Delegation der EKD trifft morgen Papst Franziskus

von Manfred Rütten

Sonntag, 05.02.2017

Papst Franziskus
Papst Franziskus - auf seinem Pontifikat ruhen nicht nur auf katholischer Seite große Erwartungen. Auch die evangelischen Kirche in Deutschland erhofft sich von ihm frischen Wind in der Ökumene.

Papst Franziskus empfängt am 6. Februar 2017 zehn Spitzenvertreter der Evangelischen Kirche zu einer Privataudienz. Die Delegation aus Deutschland will bei dem Treffen auch schwierige Fragen wie das gemeinsame Abendmahl ansprechen.

Angeführt wird die Gruppe hochkarätiger Kirchenvertreter vom Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, der zugleich Landesbischof in Bayern ist. An seiner Seite nimmt auch der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, an der Audienz teil. "Man wolle unterstreichen, dass die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland eine besondere Verantwortung für den weiteren Weg der Ökumene wahrnehmen wollten", hieß es dazu in einer Pressemitteilung der EKD.

Begleitet von weiteren evangelischen und katholischen Würdenträgern waren Marx und Bedford-Strohm Mitte Oktober 2016 bereits zu einer gemeinsamen Pilgerreise nach Israel gefahren. Die während des einwöchigen Aufenthaltes gewonnen Eindrücke und Erlebnisse hätten die beiden Konfessionen weiter zusammenrücken lassen, so Bedford-Strohm: "An den Quellen, wo Jesus gelehrt hat, haben wir in ganz tiefer Weise gespürt, warum wir zusammengehören. Christus hat uns zusammengebracht. So pathetisch und so einfach kann man das sagen." Er hoffe, dass sich dieser Geist im Gespräch mit dem Papst ausbreitet und am Ende auch zu sichtbaren Schritten führt.

Noch allerdings sind evangelische und katholische Kirche in zahlreichen kirchenrechtlichen Punkten unterschiedlicher Meinung und deshalb getrennt. So zum Beispiel auch beim Thema Abendmahl. Weite Teile der evangelischen Kirche sind der Auffassung, dass Christus selbst an den "Tisch des Herrn" einlädt. Deshalb sind hier grundsätzlich alle Getauften zum Abendmahl zugelassen – auch katholische Christen. Die römisch-katholische Kirche erlaubt ihren Gläubigen jedoch nicht, an Abendmahlsfeiern anderer Kirchen teilzunehmen. Grund dafür ist das katholische Amtsverständnis, dem zufolge nur ein vom zuständigen (katholischen) Bischof geweihter (männlicher) Priester das Sakrament des Abendmahls gültig spenden kann.

"Der Schmerz der Trennung beim Abendmahl ist uns in sehr tiefer Weise deutlich geworden", erklärte der EKD-Ratsvorsitzende nach der Rückkehr von der gemeinsamen Israel-Reise mit seinen katholischen Amtskollegen. Bedford-Strohm möchte hier Änderungen erreichen – vor allem im Blick auf konfessionsverschiedene Ehepaare: "Dass Menschen, die ihr tägliches Leben teilen, dann am Tisch des Herrn getrennt sein müssen, das kann uns nicht ruhig lassen. (…) Das alles bringen wir mit. Und das alles wollen wir auch ins Gespräch mit dem Papst bringen."

Zur evangelischen Delegation, die den Papst treffen wird, gehört neben Bedford-Strohm auch seine Stellvertreterin im Rat der EKD, die westfälische Präses Annette Kurschus. Mit dabei sind außerdem die Präses der EKD-Synode Irmgard Schwaetzer, der Vorsitzende des Kontaktgesprächskreises Kirchenpräsident Christian Schad sowie sechs weitere Ratsmitglieder.
Sonntag, 05.02.2017