"Stilles Mahl": schweigend speisen wie im Kloster

von Joachim Gerhardt

Sonntag, 19.04.2015

eine Terrine mit Suppe und einem Stück Brot
Beim "Stillen Mahl" genießen die Besucher bewusst einfach gehaltene Gerichte wie zum Beispiel eine kräftige Suppe.

"Mit vollem Mund spricht man nicht!" – Aus diesem Verbot aus Kindertagen hat der Kirchenpavillon in der Bonner Innenstadt eine Tugend gemacht: Immer donnerstags lädt die evangelische Pfarrerin Ulrike Verwold hier zu einem "stillen Mahl" ein.

"Wir haben uns dabei im Wesentlichen angelehnt an die Tradition des Mittagsgebets, das es auch in Klöstern gibt, das geprägt ist von Stille, von Tischlesung, zum Teil aus der Bibel, zum Teil aus der Tageszeitung", sagt Ulrike Verwold. Das Angebot kommt an. Regelmäßige Besucher des Kirchenpavillons am Bonner Kaiserplatz nehmen es ebenso in Anspruch, wie Gäste, die man sonst so gut wie gar nicht hier sieht: eine Psychologin, ein Polizist, ein Bänker im Nadelstreifenanzug – sie alle haben beim "stillen Mahl" schon ihre Mittagspause verbracht.

Das gemeinsame Essen beginnt donnerstags um 13 Uhr mit einem Glockenschlag und dauert eine halbe Stunde. Serviert wird ein einfaches Mahl, das alle Besucher schweigend einnehmen. Dazu trägt Ulrike Verwold ausgewählte Bibelstellen oder andere geistliche Texte vor. Ein weiterer Glockenschlag beendet das gemeinsame Mahl. Wer möchte, kann der Pfarrerin am Ausgang noch ein Feedback geben. Dabei hört sie oft, "dass es (…) ein ganz intensives Sinneserleben ist, weil man auch viele Sachen anders wahrnimmt, wenn man bei einem Essen leise ist. (…) Und da kommen ganz ergreifende und bewegte Rückmeldungen."

Die Teilnahme am "Stillen Mahl" kostet pro Person vier Euro, eine Anmeldung ist zu empfehlen, da die Zahl der Plätze beschränkt ist. Mehr Infos unter www.kirchenpavillon.de
Sonntag, 19.04.2015