Sozialkaufhäuser: Ein Gewinn für alle

von Markus Möhl

Sonntag, 12.11.2017

Das Sozialkaufhaus 'Bambini' in Hamm: Blick in die Verkaufsräume
Das Sozialkaufhaus "Bambini" in Hamm richtet sich speziell an (werdende) Mütter mit kleinen Kindern.

"Bambini" heißt das neue Sozialkaufhaus, das am kommenden Freitag (17.11.) in Hamm eröffnet wird. Es ist bereits die fünfte Einrichtung dieser Art unter Federführung der Diakonie Ruhr-Hellweg und richtet sich vor allem an Mütter mit kleinen Kindern.

Sie sollen künftig im Sozialkaufhaus für "kleines Geld" Schwangerschafts-, Baby- und Kinderkleidung aber auch Spielzeug und Möbel bis hin zu kompletten Küchen erstehen können. Um den vorhandenen Bedarf decken zu können, setzt die Filialleiterin Elke Schmegel auf die Spendenbereitschaft der Hammer Bürger. Auch gut erhaltenes Spielzeug und Deko-Gegenstände würden gesucht.

Gleichzeitig schafft das Sozialkaufhaus zehn sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze für Männer und Frauen, die bislang langzeitarbeitslos waren. Sie sollen als Verkäufer/innen und Lageristen/innen praktische Erfahrungen sammeln und so für einen Wiedereinstieg ins Berufsleben vorbereitet und motiviert werden. Finanziert werden die Stellen durch das Programm "Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt" des Bundes sowie durch Landesmittel.

Für die Geschäftstätigkeit und Betreuung ihrer Sozialkaufhäuser in Hamm, Holzwickede, Arnsberg, Unna und Werne hat die Diakonie Ruhr-Hellweg eigens die gemeinnützige Tochtergesellschaft "Kaufnett" gegründet. Geschäftsführerin der gGmbH ist Christine Weyrowitz. Ihren Angaben zufolge konnten bisher 90% der Angestellten aus den Sozialkaufhäusern anschließend in eine reguläre Beschäftigung im Einzelhandel oder Handwerk vermittelt werden.

Sozialkaufhäuser gibt es mittlerweile in fast jeder größeren Kommune. Allein im Rheinland gibt es 150 solcher "second-hand"-Kaufhäuser. Eine Link-Liste im pdf-Format mit ausgewählten Standorten in ganz NRW gibt es hier. Die Einrichtungen werden in den meisten Fällen von den Kirchen, den kirchlichen Hilfswerken Caritas bzw. Diakonie oder anderen freien Wohlfahrtsverbänden getragen.

Das Geschäftsmodell ist praktisch überall gleich: gebrauchte (gespendete) Gegenstände von der Kaffeetasse über Kühlschränke und Waschmaschinen bis zum Schlafzimmerschrank werden gesammelt, teilweise aufgearbeitet und anschließend in den Sozialkaufhäusern weiterverkauft – mit doppeltem Effekt: neben "Normalverdienern", die dort ebenfalls zur Kundschaft gehören, ist das Warenangebot insbesondere für Hartz-IV-Empfänger gedacht, die bei Nachweis ihrer Bedürftigkeit 20 bis 30% Rabatt auf die Preise bekommen. Zum anderen fungieren die Sozialkaufhäuser als Qualifizierungsmaßnahme, indem (Langzeit)Arbeitslose hier in Verkaufsberufen geschult werden und damit bessere Chancen auf eine Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt erhalten sollen.

Sonntag, 12.11.2017