glockenturm als Sakristei angebaut. Im 19. Jahrhundert kam von Laien der entscheidende Anstoß für eine Wallfahrt, die seit 1852 aus Osnabrück nach Telgte zog. Die Osnabrücker Wallfahrt ist mit regelmäßig 7.500 Teilnehmern die größte Fußwallfahrt im deutschsprachigen Raum. 1904 wurde Telgte von Papst Pius X. in das Verzeichnis der weltweit anerkannten Gnadenbilder aufgenommen, das durch den Kölner Erzbischof Anton Kardinal Fischer gekrönt wurde. Bekannt ist die Kutschen-Wallfahrt, die jedes Jahr zum Fest Christi Himmelfahrt nach Telgte führt, doch führt auch eine Traktoren-Wallfahrt in die Stadt.
Die diesjährige Wallfahrtssaison in Telgte endete am Weltmissionssonntag, 26. Oktober, mit einem feierlichen Gottesdienst und anschließender Lichterprozession mit dem geschmückten Gnadenbild durch die Altstadt. Begleitet wurde es durch Fahnen- und Bannerabordnungen, Mitglieder des Souveränen Malteserordens sowie durch die Bäcker-, Metzger- und Brauergilde. Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt feierte die Messe in der St.-Clemens-Kirche zusammen mit Propst Michael Langenfeld, Pater Ephrem und mehreren hundert Gläubigen: „Unserer katholischen Kirche in Deutschland fehlt etwas. Es ist nicht das Geld, es sind nicht die Gläubigen“, erklärte er in seiner Predigt. „Unserer katholischen Kirche in Deutschland fehlt die Überzeugung, neue Christen gewinnen zu können. Das ist ihr schwerster Mangel“, stellte er fest. Beherzt gelte es zu überlegen, wie die Freude am Evangelium, die Freude an der Gemeinschaft der Kirche wieder neu erweckt werden könne.

Anreise: Telgte liegt 12 km östlich von Münster an der B 51 und B 64 und ist auch zu erreichen über die A 43 und die A 1 / Abfahrt Münster-Süd. Die Bahnstation Telgte liegt an der Strecke Münster - Rheda-Wiedenbrück. Öffnungszeiten: Kirche und Wallfahrtskapelle sind täglich von 07.30 Uhr bis 19.30 Uhr geöffnet. Pilgerinformationen: Die St. Clemens-Kirche neben der Gnadenkapelle ist zugleich Wallfahrtskirche. Gottesdienste sind (in der Regel) Montag bis Samstag um 09:00 Uhr. In der Wallfahrtszeit vom letzten Sonntag im April bis Allerheiligen ist jeden Mittwoch um 15.00 Uhr eine Pilgermesse mit Predigt. Ein etwa 1 km langer Kreuzweg in unmittelbarer Nähe zur Ems lädt zum gemeinsamen oder stillen Gebet ein.

Infos und Adressen: Propsteipfarramt St. Clemens, Kardinal-von-Galen-Platz 1, 48291  Telgte, Tel. 02504 / 1765, E-Mail: StClemens-Telgte@bistum-muenster.de, Internet: www.st-clemens-telgte.de, http://www.st-marien-telgte.de. Mehr Informationen auch bei Stadttouristik im Treffpunkt Telgte, Kapellenstr. 2, 48291 Telgte, Tel. 02504 / 690-100, Fax 02504 / 690-109, stadttouristik@telgte.de, www.telgte.de. RELíGIO - Westfälisches Museum für religiöse Kultur: Herrenstraße 1-2, 48291 Telgte, Tel. 02504 / 93 120, Fax 02504 / 79 19, E-Mail: museum@telgte.de. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr, für angemeldete Schulklassen auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten. Eintritt für Erwachsene: 5 Euro, ermäßigt 4 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 21 Jahre ist der Eintritt frei. Teilnehmer an Gruppenwallfahrten zahlen 2,50 Euro. Führungen können unter Tel. 02504 / 93120 oder per Mail an museum@telgte.de gebucht werden. Informationen zu den Angeboten des Museums im Internet unter www.museum-religio.de.

