Pater Joaquim: An der Seite der Ausgegrenzten

von Stefan Klinkhammer

Sonntag, 21.10.2018

Comboni-Missionar Pater Joaquim Moreira da Silva, Foto: KiP-NRW
Comboni-Missionar Pater Joaquim Moreira da Silva, Foto: KiP-NRW

Er stammt aus Portugal und träumte schon als Junge von Afrika. Seit acht Jahren lebt Pater Joaquim Moreira da Silva jetzt in Äthiopien und kümmert sich um die Ethnie der Gumuz. Der Comboni-Missionar ist im Monat der Weltmission in Deutschland unterwegs...

INFO: „Wir wollen den jungen Menschen zeigen, dass sie genauso viel wert sind wie alle anderen“, sagt Pater Joaquim Moreira da Silva. An der Seite der Ausgegrenzten zu stehen, das bedeutet für Pater Joaquim Moreira da Silva Mission. Seit acht Jahren lebt und arbeitet der portugiesische Comboni-Missionar, den alle nur Pater Quim nennen, im Westen Äthiopiens. Dort engagiert er sich für die Gumuz, ein Volk, auf das in Äthiopien viele herabschauen. „Bis in die 1930er Jahre sind die Gumuz von den Nachbarvölkern versklavt worden“, berichtet Quim. „Ich habe selbst gehört, wie Leute sie als ‚Hunde‘, ‚Tiere‘ oder ‚Sklaven‘ bezeichneten.“
Die Gumuz leben als Jäger, Sammler und Kleinbauern in der Region Benishangul-Gumuz, einem entlegenen Gebiet, so groß wie das Bundesland Niedersachsen. Es liegt nördlich des Blauen Nils und grenzt an den Sudan. Die Gesundheitsversorgung in der Region ist schlecht, die Müttersterblichkeit sehr hoch. Mädchen werden oft früh verheiratet. Viele Kinder gehen nicht zur Schule. Die meisten Gumuz gehören traditionellen afrikanischen Religionen an. Als die katholische Kirche vor 18 Jahren in der Region ihre Mission begann, organisierte sie medizinische Versorgung, errichtete eine Klinik, bohrte Brunnen und baute Kindergärten und Schulen. Und die Missionare erzählten den Menschen von Gott, davon, dass er immer an ihrer Seite sei. Heute wird die Kirche in der Region geschätzt. „Einer der Dorfältesten sagte mir: ‚Wir sind dankbar, weil jemand an uns gedacht hat, uns als Menschen wahrgenommen hat‘“, erzählt Pater Quim. „Das hat mich sehr glücklich gemacht.“
Zusammen mit seinem Team junger enthusiastischer Katecheten, deren Ausbildung von missio unterstützt wird, besucht der 43-Jährige fast täglich Dörfer. Besonders Jugendliche kommen zum Katecheseunterricht, in dem viel gesungen, getrommelt und gelacht wird. Der Missionar spricht auch darüber, dass die Gumuz das Potenzial ihrer Tradition und Kultur ausschöpfen sollten, wirbt für den Schulbesuch und erklärt, warum Kinderehen ungerecht und schädlich sind. Und Pater Quim wird nicht müde, die Jugendlichen zu ermutigen: „Wir wollen ihnen zeigen, dass sie mit Hilfe ihrer eigenen Fähigkeiten ihre Situation verändern können. Sie haben die Talente, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen. Sie müssen sie nur entdecken.“
Mehr zum missio-Projekt mit Pater Joaquim (https://www.missio-hilft.de/online-spenden/projekte-foerdern/afrika/aethiopien/eine-kirche-fuer-das-volk-der-gumuz/)

