8. Deutscher Orgeltag: Die König-Orgel von Steinfeld

von Johanna Risse

Sonntag, 09.09.2018

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Superlative sind nicht selten, wenn es um dieses gut 400 Jahre technische Wunderwerk geht. Ein unglaubliches Instrument an einem Ort, der wirklich mal einen Ausflug wert ist: Kloster Steinfeld in der Eifel. Nicht nur am 8. Deutsche Orgeltag heute...

INFO: Ein ganz besonderes Exemplar der „Königin der Musikinstrumente“ steht im Kloster Steinfeld in der Eifel: Die Basilika aus dem frühen 12. Jahrhundert besitzt die mit 35 Registern und 1956 Pfeifen größte noch erhaltene dreimanualige historische Barockorgel des Rheinlandes.
Das um 920 entstandene Kloster im Süden der Gemeinde Kall in der Eifel selbst ist bis heute so vollständig wie kaum ein anderes deutsches Kloster erhalten: Die ehemalige Prämonstratenserabtei hatte zahlreiche Tochterniederlassungen in Europa, die bis nach Prag reichten. 44 Äbte leiteten das Kloster bis zur Säkularisation und Auflösung 1802: Die Klostergebäude wurden enteignet und versteigert, das Inventar in die ganze Welt verstreut.
1142 bis 1150 hatten sie hier eine der frühesten deutschen Gewölbekirchen errichtet, die dem heiligen Potentinus und seinen beiden Söhnen Felicius und Simplicius geweiht ist. Sie ist auch Grablege des Heiligen verehrten Hermann Joseph von Steinfeld, dessen Marienfrömmigkeit die später als Pfarrkirche benutzte Basilika zum Wallfahrtsort machte. 1923 wurde das Kloster durch den Salvatorianerorden neu besiedelt. Sie begründeten das Hermann-Josef-Kolleg Steinfeld, ein Gymnasium, die private Kunstakademie Kloster Steinfeld und das Franziskus-Jordan-Gästehaus. Das Internat wurde 2012/2013 geschlossen.
Mehr: Salvatorianer Kloster Steinfeld, Hermann-Josef-Str. 4, 53925 Kall-Steinfeld, Tel. 02441 / 889-0, Fax 02441 / 889-128, E-Mail: info@kloster-steinfeld.de, Internet: kloster-steinfeld.de, www.salvatorianer.de; GÄSTEHAUS: Kloster Steinfeld GmbH & Co. KG, Hermann-Josef-Straße 4, 53925 Kall-Steinfeld, Tel. 02441 / 889-131, Fax 02441 889-296, E-Mail: gaeste@kloster-steinfeld.de, Internet: www.kloster-steinfeld.de; Pfarrgemeinde: Gemeinschaft der Gemeinden hl. Hermann Josef Steinfeld: Pater Wieslaw Kaczor SDS, Pfarrer, Hermann-Josef-Str. 2, 53925 Kall-Steinfeld, Tel. 02441 / 779212, Fax 02441 / 1250, E-Mail: steinfeld-gdg@t-online.de, www.gdg-steinfeld.de 

Die König-Orgel von Steinfeld: Die Kirche – seit 1960 Päpstliche Basilica minor – besitzt die bekannte König-Orgel. Sie geht auf eine um 1600 entstandene erste große Orgel zurück, die vermutlich durch Floris Hoque aus Brabant gebaut und 1727 durch Balthasar König aus Bad Münstereifel vollendet wurde. Die alten Pfeifenbestände mit 17 Registern wurden dabei auf 29 Register erweitert. 1934 schuf die Firma Klais (Bonn) ein dem Zeitgeist entsprechendes romantisches Orgelwerk mit 46 Registern und Elektrifizierung der Spiel- und Registertraktur. Eine letzte Restaurierung im ursprünglich barocken Stil erfolgte nach umfangreichen Forschungsarbeiten 1981 durch die Orgelbaufirma Weimbs aus Hellenthal. Das Pfeifenwerk mit 1956 Pfeifen, 35 klingende Registern sowie mechanischer Spiel- und Registertraktur ist größtenteils original erhalten und sorgt für einen einzigartigen Klang. Organisten aus aller Welt bemühen sich darum, hier Konzerte zu geben. Mehrere CDs, die an der Orgel eingespielt worden sind, sind im Klosterladen Steinfeld oder im Anschluss an Gottesdienste/Konzerte beim Basilika-Organisten in der Basilika Andreas Warler zu erhalten.

