CeBIT startet: Kirche in der digitalen Welt

von Michael Birgden

Sonntag, 10.06.2018

verpixelte Kirche
Im März 2018 hat die Evangelische Kirche im Rheinland erstmals einen Medienpreis für digitale kirchliche Projekte vergeben. (Foto: Kai Damm-Jonas / www.artworkshop.de)

Wenn am 11. Juni in Hannover die CeBIT startet, stehen wieder die neuesten Computertechniken und -anwendungen im Mittelpunkt. Nicht nur in der Industrie 4.0 hat die Digitalisierung Einzug gehalten. Auch für die Kirche wird sie immer wichtiger.

Längst haben Gemeinden, Kirchenkreise, Landeskirchen und viele andere kirchliche Einrichtungen eigene Internetauftritte. Auch in den Sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Instagram oder auf Videokanälen wie Youtube ist Kirche inzwischen aktiv. Sogar die Seelsorge hat über Seiten wie www.chatseelsorge.de oder www.telefonseelsorge.de den Weg in die digitale Welt gefunden und ist rund um die Uhr erreichbar.

Selbst für die aktuell wichtigste Kommunikationszentrale – das Smartphone – sind viele kirchliche Angebote verfügbar. Egal ob Kirchentagsprogramm, Tageslosung, virtueller Adventskalender oder die komplette Luther-Bibel – Dank entsprechender Apps müssen die Nutzer auch unterwegs nicht auf kirchliche Begleitung verzichten. Zu den neuesten Entwicklungen gehören Angebote, die sich mit den digitalen Sprachassistenten verschiedener Hersteller nutzen lassen.

Nach einem Bericht des christlichen Medienmagazins "PRO" hat der württembergische Pfarrer Christian Tsalos zum Beispiel eine Trauerrede für die Amazon-Sprachbox "Alexa" entwickelt an. Der Theologe wolle mit diesem Angebot "eine zunehmende Sprachlosigkeit bei Bestattungen ohne Trauerfeier verringern." Noch umfangreicher ist ein neues Angebot der Kirche von England, das ebenfalls über "Alexa" funktioniert. Nach Aufforderung durch den Nutzer kann der Sprachassistent nicht nur Gebete wie das Vaterunser oder die kompletten Zehn Gebote wiedergeben, sondern auch Fragen beantworten wie »Wer ist Gott?«, »Was ist ein Christ?« oder »Was ist die Bibel?«. Außerdem kann der User über "Alexa" erfahren, wo und welche Kirchengebäude sich in seiner näheren Umgebung befinden.

Die evangelische Nordkirche, die sich über die Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern erstreckt, hat im April 2018 eine App vorgestellt, mit der die Nutzer eine virtuelle Führung durch die St. Nikolai-Kirche von Wismar unternehmen können. Die App beinhalte "sowohl historische Informationen zur Kirche als auch glaubens- und erlebnisorientierte Angebote. Die Nutzer können wählen zwischen den Bereichen »Wissen«, »Glauben« und »Erleben« und treffen dabei auf informative, poetische und biblische Texte, Legenden und Geschichten, den Klang der Großen Orgel, einen Drohnenflug durch den Raum, einen Animationsfilm über die Zeit der Christianisierung sowie auf Rätsel und Spiele. Namhafte Schauspieler lesen die Texte."

Am 14. März 2018 hat die Evangelische Kirche im Rheinland erstmals einen Medienpreis für digitale kirchliche Projekte vergeben. Den mit 1000 Euro dotierten 1. Preis erhielt die Evangelische Philippus-Gemeinde Köln-Raderthal für ihren Instagram-Kanal @raderbergundthal . Der 2. Preis mit 750 Euro Preisgeld ging an die Jugendarbeit des Kirchenkreises Saar-West. Sie hatte ein Partnerschaftsprojekt organisiert, bei dem Jugendliche aus dem Saarland und dem Kongo über Videokonferenzschaltung gemeinsam Gottesdienste feiern und einander begegnen. Der Evangelischen Kirchengemeinde Hilden wurde für die Website www.evangelisches-hilden.de der 3. Preis verliehen.

Ein Sonderpreis ging an das Videoprojekt "Allerhand Alltagsgeschichten" des Evangelischen Kirchenverbandes Köln. Dabei handelt es sich um ein Angebot für gehörlose Menschen und will laut Exposé ein Beitrag sein zu "Inklusion und Verkündigung im Bereich der Gehörlosengemeinden". Die zwei- bis vierminütigen Filme in Gebärdensprache werden alle 14 Tage auf Facebook und YouTube veröffentlicht.

Sonntag, 10.06.2018