Gütesiegel "Grüner Knopf": Ein Anfang, mehr nicht

von Ann-Marlen Hoolt

Sonntag, 06.10.2019

Gütesiegel für faire Kleidung
In seiner Endstufe soll der "Grüne Knopf" die gesamte Lieferkette in der Bekleidungsindustrie umfassen, prüfen und bewerten (Foto: BMZ / Agentur Tinkerbell)

Saubere Rohstoffe, umweltverträgliche Produktion und faire Löhne – drei Dinge, die sich Verbraucher zwar wünschen, die aber in der Bekleidungsindustrie unerreichbar bleiben, solange hierzulande T-Shirts und Hosen für unter 10 Euro zu haben sind.

Kleidung wird heute schnell produziert, schnell gekauft und auch schnell wieder entsorgt. "Fast Fashion" nennen das die Fachleute. Modeketten bringen pro Jahr mehr als 20 Kollektionen auf den Markt. Und laut Greenpeace kauft jeder Bundesbürger im Schnitt 60 Kleidungsstücke pro Jahr. Getragen werden sie aber nur noch halb so lange, wie noch vor 15 Jahren. Damit ist Kleidung auf dem besten Weg zum Wegwerfartikel.

Dabei gibt es durchaus Alternativen zu den Billig-Klamotten und Hersteller, denen das Schicksal der Arbeiter und der Umweltschutz nicht egal sind. Doch woran kann der Verbraucher nachhaltig produzierte Kleidung erkennen? Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat im September 2019 ein neues Gütesiegel vorgestellt, das genau dabei helfen soll. Isabel Ullrich von der Christlichen Initiative Romero aus Münster ist allerdings skeptisch: "Der »Grüne Knopf« ist ein sogenanntes Metasiegel, dass das Bundesministerium für Entwicklung vergibt, und es hat laut Entwicklungsminister Müller das Ziel, den Verbrauchern Orientierung zu bieten. Das ist unserer Meinung nach der falsche Ansatz für das Problem, was wir eigentlich haben - nämlich dass die Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie nicht menschenwürdig sind".

Die Christliche Initiative Romero kritisiert den "Grünen Knopf" schon, seit die ersten Pläne dafür vorgestellt wurden. Das Siegel gaukle ein Versprechen vor, dass es nicht halten könne. Denn ökologisch und sozial verträgliche Kleidung gebe es eigentlich nicht. Und ein Siegel könne daran auch nichts ändern, meint Isabel Ullrich: "Das Siegel selbst ist einfach nicht die richtige Methode, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Dafür bräuchte man etwas, was für ALLE gilt - ein Gesetz, was wirklich diese menschenrechtlichen und sozialen und ökologischen Standards festschreibt. Das Siegel kann eine gute flankierende Maßnahme zu so einem Gesetz sein, aber dann müsste an verschiedenen Stellen noch nachgebessert werden."

Aktuell werden für die Siegelvergabe nur zwei Arbeitsschritte überprüft: Das Nähen und das Färben der Textilien. Über die Arbeitsbedingungen der Näherinnen, ihre Bezahlung oder die Umweltverträglichkeit der Rohstoffe sagt der "Grüne Knopf" dagegen nichts aus. Das soll sich in den nächsten Jahren ändern, hat Bundesentwicklungsminister Gerd Müller versprochen. Isabel Ullrich von erklärt, wie man jetzt schon nachhaltig shoppen kann: "Generell ist es sinnvoll einfach weniger zu kaufen und unser Konsummuster zu hinterfragen: Brauche ich wirklich neue Kleidung, oder gehe ich gerade aus Spaß shoppen? Wenn man aber wirklich was braucht, dann kann man auf die glaubwürdigen Siegel achten, die es schon gibt. Das sind bei sozialen Kriterien die FairWare-Foundation, das FairTrade-Siegel für die Baumwolle und G.O.T.S. (Global Organic Textile Standard) für die ökologischen Kriterien."

Greenpeace bietet ausführliche Infos und Zahlen zum Problem der "Fast Fashion" – den entsprechenden Flyer "Konsumkollaps durch Fast Fashion" gibt es als pdf-Datei zum Herunterladen. Eine gute Übersicht bietet auch die Initiative Südwind mit ihrer kostenlosen Broschüre "Sozial-ökologische Mode auf dem Prüfstand", die ebenfalls als pdf-download verfügbar ist.

Sonntag, 06.10.2019