Eine Kirche für das Volk der Gumuz in Äthiopien
Die Eparchie Bahir Dar-Dessi wurde Anfang 2015 errichtet und ist damit das jüngste Bistum in Äthiopien. Mit ungefähr 17.600 Gläubigen gehört die Katholische Kirche in diesem Bistum mit insgesamt 19,7 Millionen Einwohnern zur Minderheit. Die sozialen, ethnischen und religiösen Probleme in der Region sind vielfältig. Besonders die Ethnie der Gumuz leidet. Vor 15 Jahren begann die katholische Mission im Westen des Bistums. Die Herausforderungen sind immens: Nicht nur die traditionellen Stammeskulturen erschweren die missionarische Tätigkeit, auch die äußeren Rahmenbedingungen wie Unterentwicklung, Analphabetismus und desaströse Folgen von Klimaveränderungen erschweren die Arbeit.
Komplexe Herausforderungen - Die Kindersterblichkeitsrate ist sehr hoch. Von 1000 Kindern sterben 209, auch weil die Frauen ihre Kinder oft ohne fremde Hilfe im Busch zur Welt bringen. Es mangelt an Wasser, das zudem noch oft kontaminiert ist. Von der Zentralregierung wird die Region sträflich vernachlässigt.
Gemeinschaft und Glauben stärken - In früheren Zeiten traditioneller Glaubenspraktiken verhaftet, ist die Bevölkerung der Gumuz für den katholischen Glauben sehr aufgeschlossen. Das ist eine gute Voraussetzung, um in der Kleinstadt Dibati eine zentrale Missionsstation aufzubauen. Ein Brunnen existiert bereits. Es fehlen noch ein Kindergarten und eine Kirche, so dass für die absehbar wachsende Zahl der Katholiken ein Raum für gottesdienstliche Feiern und ein gemeinsamen Treffpunkt geschaffen werden kann.
Äthiopien - Die Wiege der Menschheit, Ursprungsland des Kaffees und die Heimat der Königin von Saba – kaum eine andere afrikanische Nation blickt auf eine so lang zurückreichende Kulturgeschichte zurück wie Äthiopien. Mit einer Bevölkerungszahl von rund 100 Millionen ist das Land nach Nigeria der bevölkerungsreichste Staat des Kontinents. Seine Bewohner gehören mehr als 80 ethnischen Gruppen mit unterschiedlichen Sprachen und Kulturen an. Bis heute ist das Bild des Westens von Äthiopien von der verheerenden Hungersnot Anfang der 1980er-Jahre bestimmt, bei der eine Million Menschen starben. Doch im Jahr 2000 leitete die äthiopische Regierung Reformen ein, holte Investoren ins Land, baute das Straßennetz aus, investierte in Bildung und Energie. Die Wirtschaft wuchs im vergangenen Jahrzehnt rasant. Obwohl Äthiopien der größte Kaffeeexporteur Afrikas ist und der Tourismus eine zunehmend wichtige Rolle spielt, gehört es noch immer zu den ärmsten Ländern der Welt. Von der wirtschaftlichen Entwicklung bleibt ein Großteil der Bevölkerung abgeschnitten. Die meisten Äthiopier betreiben als Kleinbauern und Selbstversorger Landwirtschaft.
Urchristliches Erbe - Äthiopien ist eines der frühesten christlich geprägten Länder der Welt. 44 Prozent der Bevölkerung bekennt sich zur äthiopisch-orthodoxen Tewahedo-Kirche, 33 Prozent zum Islam. Obwohl die Katholiken mit 0,7 Prozent nur eine kleine Gruppe bilden, findet die Kirche viel Anerkennung für ihren großen Einsatz im sozial-karitativen Bereich, im Schulwesen und in der Friedens- und Flüchtlingsarbeit. Nach Uganda ist Äthiopien das größte Aufnahmeland für Flüchtlinge in Afrika. Mehr als 900.000 Flüchtlinge sind registriert, vor allem aus den Krisenländern Südsudan, Somalia und Eritrea.
Angespannte Lage - Umgeben von zerfallenden Staaten gilt Äthiopien im Westen als Stabilitätsfaktor. Doch unter der Oberfläche des Vielvölkerstaates, der seit 26 Jahren von derselben Parteienkoalition autoritär regiert wird, brodelt es. In den letzten drei Jahren entluden sich die Spannungen in gewaltsamen Unruhen mit vielen Hundert Toten. Die beiden größten Volksgruppen des Landes, die Oromo und die Amharen, fühlen sich ausgegrenzt. Erst die Ernennung eines neuen Regierungschefs aus der größten Volksgruppe der Oromo im April 2018 lässt viele Äthiopier auf eine Öffnung des Landes und mehr Freiheit hoffen.
Weltmissionssonntag am 28. Oktober 2018 - „Gott ist uns Zuflucht und Stärke” (Ps 46) lautet das Bibelzitat zum Weltmissionssonntag 2018, unter dem missio die Arbeit der katholischen Kirche in Äthiopien vorstellt.

Kontakt: missio - Internationales Katholisches Missionswerk e.V., Goethestraße 43, 52064 Aachen,
Tel.: 0800 / 38 38 393, Fax: 0241 / 7507 – 335, Mail: post(at)missio-hilft.de, Internet: www.missio-hilft.de
Spendenkonto: missio Aachen, IBAN DE23 3706 0193 0000 1221 22, BIC GENODED1PAX

Sonntag, 21.10.2018