Mit Gottvertrauen durch ein langes Leben

von Nathalie Kehl

Sonntag, 31.08.2025

Portrait einer alten Dame
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Frida Thekla Balz blickt auf ein langes und bewegtes Leben zurück. Schon als Kind hat sie ein Gottvertrauen entwickelt, das sie bis heute begleitet. (Foto: Nathalie Kehl)

Frida Thekla Balz (Foto) kann auf ein langes Leben zurückblicken. Viel Schönes war dabei, aber auch manche Krise und Herausforderung – auch schon in jungen Jahren. Als Kind erlebte sie das Ende des 2. Weltkriegs mit, vor zwölf Jahren starb ihr Mann.

Über den Verlust sagt sie heute rückblickend: „Erst habe ich gehadert und gedacht: Viele werden gesund, warum wird ER nicht gesund? Aber als er dann verstorben war, da war ich erleichtert, weil ich gedacht hab: Jetzt hat er seinen Frieden, er braucht nicht mehr leiden und er ist gut aufgehoben.“ Aus diesen Worten spricht nicht nur ein überzeugter Glaube, sondern auch ein großes Gottvertrauen, das Frida Thekla Balz so zusammenfasst: „Ich hatte immer das Gefühl: Da ist einer neben dir, der passt auf dich auf.“

Persönliche Krisen – etwa durch Krankheit, Trennung oder Trauer – sind menschlich unvermeidbar und können sowohl biologisch also auch psychologisch sehr belastend sein. Doch der Mensch ist erfinderisch, wenn es darum geht, wieder Halt zu finden.

Krisen aktivieren zunächst einmal unser biologisches Stresssystem. Im Körper wird das sympathische Nervensystem hochgefahren, Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin fluten den Organismus. Das Herz rast, der Schlaf ist gestört, man fühlt sich wie in einem permanenten Alarmzustand. Evolutionär war das sinnvoll – der Körper mobilisiert alle Kräfte, um Gefahren zu bewältigen. Aber bei persönlichen Krisen, die sich über Wochen oder Monate hinziehen, wird dieser Dauerstress zu einer Belastung und kann sogar krank machen.

Was hilft? Studien zeigen, dass soziale Bindungen und emotionale Sicherheit das Stresssystem . körperlich messbar beruhigen: In Gegenwart vertrauter Menschen sinkt die Cortisolkonzentration. Unser Körper signalisiert uns: „Du bist nicht allein, du bist geschützt.“

Die Psychologie wiederum beschreibt Krisenbewältigung oft mit dem Begriff Resilienz und meint damit die Fähigkeit, sich trotz schwerer Belastungen wieder aufzurichten. Drei Faktoren gelten dabei als entscheidend:

  1. Sinn erleben – Wer sein Leid in einen größeren Zusammenhang einordnen kann, erträgt es eher.
  2. Kontrollerleben – Auch wenn man die Situation nicht ändern kann, hilft es, auf bestimmte Aspekte Einfluss zu haben. Studien belegen, dass Menschen, die in Krisen wenigstens Teilbereiche als beeinflussbar wahrnehmen (z. B. Tagesstruktur, kleine Entscheidungen), ein geringeres Risiko für Hilflosigkeit und Depression haben
  3. Soziale Unterstützung – Die Bindungsforschung zeigt, dass Menschen in belastenden Situationen besonders dann stabil bleiben, wenn sie sich in ein tragfähiges soziales Netz eingebunden wissen. Menschen, die sich getragen fühlen, haben bessere Chancen, nicht in Depression oder Verzweiflung abzugleiten.

Und hier kommen Religion und Glaube ins Spiel. Für viele Menschen sind sie ein wichtiger psychologischer und sozialer Schutzfaktor. Der Glaube an Gott kann verschiedene der oben genannten Schutzfaktoren verstärken und damit potenziell krisenstabilisierend wirken:

  • Sinngebung: Religiosität bietet narrative Deutungsmuster, in denen Leid nicht als sinnlos erscheint, sondern in einen größeren Zusammenhang gestellt wird. Diese Deutungsmuster erfüllen die psychologisch beschriebene Funktion des „Meaning-Making“.
  • Geborgenheit und Bindung: Religionspsychologische Studien zeigen, dass die Beziehung zu Gott ähnlich wie eine Bindungsbeziehung erlebt werden kann („Attachment to God“; Kirkpatrick, 2005). Wer an Gott glaubt, erlebt oft, dass er nicht völlig ausgeliefert ist – auch in Dunkelheit gibt es „jemanden“, der trägt. Gebet oder Meditation können so das Gefühl von Sicherheit und Fürsorge vermitteln – mit messbaren Auswirkungen auf das biologische Stresssystem.
  • Soziale Integration: Kirchliche Gemeinschaften bieten soziale Unterstützung, Rituale und geteilte Bewältigungsformen. Diese kollektiven Praktiken können emotionale Entlastung und Zugehörigkeit vermitteln. Menschen in Trauer berichten zum Beispiel, dass gemeinsames Singen oder Beten sie innerlich stabilisiert. Wenn in einer Krise die eigenen Worte fehlen, tragen vielleicht die Worte des Glaubens und der Gemeinschaft.
  • Hoffnungsperspektive: Besonders in Trauersituationen erweist sich die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod als psychologisch stabilisierend, da sie die Endgültigkeit des Verlustes relativiert. Die Vorstellung von einem „Danach“, sei es himmlische Geborgenheit oder die Auferstehung, kann Ängste vor endgültigem Verlust abmildern.

Während die Biologie uns in einer Krisensituation aufzeigt, dass wir Nähe und Sicherheit brauchen, erklärt die Psychologie, wie Sinn und Hoffnung uns resilient machen. Der christliche Glaube bietet beides: er schafft eine „sichere Bindung“ zu Gott und öffnet gleichzeitig eine Sinnperspektive über das Hier und Jetzt hinaus. So könnte man abschließend sagen: In der Krise schenkt der Glaube nicht die Garantie, dass es leicht wird – aber er schenkt die Gewissheit, dass man den Weg nicht allein gehen muss.

(Dieser Text wurde mit KI-Unterstützung erstellt)

Sonntag, 31.08.2025