CBM-Pilotprojekt: Augenlicht retten per App

von Doris Hammerschmidt

Sonntag, 06.10.2019

Untersuchung beim Augenarzt
36 Mio. Menschen weltweit sind blind, weitere 217 Mio. sind sehbehindert. 89% der weltweit betroffenen Menschen leben in Entwicklungsländern. 75% aller Sehbehinderungen könnten vermieden werden. (Quelle: CBM)

In Afrika einen Termin beim Augenarzt zu kriegen, ist fast unmöglich. Denn auf einen Augenarzt kommen hier bis zu eine Million Menschen. Zum Glück gibt es christliche Hilfsorganisationen wie die Christoffel Blindenmission (CBM).

Sie unterstützt, hilft und heilt Sehbehinderte und Augenkranke in den Entwicklungsländern – und das schon seit über 100 Jahren. Allein im vergangenen Jahr hat die Christoffel Blindenmission weltweit mehr als 600.000 Operationen finanziert und damit 600.000  Patienten mit "Grauem Star" das Augenlicht gerettet. Neu ist ein Pilotprojekt, das die CBM zusammen mit der Hilfsorganisation "Peek Vision" in Simbabwe gestartet hat.

Durch den Einsatz mobiler Digitaltechnik sollen hier die wenigen Augenärzte vor Ort entlastet werden, sagt Dr. Heiko Philippin von der Christoffel Blindenmission. Moderne Technik könne zumindest teilweise ärztliche Aufgaben übernehmen: "Ein Bereich, den wir da austesten, ist mit Smartphones und Tablets vor Ort Diagnostik zu machen." Ein Ansatzpunkt dabei seien zum Beispiel die Seh-Tests in den Schulen. Sie sollen dafür sorgen, dass Kinder mit Augenproblemen rechtzeitig operiert werden oder eine Brille bekommen: "Wenn das zu spät passiert oder gar nicht, dann lernen die Augen nicht normal sehen. Tatsächlich ist die fehlende Brille inzwischen Erblindungsursache Nummer zwei, nach dem Grauen Star."

Für die Seh-Tests kommt eine speziell entwickelte App zum Einsatz, die sich jeder runterladen könne, so Dr. Philippin. Die CBM sorge für die entsprechende Schulungen. So können Lehrer und andere Laien die Sehtests mit der App schon nach einer kurzen Einführung selbständig durchführen. Und das Grundprinzip der App hilft auch bei anderen Krankheiten, zum Beispiel beim Grünen Star. Bei dieser chronischen Erkrankung sei es wichtig, dass die Patienten über Jahre begleitet werden. Auch hier helfe die mobile Digitaltechnik, indem z.B. per SMS Erinnerungen an die Patienten geschickt werden.

Solche Modellprojekte sollen den wenigen Augenärzten Zeit geben, sich auf das zu konzentrieren, was nur sie können: Krankheiten diagnostizieren und Patienten operieren. Das Projekt in Simbabwe soll deswegen langfristig auf weitere Projektländer der Christoffel Blindenmission ausgeweitet werden.

Die christliche Entwicklungshilfeorganisation ist Mitträgerin der alljährlichen bundesweiten "Woche des Sehens", die in diesem Jahr vom 8. bis 15. Oktober stattfindet. Nach Angaben des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e.V. nehmen seit dem Jahr 2002 "Augenärzte, Selbsthilfe- und Entwicklungshilfeorganisationen die Aktionswoche zum Anlass, um auf die Situation blinder und sehbehinderter Menschen in Deutschland sowie in Entwicklungsländern aufmerksam zu machen. Die Fernsehjournalistin Gundula Gause unterstützt die Kampagne als Schirmherrin.

Sonntag, 06.10.2019