Kirchenbücher: Fundgrube für Ahnenforscher

von Michael Birgden

Sonntag, 14.06.2015

Schreibtisch mit alten Briefen und Fotografien
Wissen, woher man kommt: Familien- und Ahnenforschung ist ein beliebtes Hobby geworden.

Erst im Jahr 1875 ging in Deutschland das Personenstandswesen flächendeckend in staatliche Hände über. Seitdem müssen Heiraten, Geburten oder Todesfälle beim Standesamt angezeigt und namentlich erfasst werden. Früher war das Sache der Kirchen.

Deshalb spielen kirchliche Archive, Tauf- und Sippenbücher heute bei der Ahnenforschung (Genealogie) nach wie vor eine wichtige Rolle – vor allem dann, wenn ein Familienstammbaum sehr weit zurückverfolgt werden soll.

Immer mehr Menschen entdecken für sich die Familienforschung als Hobby und möchten so den eigenen Wurzeln auf die Spur kommen. Namen, Geburts-, Hochzeits- und Sterbedaten der Großeltern lassen sich dabei meist noch ohne größeren Aufwand innerhalb der eigenen lebenden Verwandtschaft klären. Doch schon bei den Urgroßeltern kann es schwierig werden. Über Herkunfts- oder Wohnsitzangaben lassen sich Recherchen vor Ort organisieren – vor allem beim zuständigen Standesamt. Die Daten, die man hier erhält, sind meist sehr genau, reichen zurück bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts und geben ihrerseits wieder Hinweise auf frühere Vorfahren. Wer auch denen nachforschen will, kommt spätestens dann an den Tauf-, Trauungs- und Beerdigungsbüchern der jeweiligen Kirchengemeinden nicht vorbei.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat zusammen mit elf evangelischen Landeskirchen im März 2015 das Internetportal www.archion.de freigeschaltet. Es bietet Interessierten Einblick in rund 50.000 digitalisierte Kirchenbücher aus ganz Deutschland, die teilweise bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen. Weitere 150.000 Bücher sollen bis 2017 noch folgen. Wer auf archion.de recherchieren möchte, muss seine Suche nach Ort und Zeit eingrenzen können, denn eine reine Namenssuche funktioniert nicht, weil die Kirchbuchseiten nicht als Textdatenbank sondern als Bilder auf dem Monitor erscheinen. Deshalb sollte man auch alte Schriften lesen können, um die handschriftlichen Eintragungen auf den Kirchbuchseiten zu entziffern. Die Suche danach, ob ein bestimmtes Kirchenbuch bei archion.de digital vorliegt, ist kostenlos. Weitere Recherche- und Speicherfunktionen werden für rund 20 Euro pro Monat bzw. 178 Euro pro Jahr angeboten.

Einsteigertipp: Wie man seine Familienforschung am besten beginnt, wen man fragen und wo man überall suchen kann, erklärt ein sehr guter Artikel von Rolf Nowak . Hier gibt es neben vielen Tipps z.B. auch Standardbriefe für die Kontaktaufnahme zu Standesämtern bzw. Kirchengemeinden oder Pfarrämtern

Einsteiger & Fortgeschrittene: Für beide lohnt ein Blick auf das deutsche Webverzeichnis von http://ahnenforschung.net/ . Hier gibt es u.a. direkte Suchmöglichkeiten nach Namen über verschiedene Datenbanken, aktuelle Nachrichten aus der Szene, Forum und Community, wertvolle Tipps, Infos über Computerprogramme (mit denen man seine Familiendaten bzw. Stammbäume verwalten kann), man kann Suchanzeigen schalten und findet auch zahlreiche Adressen von regional und überregional arbeitenden Archiven bzw. Genealogie-Vereinen.
Sonntag, 14.06.2015