Presbyteriumswahl fällt in vielen Gemeinden aus

von Jil Blume

Sonntag, 07.02.2016

ein großes buntes X mit Schriftzug 'aufkreuzen'
Die Presbyteriumswahl 2016 in den evangelischen Gemeinden von Westfalen, Rheinland und Lippe steht unter dem Motto "aufkreuzen".

Am 14. Februar stehen Wahlen an – nicht in der Politik, wohl aber in den gut 1.000 evangelischen Kirchengemeinden in NRW, die jeweils ihr Presbyterium (die Gemeindeleitung) neu wählen. Doch längst nicht überall kommt es auch wirklich zur Abstimmung.

Eine echte Wahl kann und wird tatsächlich nur dort stattfinden, wo es mehr Bewerber als Sitze im Presbyterium gibt. Das zu erreichen, fällt immer mehr Gemeinden schwer. Einerseits setzt das Presbyteramt eine gewisse persönliche Eignung voraus (Mitglied der evangelischen Kirche, mindestens 18 Jahre alt, um das Wohl der Gemeinde bemüht). Andererseits bestehen die Gemeindeleitungen fast ausschließlich aus Ehrenamtlichen - und genau darin liegt auch ein Hauptproblem.

Denn die meisten Kirchenmitglieder sind eher distanziert, wollen sich dementsprechend nicht persönlich in der Kirche einbringen. Andere, die vielleicht enger mit ihrer Kirche verbunden sind, scheuen den Zeit- und Arbeitsaufwand bzw. wollen sich nicht für eine relativ lange Zeitspanne (vier  Jahre Amtszeit) fest binden. Wer der Kirche nahesteht, weiß außerdem, dass sie derzeit an vielen Stellen mit Strukturveränderungen, wenig Geld und Mitgliederschwund zu kämpfen hat. In solchen Zeiten kann Leitungsverantwortung viel Kraft und Nerven kosten. Und last but not least gilt: Wer für das Presbyteramt kandidiert, geht immer auch das Risiko ein, am Ende NICHT gewählt zu werden. Das kann eine persönliche Kränkung bedeuten, der mancher lieber gleich aus dem Weg geht.

Unter diesen Voraussetzungen gelingt es bei weitem nicht allen Gemeinden, ausreichend viele Bewerber zu finden, damit eine echte Wahl stattfinden kann. Viele sind schon froh, wenn sie die nötige Zahl an Menschen zusammen haben, um alle Plätze im Presbyterium besetzen zu können. In diesem Fall findet in der Gemeinde keine Abstimmung mehr statt, die Bewerber gelten automatisch als gewählt.

Auch wenn die Wahlbeteiligung in den vergangenen Jahren von Gemeinde zu Gemeinde sehr unterschiedlich und insgesamt gesehen nie besonders hoch war (Beispiel Ev. Kirche im Rheinland: 2000 = 10,3%; 2004 = 10,7%; 2012 = 11,5%), ist die aktuelle Entwicklung in doppelter Hinsicht besorgniserregend. Zum einen geht ein wichtiges  Mitbestimmungsrecht aller Gemeindemitglieder langsam verloren, zum anderen besteht die Gefahr, dass die personelle Besetzung in den Presbyterien über Jahre hinaus immer dieselbe bleibt - das hemmt Veränderungen und Entwicklungen. Im Gebiet der Ev. Kirche im Rheinland fand bei der Presbyteriumswahl 2012 in bestenfalls 50% aller Gemeindebezirke eine echte Wahl statt.

Die diesjährigen Presbyteriumswahlen stehen unter dem Motto "Aufkreuzen" und finden zeitgleich am 14. Februar in den Gemeinden der evangelischen Landeskirchen von Westfalen (EKvW), Rheinland (EKiR) und Lippe statt. Ausführliche Infos bietet die rheinische Kirche unter http://www.ekir.de/presbyteriumswahl/presbyteriumswahl-147.php . Die westfälische Landeskirche hat mit http://www.kirchenwahl2016.de/ ebenfalls eine eigene Internetseite zur Wahl erstellt. In der Lippischen Landeskirche heißen die Gemeindeleitungen "Kirchenvorstand". Infos zu deren Wahl gibt es unter http://www.lippische-landeskirche.de/kv-wahl
Sonntag, 07.02.2016