"NetHelp4U": Jugendliche beraten Altersgenossen

von Dagmar Hempel

Sonntag, 05.05.2019

Mann mit Laptop
Eine Beratung per E-Mail oder Chat bietet bundesweit auch die Telefonseelsorge an.

Kummer und Sorgen hat man früher gerne seinem Tagebuch anvertraut oder sie dem besten Freund oder der besten Freundin erzählt. Aber die sind nicht immer greifbar. Jugendliche suchen sich Rat und Hilfe deshalb immer öfter auch im Internet.

Die Evangelische Jugend und das Jugendpfarramt Stuttgart haben auf diesen Trend reagiert und eine eigene Seite im Netz geschaltet, über die junge Leute Frust, Trauer und Probleme loswerden können – per E-Mail. Am anderen Ende sitzen als Empfänger und Berater keine spezialisierten Fachleute, sondern andere Jugendliche und junge Erwachsene, die sowohl alters- als auch themenmäßig mit den Ratsuchenden "auf Augenhöhe" sind.

Die ehrenamtlichen Berater/innen sind zwischen 16 und 25 Jahren alt und wurden mit einer 50-stündigen Ausbildung auf ihre Aufgabe vorbereitet. Regelmäßige Gruppentreffen und professionelle Unterstützung durch Fachkräfte auf dem Gebiet der Jugendberatung stellen sicher, dass die Antworten der "Peer-Berater/innen" Hand und Fuß haben.

Zu dem Team gehört zum Beispiel die 26jährige Studentin Marijke Niks. Seit vier Jahren ist sie als ehrenamtliche Beraterin für NetHelp4U im Einsatz. Zwei bis drei Stunden pro Woche berät sie Jugendliche per E-Mail. Die melden sich bei ihr mit den unterschiedlichsten Fragen und Problemen, erzählt sie: "Beziehungsprobleme oder »Ich weiß nichts mehr mit meinem Leben anzufangen«, auch sexuelle Orientierung, »ich bin im falschen Körper« oder auch Gewalt in der Familie. Das ist die Bandbreite an Problemen."

Mal reicht eine einzige Mail-Antwort, mal geht der Kontakt über Tage, Wochen und Monate. Die Kommunikation ist verschlüsselt und wird absolut vertraulich behandelt. Marijke schreibt und antwortet so lange wie nötig und verabschiedet sich, wenn der Hilfesuchende wieder alleine durchs Leben surfen kann.

Sonntag, 05.05.2019