Musikalische Veranstaltungen in der Basilika Steinfeld
Nach dem Internationalen Orgelsommer am 2. September mit Jan Van Mol (Mechelen, Belgien) wird die Reihe der meist eintrittsfreien Konzerte fortgesetzt:

16.09, So, 16 Uhr: Orgelvesper: Orgel + Gesang, Nicole u. Volker Prinz, Euskirchen
23.09, So, 18 Uhr:  KlangRaum Steinfeld - MOZART! PUR! - Bekanntes und Unbekanntes eines Wohlbekannten, Werke von W.A.Mozart für Flöte, STreicher und Kammerchor, Wolfgang KleinRichter, Dirigent, Salvatorianer Kloster Steinfeld, Musikalische Leitung: Wolfgang Klein-Richter, E-Mail: klangraum-steinfeld@t-online.de, Preis: Erwachsene 20,00 € - Studenten/Schüler 10,00 €
04.10., Do, 20 Uhr: Abendliche Orgelmeditation, Alice Toporowsky und Andreas Warler
07.10., So, 16 Uhr: Orgelvesper, Prof. Gerd Wachowski, Rothenburg o.d.T.
18.10., Do, 20 Uhr: Kleines Orgelkonzert, Andreas Warler, Steinfeld
21.10., So, 16 Uhr: Orgelvesper, Prof. Thierry Mechler, Köln
04.11., So, 16 Uhr: Vesperkonzert, Bachverein Düsseldorf, Ltg. Thorsten Pech
18.11., So, 16 Uhr: Orgelvesper zu vier Händen, Margareta Hürholz / Roland Dopfner
02.12., So, 16 Uhr: Vespermusik zum Advent, Solisten, Chor u. Orchester an der Basilika Steinfeld, Ltg. Mathias Staut
13.12., Do, 20 Uhr: Kleines Orgelkonzert, Andreas Warler, Steinfeld
23.12., So, 16 Uhr: Vorweihnachtliches Konzert, Kammerchor Euskirchen, Markus Goecke, mit Kostenbeitrag!
25.12., Di, 16 Uhr: Weihnachtsandacht mit Orgelmusik, Andreas Warler, Steinfeld
31.12., Mo, 24 Uhr: Mitternächtliches Orgelkonzert zum Neujahrsbeginn, Andreas Warler

Unser Gesprächspartner: Andreas Warler (Basilikaorganist), Am Pättchen 7, 53937 Schleiden, Tel. 02445 / 312 90 14, E-Mail: info@andreas-warler.de, Internet: www.andreas-warler.de.

8. Deutscher Orgeltag: Der von der Vereinigung der Orgelsachverständigen Deutschlands (VOD) initiierte Deutsche Orgeltag findet in diesem Jahr zum achten Mal statt. Überall in Deutschland sollen am 9.9.2018 Orgeln zu hören, zu sehen und zu besichtigen sein, do der Zusammenschluss von rund 400 staatlichen und kirchlichen Experten. Beteiligt sind Pfarreien, Organisten und Orgelbauer, die ihre Kirchen, Konzertsäle und Werkstätten öffnen, um Interessenten aller Altersklassen das faszinierende Instrument Orgel zu zeigen, zu erklären und es erklingen zu lassen. Bundesweit gibt es dazu mehr als 100 Veranstaltungen. Die Formate reichen von der Matinee bis zur Orgelnacht, vom Solostück bis zum Zusammenspiel mit anderen Instrumenten oder der Begleitung durch Chöre. Klassisches wird ebenso angeboten wie zeitgenössische Kompositionen und Jazz. Deutschland gilt international als ein Schwerpunkt für den Orgelbau. Etwa 400 Firmen mit fast 3.000 Mitarbeitern bauen und warten rund 50.000 Orgeln, die zumeist in Kirchen stehen.
Gefeiert werden soll an dem Tag auch die im Vorjahr ausgesprochene Anerkennung von Orgelbau und Orgelmusik als Immaterielles Kulturerbe. Die Bundesregierung hatte im Jahre 2014 durch Eintrag bei der deutschen Sektion der UNESCO in Berlin „Orgelbau und Orgelmusik“ in das neu aufgestellte „Deutsche Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes“ aufgenommen. Das Projekt wurde im Dezember 2015 unter dem Titel „Organ Craftsmanship and Music“ bei der Zentrale der UNESCO in Paris zur Aufnahme in die „Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ nominiert und am 31. März 2016 durch das Auswärtige Amt in Paris bei der UNESCO-Zentrale eingereicht.
Auf der Homepage lassen sich Veranstaltungen finden: http://www.orgeltag.de/orgeltag.html

Video: Orgelbau und Orgelmusik Tradition und Innovation: Immaterielles Kulturerbe der Menschheit

Sonntag, 09.09.2018