Martin Luther – der Judenhasser

von Achim Stadelmaier / Manfred Rütten

Dienstag, 31.10.2017

Deckblatt einer Hetzschrift Luthers aus dem Jahr 1543
Das Deckblatt von Luthers Hetzschrift "Von den Juden und ihren Lügen" aus dem Jahr 1543 (Foto: Wikimedia / CC0 / gemeinfrei)

Die meisten haben Luther vor allem als Kirchenerneuerer und Bibelübersetzer im Gedächtnis. Rund jeder elfte Deutsche – so eine Emnid-Umfrage - würde Luther gar als Nationalhelden bezeichnen. Doch der hatte durchaus auch seine Schattenseiten.

Zu denen gehört - vor allem aus heutiger Sicht - Luthers Einstellung zum Judentum. Die negative Grundhaltung seiner Zeit, die auch ihn prägte, steigerte sich aus Enttäuschung darüber, dass jüdische Gläubige Christus nicht als Messias annehmen wollten, zum offenen Hass.

Als junger Mann trat er noch dafür ein, "brüderlich mit den Juden zu handeln", und in einem Brief aus dem Jahr 1514 unterstützte er den Humanisten Johannes Reuchlin, der sich gegen die Verbrennung jüdischer Schriften wandte. Doch knapp 30 Jahre später verfasste Luther ein Pamphlet mit dem Titel "Wider die Sabbather", dem 1543 die Hetzschrift "Von den Juden und ihren Lügen" folgte. Jüdische Schulen, Häuser und Synagogen solle man "mit Feuer anstecken und was nicht verbrennen will, mit Erden beschütten, dass kein Mensch ein Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich", schrieb er.

Luther bezeichnete Juden als Feinde und vermutete: "(…) wenn sie uns alle töten könnten, täten sie es gern. (…) Ihr sollt sie nicht leiden, sondern vertreiben". Trotz solch radikaler Aussagen sieht der der Journalist Bernd Buchner in einem epd-Artikel Luther nicht als Antisemiten: "Der Reformator steht in der Tradition des christlichen Antijudaismus, der vom modernen Antisemitismus zu unterscheiden ist. Der Begriff »Antisemitismus« entsteht im 19. Jahrhundert und ist mit der falschen Vorstellung verbunden, die Juden seien eine »Rasse«. Bei Luther steht stets der Glaube im Mittelpunkt".

Trotzdem, so Buchner weiter, beriefen sich in der NS-Zeit radikale Antisemiten in Staat und Kirche bevorzugt auf Luther, um ihr rassistisches Gedankengut salonfähig zu machen. Ebnete Martin Luther also den Weg nach Auschwitz? Die meisten Theologen und Kirchenhistoriker lehnen einen Zusammenhang zwischen Luthers Antijudaismus und dem Holocaust ab. Gleichzeitig mahnen sie aber: auch Luthers dunkle Seite darf man nicht vergessen oder verschweigen.

Die Evangelische Kirche in Deutschland stellt in einer Broschüre mit dem Titel "Die Reformation und die Juden" ausführliche Informationen zu diesem Thema bereit. Das 20seitige Heft kann als pdf-Datei hier kostenlos heruntergeladen werden.

Dienstag, 31.10.2017