Deutsche Flüchtlinge nach dem 2. Weltkrieg

von meDIO / Manfred Rütten

Sonntag, 03.04.2016

Deutsche Vertriebene warten im Umsiedlerlager Heiligenstadt in Thüringen auf ihre Weiterfahrt per Bus.
März 1950: deutsche Umsiedler aus Polen warten im Umsiedlerlager Heiligenstadt in Thüringen auf ihre Weiterreise.

Nach Angaben der UN waren Ende 2014 knapp 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Vergleichbar ist das nur mit der Zeit des 2. Weltkriegs, in und nach dem ebenfalls 60 Millionen Menschen ihre Heimat verloren – darunter auch 12 bis 14 Mio. Deutsche

Sie flohen als ehemalige Bewohner von Ostpreußen, Böhmen und Mähren oder dem Sudetenland vor der vorrückenden Roten Armee oder mussten nach Kriegsende auf politischen Druck (u.a. "Benes-Dekrete") ihre angestammte Heimat verlassen. Die Trecks und Transporte aus Polen, Ungarn, Jugoslawien, Rumänien und der Tschechoslowakei bezeichnet Antonia Kleikamp in einem Artikel der "WELT" als "die größte Völkerwanderung seit der Antike."

Die Ursachen für den Exodus der deutschsprachigen Bevölkerung aus Ost- und Ostmitteleuropa waren zum einen die Kriegsverbrechen der deutschen Armeen und Verbände in den eroberten Gebieten. Zum anderen aber auch die von den alliierten Siegermächten auf der Konferenz von Potsdam 1945 festgelegten Gebietsverluste des Deutschen Reiches. Ein großer Teil des privaten Eigentums der Ost- und Sudetendeutschen wurde entschädigungslos konfisziert, auch das öffentliche und kirchliche deutsche Eigentum in diesen Gebieten wurde enteignet.

Im Kirchenmagazin "Himmel & Erde" erzählt Eva König, wie sie als 9jährige zusammen mit ihrer Familie aus Ungarn vertrieben wurde. Innerhalb einer Woche mussten alle Habseligkeiten gepackt werden, dann ging es in einem Viehwaggon Richtung Westen. Es dauerte mehrere Wochen, bis die Familie schließlich im hessischen Hanau landete und dort einem Bauern zugeteilt wurde. Über die Lebensbedingungen dort sagt die heute 80jährige: " Wir hatten zwei Betten für 5 Leute, mit ein bisschen Stroh drin, ich weiß heut noch, was es immer gab: Es gab immer Suppe und immer schwarzen Kaffee."

Die Integration in die neue Heimat war nicht nur für Eva König und ihre Familie schwierig. Trotz ihrer deutschen Wurzeln wurden die Flüchtlinge aufgrund der für alle angespannten Versorgungslage vielerorts nicht mit offenen Armen empfangen. Auch unterschiedliche Konfessionszugehörigkeit konnte zu Abwehr und Problemen führen – wenn etwa evangelische Flüchtlinge aus Ostpreußen am katholischen geprägten Niederrhein angesiedelt wurden.

Weitere Informationen und Zahlen zur Vertreibung zwischen 1945 und 1950 gibt es zum Beispiel in diesem Wikipedia-Artikel.

Sonntag, 03.04.2016