Erntedank: Bauern ziehen Bilanz

von Stefan Klinkhammer

Sonntag, 07.10.2018

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Immer am ersten Sonntag im Oktober feiern wir Erntedank. Aber wie sieht es dieses Jahr aus - gibt es da überhaupt einen Grund zu danken? Nach dem heißen Sommer? Fragen an Bernhard Conzen vom Bauernverband und Brauchtumsforscherin Dagmar Hänel …

INFO: Die Ernte in NRW und Deutschland fiel durch die Witterung sehr unterschiedlich aus. Bei den Getreide-Erträgen stand NRW im Ländervergleich noch gut da, doch waren besonders Mais, Grünland, Raps, Zuckerrüben und Kartoffeln durch die Dürre 2018 stark betroffen. Auch im Rheinland gab es massive Ursula Heinen-Esser am 20. August vorgestellten Ergebnisse zur Erntebilanz 2018 deutlich machten. Und doch sind auch heute wieder die Kirchen mit Früchten, Gemüse, Getreide, Brot und Blumen geschmückt - Kirchen und Landwirte danken für die eingebrachte Ernte mit dem Erntedankfest. Seit dem 3. Jahrhundert erinnert dieser eigene Festtag daran, dass Gott der Schöpfer der Welt ist. In der Liturgie kommt dies im „Vater unser“ und der Bitte „Unser tägliches Brot gib uns heute“ zum Ausdruck. Neben geschmückten Altären gibt es an manchen Orten auch Prozessionen, aufwändig gestaltete Blumen- und Früchteteppiche oder Erntekränze und -kronen. Der Termin des Festes in der katholischen Kirche ist nicht zuletzt wegen der unterschiedlichen Wetter- und Klimazonen weltweit nicht einheitlich. Für Deutschland hat die Bischofskonferenz 1972 den ersten Sonntag im Oktober festgelegt, an dem auch die meisten evangelischen Gemeinden Erntedank feiern.

Schon in vorchristlicher Zeit gab es in fast allen Kulturen Riten und Feste, um für eine gute Ernte zu danken oder um sich durch Opferungen und andere kultische Handlungen vor Ernteausfällen, Unwetter und anderen Schäden zu schützen. Dies beschreibt schon das allererste Buch des Alten Testaments: In der „Genesis“ wird beschrieben, dass Ackerbauer Kain einige Früchte seiner Felder und sein Bruder, der Hirte Abel, ein Jungtier aus seiner Herde opferte. Auch in vielen anderen Texten spielt das Thema Ernte wichtige Rolle, nicht zuletzt in einigen Gleichnissen Jesu. Zahlreiche Bräuche, die den Abschluss der Ernte begleiteten, setzen sich bis heute in regionalen Bräuchen fort.

Preußen führte 1773 einen regelmäßigen Erntedanktag ein, der 1933 von den Nationalsozialisten mit großem Propaganda-Aufwand wiederbelebt wurde. Auch der „Thanksgiving Day“, der in den USA seit 1941 am vierten Donnerstag im November als großes Familienfest begangen wird, hat sich aus dem Erntedankfest entwickelt, das erstmals 1621 in Massachusetts von den Pilgervätern als Dank für die erste Ernte gefeiert wurde.

Unsere Gesprächspartner:

Dr. Dagmar Hänel, Leiterin der Abteilung Volkskunde beim LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte. Kontakt: LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, Abteilung Volkskunde, Endenicher Str. 133, 53115 Bonn, Tel. 0228 / 98 34 261, E-Mail: dagmar.haenel@lvr.de.Dagmar Hänel, Brauchtumsforscherin.

Bernhard Conzen, Landwirt aus Gangelt im Kreis Heinsberg, seit 2014 Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbands. Kontakt: Rheinischer Landwirtschafts-Verband e.V. (RLV), Rochusstraße 18, 53123 Bonn, Tel. 0228 / 5200-6100, Fax 0228 / 5200-6159, E-Mail: info@rlv.de, Internet: www.rlv.de 

Sonntag, 07.10.2018