Unser Gesprächspartner: Pfarrer Hans-Werner Dierkes 1957 in Telgte geboren, war nach seiner Priesterweihe 1982 zunächst Kaplan in Ahlen, Neuenkirchen und Dorsten, anschließend Pfarrverwalter in Nottuln, bevor er Pfarrer an Münster-Gievenbeck wurde. Ab 2003 leitete er zudem das Seminar für Laientheologen. 2007 übernahm er die Leitung der Pfarrei Liebfrauen-Überwasser in Münster und 2019 die Seelsorge in der Pfarrei St. Joseph Münster-Süd. Seit 2012 ist Dierkes Leiter des Referats Wallfahrtsseelsorge im Bischöflichen Generalvikariat Münster. Kontakt: Tel. 0251 / 86540, E-Mail: dierkes@bistum-muenster.de.

Das NRW-Wallfahrtsorte-Wiki: Aachen, alle sieben Jahre Heiligtumsfahrt; Aldenhoven, Gnadenkapelle Maria, Zuflucht der Sünder; Altenberg, Altenberger Dom („Dom Unserer Lieben Frau zu Altenberg“); Bergheim, Schmerzhafte Mutter in der Remigiuskirche; Biesfeld, Schmerzhafte Mutter Gottes; Billerbeck; Bocholt; Bödingen, Wallfahrt zur Schmerzhaften Mutter Gottes; Bonn, Kreuzbergkirche, Heiliger Stiege und Schmerzhafte Mutter; Büderich, Wallfahrtskapelle Maria in der Not; Buschhoven, Marienwallfahrtsort mit der „Rosa mystica“; Coesfeld, Coesfelder Kreuz; Dalhausen, Marienwallfahrtsort; Darup, Wallfahrtskapelle zum Heiligen Kreuz; Düsseldorf-Benrath, Schwarze Muttergottes von Benrath; Düsseldorf-Bilk, Vierzehn Nothelfer in der Stoffeler Kapelle; Düsseldorf-Gerresheim, Basilika St. Margareta mit Heilig-Blut-Reliquie; Eggerode, Marienwallfahrt Unsere Liebe Frau vom Himmelreich; Essen, Wallfahrt zur „Goldenen Madonna“; Frechen-Grefrath, Schmerzhafte Mutter (früher Bottenbroich); Ginderich; Goch; Grotewiese, Meinerzhagen; Haltern am See, Wallfahrt auf den Annaberg; Heimbach, Wallfahrt zur Schmerzhaften Mutter von Heimbach; Heisterbacherrott, Wallfahrt zum Apostel Judas Thaddäus; Herford, Herforder Vision; Herzfeld (Lippetal), Wallfahrtskirche St. Ida von Herzfeld; Ittenbach, Schmerzhafte Mutter Gottes; Kalk (Köln), Schmerzhafte Mutter Gottes in der Kalker Kapelle,Kevelaer, Marienwallfahrtsort; Kinzweiler; Knechtsteden, Schmerzhafte Mutter; Köln, Minoritenkirche (Grab des seligen Adolph Kolping); Köln, Schrein der Heiligen Drei Könige (Kölner Dom); Köln, St. Maria in der Kupfergasse (Schwarze Madonna von Köln); Kornelimünster, alle sieben Jahre Heiligtumsfahrt; Kranenburg; Leverkusen-Alkenrath, Seliger Gezelinus; Lüftelberg (Meckenheim), St. Petrus (Lüftelberg) mit dem Grab der Hl. Lüfthildis; Marialinden, Schmerzhafte Mutter Gottes; Marienbaum, Wallfahrtskirche St. Mariä Himmelfahrt (Marienbaum); Marienheide, Wallfahrtskirche St. Mariä Heimsuchung; Mönchengladbach, alle sieben Jahre Heiligtumsfahrt; Neuss, Quirinus von Rom, Hildegunde von Neuss/Schönau und Cornelius; Neviges, Nevigeser Wallfahrtsdom „Maria, Königin des Friedens“; Nothberg; Stammheim (Köln), Die freudenreiche Mutter Gottes; Stiepel; Stromberg, Heiliges Kreuz; Telgte, Gnadenbild der Schmerzhaften Maria aus Lindenholz; Werl, Marienwallfahrtsort, Wallfahrtsbasilika Mariä Heimsuchung; Xanten

Freitag, 01.11.2019