Ben Becker auf Tour mit "Ich, Judas"

von Matthias Huttner

Sonntag, 27.11.2016

Der Film- und Theaterschauspieler Ben Becker.
Ben Becker im Jahr 2014 bei einem Empfang auf dem Rathausplatz in Wien. Foto: Manfred Werner/Tsui – Bearbeitung (Zuschnitt): Manfred Rütten. CC BY-SA 3.0

Die Bibel erzählt, dass Judas Ischarioth – ein Jünger Jesu – seinen Meister für 30 Silberlinge an dessen Gegner ausgeliefert hat. Seitdem steht sein Name für Verrat. Aber stimmt das? In dem Stück "Ich, Judas" stellt Ben Becker unbequeme Fragen.

So heißt es zum Beispiel in einer Szene: "Was war denn schon zu verraten, frage ich Euch? Sein Aufenthaltsort? Der Garten von Gethsemane? Aber den kannten doch Tausende. (…) Man hört auch das: Ich hätte den Behörden sein großes Geheimnis verraten. Dass er Gottes Sohn sei. (…) Aber das hat er doch selbst gesagt. Vor allem Volk, auf dem Marktplatz, mitten unter den Leuten. (…) Glaubt Ihr denn wirklich, man hätte einen Verräter gebraucht, nur um zu erfahren, was in jeder Akte stand?"

Ben Beckers Performance von "Ich, Judas" ist eine Mischung aus Theaterspiel und Lesung - eine One-Man-Show, in der der Schauspieler die biblische Geschichte mit Texten von Walter Jens und Amos Oz konfrontiert. Mal laut, mal leise aber immer eindringlich stellt Becker Fragen in den Raum. Manche davon klingen wie aus einem Verhör: "Wenn Du unschuldig bist, wie Du behauptest: Warum hast Du Dich dann aufgehängt?" Darauf antwortet Becker in der Rolle des Judas: "Das kann ich Euch sagen: (…) Weil ich meinem Herrn nicht nachsterben wollte. Ein Judas – hört Ihr? – geht voraus!"

Judas, der der biblischen Überlieferung zufolge Jesus für 30 Silberlinge auslieferte, gilt vielen bis heute als der Prototyp des geldgierigen, ehrlosen Verräters. Ein Bild, das sich auch im Antisemitismus der Nationalsozialisten wiederfindet. Doch in der Inszenierung von Ben Becker bekommt dieses Bild Risse. Die Fragen und Argumente, die er in der Figur des Judas liefert, wecken Zweifel und lassen aufhorchen, wenn es zum Beispiel heißt: "Nein Herr – ich habe Dich nicht verraten. Ich ganz gewiss nicht."

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Ben Becker mit christlichen Themen beschäftigt: "Das, was in der Bibel steht, ist sehr existentiell. (…) Ich bin Heide und nicht im christlichen Sine gläubig, aber halte Jesus Christus für einen großen Revolutionär und mich interessiert, was in diesem Buch steht." Vor einigen Jahren brachte Becker das Musikprojekt "Die Bibel – eine gesprochene Symphonie" auf die Bühne, seit November 2015 tourt er nun mit "Ich, Judas" durch´s Land und spielt das Stück oft in Kirchen.

Die nächsten Termine in NRW:

  • Samstag, 03.12. ab 20 Uhr in der Friedenskirche Krefeld
  • Samstag, 10.12. im Parktheater Iserlohn
  • Am 2. und 3. März 2017 sind außerdem Zusatzauftritte in der Johanneskirche Düsseldorf geplant.
Sonntag, 27.11.2016