Welttag des Friedens: Bunkerkirche in Düsseldorf

von Stefan Klinkhammer

Freitag, 01.01.2016

Platzhalterbild

Sie ist zweifellos die stabilste Kirche der Welt: Jetzt hat in der Bunkerkirche am Handweiser in der NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf die Koptisch-Orthodoxe Gemeinde Düsseldorf als Flüchtlings-Gemeinde ihre neue Heimat gefunden...

Die Bunkerkirche in Düsseldorf

1928 erwarb die zwei Jahre zuvor in Düsseldorf-Heerdt gegründete Kirchengemeinde „St. Sakrament“ ein Grundstück für einen Kirchenneubau. Da er wegen Weltwirtschaftskrise und Geldmangel nicht realisiert werden konnte, feierte die Gemeinde Gottesdienst in einer Notkirche. Auf dem 1940 widerrechtlich beschlagnahmten Kirchengrundstück bauten die Nationalsozialisten 1941-1943 einen Hochbunker vom Typ LS 13, der im Krieg unter seiner 250 Zentimeter dicken Stahlbetondecke auf vier Etagen bis zu 2.300 Menschen Schutz vor den Bomben bot. Der 35 Meter lange Bau, 20 Meter breit und 9 Meter hoch, wurde aus Tarnungsgründen mit der Grundform einer Kirche aufgeführt.

1947 kam Dr. Carl Klinkhammer, wegen seines Widerstandes gegen die Nazis in Essen „Roter Ruhrkaplan“ genannt, als Pfarrer an die Gemeinde St. Sakrament. Er der hatte die Idee, das Militärobjekt „Bunker“ in ein Friedensobjekt „Kirche“ umzuwandeln und erkämpfte sich dazu von der englischen Kommandantur die Genehmigung. Nach Plänen des damaligen Kölner Dombaumeisters Willy Weyres sprengten Klinkhammer und seine Helfer in zweijähriger Arbeit drei Betondecken des vier Stockwerke hohen Gebäudes sowie fünf Aussparungen für die Fenster heraus, circa 1.000 Tonnen Schutt wurden abtransportiert. Aus der Flakstellung auf dem Dach wurde ein Glockenturm und das Relikt aus Kriegszeiten wurde zur „Bunkerkirche“. Am 30. Oktober 1949, dem Christkönigsfest, weihte der Kölner Kardinal Josef Frings sie unter dem Friedensmotto „Schwerter zu Pflugscharen und Lanzen zu Winzermessern“ (Jesaja 2,4) mit einer eine Festmesse ein. Pfarrer Klinkhammer, Begründer der „Mittwochgespräche“ und Initiator der Ökumene in Düsseldorf, leitete die Pfarre bis 1991 und lebte bis zu seinem Tod am 12.1.1997 im Bunker.

Seit 2007 setzt sich die „Initiative Friedensort Bunkerkirche“ für den Frieden unter den Konfessionen und Religionen ein, engagiert sich für Konzerte, Geistliche Erkundungen, Ausstellungen, Theaterstücke, Lesungen und Bunkerführungen. In den Kellerräumen organisiert der Verein „Kunstort Bunkerkirche am Handweiser“ Ausstellungen und Konzerte in der Bunkerkirche. Kontakt: Initiative Friedensort Bunkerkirche, Pastor-Klinkhammer-Platz, 40549 Düsseldorf, oder direkt: Ulrike Bornewasser, Kribbenstr. 18, 40549 Düsseldorf, Tel. 0211 / 474 55 88, Internet: www.friedensort-bunkerkirche.de.

Neue Heimat für koptische Christen

Am 1. Advent 2015 begann ein neues Kapitel in der Geschichte der „Bunkerkirche“: Kardinal Rainer Maria Woelki übergab sie an die Gemeinde koptischer Christen. Da die Zahl der aus dem Nahen Osten und ihrer ägyptischen Heimat geflüchteten Kopten in den letzten drei Jahren von rund 100 Familien fast um das Zehnfache stieg, war die bislang genutzte Kirche am Pöhlenweg in Gerresheim zu klein geworden. Sie feierten am Mittwoch, 6. Januar, mit einem Gottesdienst von 18-20.30 Uhr das erste Weihnachtsfest in der Kirche. Derzeit sammelt der gemeinnützige Verein „Koptische Bunkerkirche Düsseldorf-Heerdt“ Spenden für den Neubau eines Integrationszentrums und eines Bürgertreffs. Vorgesehen sind unter anderem Sprachkurse, Integrationsseminare, Sozialberatung, Flüchtlingshilfe, Bildungskurse und ein Café. Die Räume stehen als Stadtteil-Treff auch lokalen Vereinen, Chören und anderen Gruppen im Stadtbezirk zur Verfügung. Ein direkt an die Bunkerkirche angebautes neues zweigeschossiges Gebäude wird im Erdgeschoss mit einem Veranstaltungssaal mit 198 Plätzen und im Obergeschoss mit Klassen und Seminarräumen ausgestattet.

