Franziskus: Papst auf Reisen

von Christof Beckmann

Sonntag, 03.02.2019

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Bild: Logo der Papstreise in die Vereinigten Arabischen Emirate, Wappen von Papst Franziskus

120.000 werden am Dienstag die erste Papstmesse in Abu Dhabi mitfeiern. Der erste Papstgottesdienst auf der Arabischen Halbinsel wird live in alle katholischen Kirchen der Emirate übertragen. Allein in den Emiraten leben eine Million Katholiken.

INFO: Gleich nach dem Angelus auf dem Petersplatz in Rom, hebt er wieder ab –diesmal geht es um 13 Uhr auf eine Reise, die es in sich hat. Und bei der es ums Brückenbauen geht – und „Pontifex“ heißt ja nichts anderes: Es ist die erste Reise, die ein Papst überhaupt auf die Arabische Halbinsel unternimmt. Rund 1 Million Christen gibt es in den Vereinigten Arabischen Emiraten, alle Gastarbeiter, vor allem aus Indien, Pakistan und den Philippinen, aber auch aus arabischen Ländern wie Libanon und Syrien oder aus Europa. Mindestens 120.000 werden mit staatlichen Würdenträgern und Diplomaten am Dienstag bei einer großen Messe im Sportkomplex „Zayed Sports City“ von Abu Dhabi erwartet, die auch live im Internet und allen Kirchen übertragen wird. Die Einlasskarten wurden über die Pfarreien des Apostolischen Vikariats für Südarabien verteilt, das neben den Emiraten auch Oman und Jemen umfasst. Ein Kontingent geht auch an das nordarabische Vikariat mit Bahrain, Kuwait, Katar und Saudi-Arabien. Beide Vikariate zählen mit einer Fläche von rund drei Millionen Quadratkilometern zu den flächenmäßig größten Kirchenbezirken der Welt. Insgesamt leben in den Vikariaten rund dreieinhalb Millionen Katholiken, die von nur etwa 120 Priestern betreut werden.

Die Religionsfreiheit der Christen ist in einigen Ländern des Gebietes stark eingeschränkt, besonders in Saudi-Arabien, denn die Arabische Halbinsel, wo der Islam im 7. Jahrhundert entstand, gilt Muslimen als heiliger Boden. Zuvor hatte dort das Christentum bereits Fuß gefasst und drang entlang der spätantiken Handelsrouten nach Indien weiter Richtung Süden vor: Große Stammesverbände in Nordarabien waren im sechsten Jahrhundert bereits christianisiert und dienten dem byzantinischen Kaiser als Vasallen, auch Mohammed selbst selbst begegnete als Karawanenführer offenbar etlichen Christen. Doch lebten bereits in der islamischen Frühphase zwischen Rotem Meer und Persischem Golf praktisch keine Christen mehr. Erst mit portugiesischen Stützpunkten gewannen Christen im 16. Jahrhundert wieder Einfluss auf die Arabische Halbinsel, die Briten sicherten am Golf mit Protektoraten im Jemen und Oman ihren Seeweg nach Indien. Erst der Ölboom veränderte seit den 1950er Jahren das Glaubensgefüge Arabiens erheblich. Allein in den Emiraten leben heute zwei Millionen Inder und eine Million Christen; damit gehört mehr als jeder zehnte Einwohner einer Kirche an. Mit etwa dreieinhalb Millionen Gläubigen stellen die Katholiken, verteilt auf die zwei Apostolischen Vikariate, die größte christliche Konfession auf der Halbinsel. Zuständiger katholischer Bischof ist der Schweizer Paul Hinder (76), der wie alle Bischöfe seit Beginn des 19. Jahrhunderts dem Orden der Kapuziner angehört.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten, in denen 1965 die erste katholische Kirche entstand, sind offene Kritik am Islam und christliche Mission verboten, doch sie gelten als religiös toleranter als die anderen Golfstaaten und das riesige Nachbarland Saudi-Arabien. Seit 2007 bestehen diplomatische Beziehungen zum Vatikan, 2010 entsandten die Emirate ihre erste Botschafterin an den Heiligen Stuhl. Der Präsident der Emirate, Scheich Khalifa bin Zayed, hat 2019 als „Jahr der Toleranz“ ausgerufen, Kronprinz Muhammad bin Zayed wünschte am 25. Dezember allen Christen weltweit „Frieden und Glück“ zum Weihnachtsfest. Der 2014 mit Sitz in Abu Dhabi gegründete Gelehrtenrat des „Muslim Council of Elders“, geleitet von Großscheich Ahmad al-Tayyeb von der Kairoer Al-Azhar-Universität, setzt sich für einen moderaten Islam ein. Er wird am 4. Februar im Founder's Memorial im Rahmen einer interreligiösen Begegnung mit dem Titel „Human Fraternity“ („Geschwisterlichkeit zwischen den Menschen“) mit Papst Franziskus zusammentreffen und Wege für ein besseres Zusammenleben der Religionen besprechen – der eigentliche Anlass der Abu-Dhabi-Reise.

Sie gilt als Teil einer dreifachen Initiative des Papstes in die islamische Welt: Ihr erster Teil führte ihn im April 2017 nach Ägypten. Nun, vom 3. bis 5. Februar, folgen die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Ende März der Maghreb mit Marokko. Die beiden Reisen treffen sich mit dem Jahrestag eines Treffens zwischen Franz von Assisi mit dem ägyptischen Sultan Malik al-Kamil vor genau 800 Jahren.

Das Programm zur Papstreise in die Vereinigten Arabischen Emirate: http://w2.vatican.va/content/francesco/en/travels/2019/outside/docum ents/papa-francesco-emiratiarabiuniti-2019.html

Sonntag, 03.02.2019