Die Umweltschützer vom Hambacher Forst

von Beate Raguse & Manfred Rütten

Donnerstag, 31.05.2018

Bagger im Braunkohle-Tagebau
Im 1978 aufgeschlossenen Tagebau Hambach werden pro Jahr ca. 40 Mio. Tonnen Braunkohle gefördert. Bis zum Ende der Auskohlung im Jahr 2040 dürften Kohle und Erdreich mit einem Volumen von etwa 18,6 km3 abgebaut sein.

Der Hambacher Forst zwischen Aachen und Köln war mal über 4.000 Hektar groß. Aber dann kam der Braunkohle-Tagebau. Heute hat der Wald nur noch eine Fläche von gut 500 Hektar. Umweltaktivisten versuchen, diesen Rest zu erhalten.

Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts erstreckte sich der auch als Bürgewald bekannte Hambacher Forst über etwa 12.000 Hektar. Bevölkerungswachstum, Besiedelung, Holzgewinnung, Industrialisierung und Straßenbau ließen das Gebiet im Laufe der Jahrhunderte auf etwa ein Drittel seiner ursprünglichen Größe schrumpfen. In den 1970er Jahren verkauften die angrenzenden Gemeinden ihre Anteile am Hambacher Forst an die damalige Rheinbraun AG und erhielten dafür hohe Entschädigungen. Damit war der Weg frei für den Braunkohle-Tagebau, der 1978 in dem Gebiet begann und dem seither große Teile des Waldes zum Opfer gefallen sind.

So alt wie der Tagebau ist auch der Widerstand gegen das Projekt. Doch alle Proteste und Gerichtsverfahren konnten bislang nicht verhindern, dass der heutige Betreiber RWE den Wald weiter rodet und der Tagebau voranschreitet. Zuletzt machten Demonstranten am 5. November 2017 auf den aus ihrer Sicht "Klimakiller Braunkohle" aufmerksam, indem rund 3.000 Aktivisten einen Tag vor Beginn des Weltklimagipfels in Bonn Teile des Hambacher Tagebaus besetzten.

In den Jahren zuvor konzentrierten sich die Aktionen der Umweltschützer darauf, den noch verbliebenen Wald zu erhalten. So räumte die Polizei im November 2012 und März 2013 mehrere Zelt- und Hüttenlager von Tagebaugegnern. Wenig später entstand an anderer Stelle im Hambacher Forst ein neues Camp. Teilweise haben die Aktivisten Baumhäuser errichtet, die nur mit großem Aufwand durch die Polizei geräumt werden können.

Unter den Demonstranten finden sich Umweltaktivisten, Ökos, Aussteiger aber auch Etablierte. Manche bleiben nur für ein paar Wochen im Hambacher Forst, andere leben hier schon lange. "Klamsi", einer der Baumbesetzer, erzählt: "Ich wohne hier im Hambacher Forst seit etwas mehr als sechs Jahren. Ich fand den Anblick von diesem Tagebau und dem Riesenloch und dem verschwindenden Wald so erschütternd, dass ich mir gedacht hab: Ja, ich will hier bleiben und was dagegen tun. Es geht ja hier nicht nur um das lokale Problem von Umweltzerstörung, sondern auch um Klimawandel , was ein globales Problem ist. Und mir war es einfach wichtig, etwas Sinnvolles mit meinem Leben zu machen und hier habe ich das sinnvollste für mich gefunden, was ich so machen kann."

Donnerstag, 31.05.2018