Weltfriedenstag 2016: Gleichgültigkeit überwinden

1967 hatte Papst Paul VI. den Neujahrstag zum Weltfriedenstag erklärt, der in diesem Jahr unter dem Motto „Überwinde die Gleichgültigkeit und erringe den Frieden“ steht. Der 49. Weltfriedenstag ist der dritte im Pontifikat von Papst Franziskus, der bereits bei seiner ersten Reise auf die Insel Lampedusa 2013 vor einer „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ gewarnt hatte.

In seiner Botschaft wiederholt er seine Auffassung, dass die Welt einen „Dritten Weltkrieg in Abschnitten“ erlebe: Auch wenn im ausklingenden Jahr wieder Kriege, terroristische Aktionen, ethnisch und religiös motivierte Verfolgungen und Machtmissbrauch die Welt erschütterten, dürfe man sich nicht der Resignation und Gleichgültigkeit ergeben. Die Menschen zeigten, dass sie zu solidarischem Handeln fähig sind, wie z.B. beim Klimagipfel in Paris, dem Gipfeltreffen von Addis Abeba oder bei der Annahme der Agenda 2030.

Eine Haltung solidarischer Mitverantwortung sei die Basis für die grundlegende Berufung zu Geschwisterlichkeit und Gemeinschaftsleben, so Papst Franziskus: „Als Geschöpfe, die mit einer unveräußerlichen Würde begabt sind, existieren wir in Beziehung zu unseren Brüdern und Schwestern, denen gegenüber wir eine Verantwortung tragen und uns solidarisch verhalten. Ohne diese Beziehung würde man weniger menschlich sein. Gerade deshalb stellt die Gleichgültigkeit eine Bedrohung für die Menschheitsfamilie dar. Während wir uns auf den Weg in ein neues Jahr begeben, möchte ich alle einladen, diesen Sachverhalt zu erkennen, um die Gleichgültigkeit zu überwinden und den Frieden zu erringen.“ Hier sei das Engagement vieler Einzelner, der Familien, der Erzieher und Lehrer, Kulturanbieter und Betreiber der sozialen Kommunikationsmittel gefordert, verweist Papst Franziskus auch auf „viele Nichtregierungsorganisationen und karitative Gruppen in und außerhalb der Kirche“, auf Journalisten und Fotografen, Priester und Missionare, die Werke der Barmherzigkeit verrichten: „Im Geist des Jubiläums der Barmherzigkeit ist jeder aufgerufen zu erkennen, wie sich die Gleichgültigkeit in seinem eigenen Leben zeigt, und ein konkretes Engagement zu übernehmen, um dazu beizutragen, die Wirklichkeit, in der er lebt, zu verbessern, ausgehend von der eigenen Familie, der Nachbarschaft oder dem Arbeitsbereich. Auch die Staaten sind zu konkreten Taten aufgerufen, zu mutigen Gesten gegenüber den Schwächsten ihrer Gesellschaft wie den Gefangenen, den Migranten, den Arbeitslosen und den Kranken.“

Anlässlich des Weltfriedenstags am 1. Januar 2016 veröffentlichte die Deutsche Bischofskonferenz eine Arbeitshilfe, die sich vor allem an die Kirchengemeinden, Verbände und Gruppen richtet. Mehrere Beiträge stellen das Thema des Tages in entwicklungs- und migrationspolitische Zusammenhänge und bringen auch persönliche Erfahrungswelten junger Menschen zur Sprache. Die Arbeitshilfe Nr. 279 „Überwinde die Gleichgültigkeit und erringe den Frieden“ ist nur online als pdf-Datei verfügbar und kann in der Rubrik „Veröffentlichungen“ heruntergeladen werden. Die Botschaft von Papst Franziskus zum Weltfriedenstag ist unter Papstbotschaften verfügbar.

Freitag, 01.01.2016