Serkan Eren: "Ich war für eine Minute im Jenseits"

von Achim Schmidt

Sonntag, 26.07.2020

 Schattenfigur fliegt einem hellen Licht im Jenseits entgegen
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Was passiert, wenn wir sterben? Nahtod-Erlebnisse wie die von Serkan Eren können davon eine Ahnung vermitteln.

Was passiert eigentlich, wenn wir sterben? Wie fühlt sich das an? Es gibt Menschen, die darüber erzählen können, weil die dem Tod buchstäblich von der Schippe gesprungen sind. Serkan Eren ist einer von ihnen.

Der junge Mann fährt mit seinem Auto fast ungebremst auf ein Stauende auf. Durch den heftigen Aufprall bohrt sich eine Rippe durch die Aorta am Herzen. Serkan bekommt eine Panikattacke und dann passiert es: 60 Sekunden lang hat Serkan einen Herzstillstand und ist praktisch tot. Aber er kann sich genau an diesen Moment erinnern, als die Ärzte im Rettungshubschrauber um sein Leben kämpfen: „Von einer Sekunde auf die andere war ich raus aus dieser Szene. Ich hab plötzlich gemerkt, dass ich nicht mehr in diesem Helikopter war, dass ich irgendwo anders war und irgendwo anders auch hingegangen bin. Ich hab mich plötzlich wie ne Wolke gefühlt. Ich hatte keine Schmerzen mehr, ich hatte keine Angst mehr.“
Die 60 Sekunden im Jenseits beschreibt Serkan Eren als den schönsten Moment seines Lebens: „Ich weiß, dass ich da bleiben wollte, Dass es so schön war, dass ich unbedingt da bleiben wollte. Ich hab die Ärzte noch ganz leise, ganz weit weg gehört: »Der geht heute nicht, das schaffen wir, den holen wir uns wieder« – Und ich wollte den Ärzten sagen: »Nee, lasst mich bloß hier; hier geht mir wesentlich besser, ich will gar nicht mehr zurück, tut mir den Gefallen und lasst mich bitte hier.« Doch die Mediziner holen Serkan Eren zurück ins Leben.

Er wird wieder vollständig gesund, auch die Schmerzen sind vergessen.Doch seit diesem Erlebnis ist Serkan Eren sicher, dass es nach dem Tod weitergeht: „Da gibt es was. Und es war nicht so, dass es verschwommen war oder es war nicht so, dass ich mir das irgendwie eingebildet hätte – nein, es war wirklich ganz real. Es war so real wie ich heute Morgen aufgestanden bin und mir die Zähne geputzt hab.“

Für den evangelischen Pfarrer Andreas Bieneck sind solche Berichte "keine Beweise, aber sehr wohl Hinweise darauf, dass unser Auferstehungsglaube Hand und Fuß hat“. In seiner Zeit als Krankenhaus-Seelsorger an der Bonner Uniklinik hat Bieneck zusammen mit zwei katholischen Kollegen mehr als 50 solcher Nahtod-Erfahrungen gesammelt von Menschen, die schon einmal an der Schwelle zum Tod standen und überlebt haben. Die authentischen Berichte sind unter dem Titel "Ich habe ins Jenseits geblickt“ auch als Buch veröffentlicht worden.

Die dort dokumentierten Erfahrungen weisen in mehrfacher Hinsicht Übereinstimmungen auf: So berichten die Menschen davon, dass sie ihren eigenen Körper verlassen und sich quasi von außen selber betrachtet hätten. Krankenhauspatienten konnten nach der Rückkehr ins Leben genau erzählen, wer bei ihrer Behandlung am OP-Tisch gestanden hat und wer in welcher Reihenfolge medizinische Handlungen an ihnen vorgenommen hat. Viele Nahtod-Berichte sprechen außerdem von einem hellen Licht, auf das man zuschweben würde, zum Teil auch von Begegnungen mit bereits verstorbenen Angehörigen. Übereinstimmend wird auch immer wieder von einem Hindernis (z.B. ein Tor oder Zaun) berichtet, das es auf dem Weg zum Licht zu überwinden galt. Viele hätten an diesem Punkt an noch lebende Familienangehörige gedacht, die sie zurücklassen würden und sich dann vor diesem Hindernis zur Umkehr entschieden. Die Rückkehr in den eigenen Körper wird vielfach als "schmerzvoll“ beschrieben.

Noch herrscht Unklarheit, wie solche Berichte zu bewerten sind: Sind sie das Ergebnis psychologischer, hormongesteuerter oder neurologischer Vorgänge im Prozess des Sterbens – eine Art "großer Abschiedsknall“ vor dem endgültigen Nichts – oder öffnet sich hier tatsächlich das Tor in eine neue, unbekannte Dimension des menschlichen Seins? Christen würden wohl die zweite Antwort vertreten, denn sie beten in ihrem Glaubensbekenntnis: "Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung von den Toten und das ewige Leben. Amen.“

Buchtipp:

Andreas Bieneck / Hans-Bernd Hagedorn /  Walter Koll (Hrsg.):

"Ich habe ins Jenseits geblickt.

Nahtoderfahrungen Betroffener und Wege, sie zu verstehen“

Neukirchener Verlag, 232 Seiten, 12,90 Euro

Das Buch dokumentiert neben 38 Nahtod-Berichten auch weitere Beiträge zum Thema aus medizinischer und theologischer Sicht.

Sonntag, 26.07.2020