Erntedank: ohne Bienen leidet die Schöpfung

von Joachim Gerhardt

Sonntag, 02.10.2016

Nahaufnahme einer Honigbiene auf einer Lila Blüte
Rund 80 Prozent aller Pflanzen sind auf Bestäubung angewiesen, um sich vermehren und verbreiten zu können. Bienen haben daran großen Anteil.

Nach Rind und Schwein ist sie das wichtigste Nutztier des Menschen. Ohne sie gäbe es ein Drittel unserer Nahrung nicht. Sie ist für drei Billionen Dollar Umsatz auf dem Agrarmarkt verantwortlich. Und sie ist in Gefahr: die Biene.

"Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben." Dieses Zitat, das Albert Einstein zugeschrieben wird, macht deutlich, wie groß die Abhängigkeit des Menschen von der Biene ist: 80% aller Pflanzen sind von der Bestäubung durch Bienen, Wespen und Hummeln abhängig. Die Wichtigste unter ihnen ist die Honigbiene. Unter den 560 Wildbienenarten in Deutschland befinden sich gerade mal sieben Honigbienenarten.

Die gilt es mehr zu schützen, denn die Biene ist vielen Gefahren ausgesetzt, die ihr Überleben gefährden. Der Hauptfeind der Honigbiene ist die Varroamilbe. Dieser Schädling setzt sich zum einen auf die Bienenlarven, ernährt sich vom Körper der ungeschlüpften Biene und sorgt so dafür, dass sie lebensunfähig wird. Zum anderen schwächt die Milbe das Immunsystem und den Orientierungssinn erwachsener Bienen, so dass diese nach dem Ausflug ihren Bienenstock nicht mehr wiederfinden.

Auch der Mensch macht der Biene das Leben schwer: Landwirte besprühen ihre Felder mit Pestiziden, um sie von Schädlingen freizuhalten. Doch die Pflanzenschutzmittel schaden oft auch den Bienen, die versuchen die Pflanzen zu bestäuben. Ebenfalls negativ wirkt sich der Anbau von Monokulturen aus. Viele Bauern spezialisieren sich nur auf einige wenige Pflanzenarten, um so höhere Erträge und mehr Profit zu erzielen. Das aber geht zu Lasten der Pflanzenvielfalt. Den Bienen fehlen blühende Blumen als Nahrung, so dass sie einseitig ernährt sind und noch mehr geschwächt werden. Und wenn die Blütezeit auf den Monokulturen vorbei ist, fehlt es den Bienen komplett an alternativen Nahrungsquellen.

Aus all diesen Gründen sehen sich immer mehr Imker gezwungen, mit ihren Bienenvölkern in die Stadt zu ziehen, da die Bienen hier im Vergleich zu den ländlichen Regionen ganzjährlich Nahrung finden — etwa in Schrebergärten und Parks. So wurde "Stadtimkerei" mittlerweile schon zu einem neuen Trend. Doch auch er ist keine wirkliche Lösung, die das Überleben der Bienen sichern kann. "Wir sind die größten Naturschützer weltweit mit unsere Bienenhaltung", so Uwe Plath, Imker aus Düsseldorf. Er wünscht sich mehr Unterstützung. Durch den Kauf von deutschem Honig und Bienenwachsprodukten im Supermarkt oder direkt beim Imker könne jeder etwas tun, "um die nachhaltige Bienenzucht in Deutschland zu fördern."

Sonntag, 02.10.2016