Auf Flüchtlingsspuren: Balkanroute rückwärts

von Elke Saur

Sonntag, 05.08.2018

Schatten von Menschen auf einer blauen EU-Fahne
Die EU schottet sich ab. Die private Seenotrettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer ist im Juli 2018 praktisch zum Erliegen gekommen.

Im Jahr 2015 kamen über die sogenannte "Balkanroute" über 700.000 Flüchtlinge nach Westeuropa. Inzwischen ist diese Route dicht, aber immer noch sind Menschen auf der Flucht. Darauf machen jetzt 17 junge Leute mit einer ungewöhnliche Reise aufmerksam.

Von Aachen aus starten sie am 5. August zu einer zweiwöchigen Reise entlang der berüchtigten Balkanroute – allerdings in umgekehrter Richtung: Von Deutschland geht es über Österreich, Ungarn, Serbien und Mazedonien bis nach Griechenland. Unterwegs besuchen die jungen Leute Anlaufstellen für Flüchtlinge, überqueren Grenzen auch zu Fuß und hoffen auf spannende Begegnungen. Zu den Mitreisenden gehört auch die 21jährige Studentin Fiona: "Ich hoffe, dass ich interessante Menschen kennenlerne, die vielleicht nicht so privilegiert sind wie ich und die mehr durchmachen mussten als ich und dass ich dadurch vielleicht Erfahrungen mache, die mich verändern und meinen Blick ein bisschen weiten."

Unter dem Blog http://bisansmittelmeer.de/ kann jeder die Reise der Gruppe online mitverfolgen. Immer wieder werden die Teilnehmenden dort Bilder, Videos und Tondokumente von unterwegs einstellen und in persönlichen Texten von ihren jeweiligen Eindrücken vor Ort erzählen, um zu zeigen, wie der Weg der Geflüchteten ist und was ihnen auf dem Weg begegnet.

Die Idee, auf den Spuren der Flüchtlinge rückwärts zu reisen, hatte der Jugendreferent des Evangelischen Kirchenkreises Aachen, Axel Büker. Er kennt einen Teil der Strecke schon. Denn zusammen mit seiner Frau besucht er regelmäßig deren Eltern in Ungarn. Über seine jüngste Fahrt dorthin sagt er: "Wir kamen wunderbar aus Deutschland raus. Wir kamen wunderbar aus Österreich raus, das war alles kein Problem. Aber auf der Rücktour sah es anders aus. Es waren an der österreichisch-ungarischen Grenze viele Grenzposten, die auf Brücken patrouillierten und mit Maschinengewehren rumliefen. Und da wurde mir deutlich: Es hat sich was geändert. Plötzlich waren da wieder Grenzen."

Büker ist gespannt, welche "Grenzerfahrungen" die Gruppe jetzt machen wird. Die Reise zu machen und sie öffentlich zu dokumentieren, hat aus seiner Sicht einen einfachen Grund: "Wir möchten dem Unwort des letzten Jahres, den »alternativen Fakten«, eigenes, direktes Erleben entgegen setzen."

Sonntag, 05.08.2018