Hausbesuch: die Indische Gemeinde in Krefeld

von Bettina Furchheim

Sonntag, 01.05.2016

Prtraitbild von Reverend Dr. George Melel, Pastor der Indischen Gemeinde Krefeld
Seit 1996 ist Reverend Dr. George Melel zuständig für mehrere Protestantische Indische Gemeinden in NRW - u.a. in Krefeld, Essen und Mönchegladbach.

In der mittlerweile siebten Folge unserer Reihe "Hausbesuch" machen wir heute Station in Krefeld und besuchen dort die Protestantische Indische Gemeinde von Reverend Dr. George Melel. Seit 1979 ist sie am Niederrhein ansässig.

Aber damals, so erzählt Pastor Melel im Interview, habe es nur ganz wenige indische Christen in der Region gegeben. Deshalb hatte die Gemeinde zu Anfang auch keinen eigenen Pfarrer. Er selbst sei 1980 nach Deutschland gekommen, um als Seelsorger für die in ganz Deutschland verstreuten indischen Familien da zu sein. Dazu habe er viel reisen müssen, auch nach Frankfurt und Heidelberg, erinnert er sich. Heute ist Pastor Melel zuständig für das Gebiet von Nordrhein-Westfalen, wo er neben Krefeld auch noch kleine indische Gemeinden in Mönchengladbach, Rheinberg und Essen betreut.

Sein geistliches Amt in Krefeld für die seinerzeit rund 40 Gemeindeglieder trat er 1996. Nachdem mehrere Familien im Laufe der Jahre nach Indien zurückgekehrt und gleichzeitig Christen aus Sri Lanka und anderen asiatischen Ländern hinzugekommen sind, ist aus der indischen mehr und mehr eine internationale Gemeinde geworden. Entsprechend vielsprachig geht es in den Gottesdiensten zu, die Pastor Melel sonntags ab 14.30 Uhr in der Kirche der Krefelder Baptistengemeinde feiert.

Die Gemeinde startet mit Englisch, dann geht es auf Tamil weiter. Die Predigt ist wieder auf Englisch, wird aber in Tamil übersetzt. Und bei Bedarf gibt es weitere simultane Übersetzungen – ins Deutsche oder in andere Sprachen. Insgesamt kann der freikirchlich-charismatisch geprägte Gottesdienst bis zu drei Stunden dauern, erzählt Pastor Melel: "Wir beginnen mit Gebeten, dann folgen vier bis fünf Lieder in Deutsch, Tamil und Malayalam. Die Kinder sprechen Gedenkverse, und danach können die Besucher dann darüber erzählen, wie sie Jesus und ihren Glauben in der Gemeinschaft erleben, oder am Arbeitsplatz." Erst dann beginne die Predigt, die allein etwa 45 Minuten in Anspruch nehme. Anschließend folgen weitere Lieder und Gebete.

Aber niemand aus seiner Gemeinde empfinde die Mischung aus Lobpreis und Anbetung, Gottesdienst und Gemeinschaft als zu lang, sagt Pastor Melel – im Gegenteil: "Sie sind wirklich glücklich, im Gottesdienst zu sein. Sie BRAUCHEN diese Art der spirituellen Anbetung für ihre Familien und ihre Kinder. Und für die Musik benutzen wir nicht nur die Orgel, sondern auch Trommeln, Gitarre und andere Instrumente. Das macht die Gottesdienste lebhafter und aktiver für die Leute."

Trotz ihrer geringen Größe hat die Indische Gemeinde viel zu bieten: Es gibt Hauskreise und Bibelstunden, Treffen für Jugendliche und Kinder. Außerdem hilft die Gemeinde bei der Integration von Einwanderern in Krefeld, sie bietet Deutschkurse an und organisiert Treffen bei Sport und Musik. Ein kleiner bunter Tupfer in der großen Welt der evangelischen Kirche.
Sonntag, 01.05.2016