Kreuz und Rosenkranz: Religiöse Tätowierungen

von Stefan Klinkhammer

Sonntag, 22.05.2016

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Patrik Dzambo, Bild: K!P

Es ist ein ungewohntes Forschungsfeld für einen katholischen Theologen: An der Bochumer Ruhr-Universität geht der Religionspädagoge Patrik Dzambo in seiner Promotion der Frage nach, warum sich Menschen christliche Symbole eintätowieren lassen...

INFO: Nach einer Studie der Universität Leipzig hat die Zahl der Tätowierten an der deutschen Bevölkerung deutlich zugenommen. Bei Männern und Frauen im Alter zwischen 25 und 34 Jahren liegt er inwzischen bei mehr als 25 Prozent. Seinen Ursprung hat das Wort „tätowieren“ (engl. „tattoo“) in den polynesischen Sprachen und verbreitete sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts besonders in der Seefahrt, später bei Soldaten oder Häftlingen und entwickelte sich aus der Jugendkultur in den späten 1990er Jahren in breiten Gesellschaftsschichten zum Modetrend.

Nachweise über die Färbung der Haut durch Einreiben von Farbstoffen in Hautritzungen finden sich seit der Eisenzeit auf allen Kontinenten. Die Bibel lehnend die Sitte ab, doch findet sie sich bei einigen frühchristlichen Sekten und auch mit christlich-religiösen Motiven im europäischen Mittelalter. Sie hat die Funktion als Mitgliedszeichen, Schmuck, Rangabzeichen und rituelles oder sakrales Symbol.

Patrik Dzambo, katholischer Theologe und Religionspädagoge, untersucht das Phänomen für seine Promotion an der Ruhr-Universität Bochum. Für ihn ist dabei die religiöse Dimension besonders deutlich: Tätowierungen dienen der Kompensation von Angst, Leid und Unrecht, von Gewalterfahrungen, psychischen oder seelischen Verletzungen. Zudem stehen sie oft im Zusammenhang mit Krankheiten und Grenzerfahrungen des Lebens, die sich mit Nadel und Farben tief in die Haut eingraben.

Kontakt E-Mail: Patrik.Dzambo@ruhr-uni-bochum.de, Tel. 0234 / 32 – 28617.

Sonntag, 22.05.2016