Welttag des Migranten und Flüchtlings 2019

von Christof Beckmann

Sonntag, 29.09.2019

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Montage: KIP-NRW

Migration ist nichts Neues: Schon seit 1914 ruft die katholische Kirche jährlich zum „Welttag des Migranten und Flüchtlings" auf. Er ist bei uns heute zum Ende der laufenden Interkulturellen Woche. „Es geht nicht nur um Migranten" ist diesmal das Motto...

INFO: Bereits seit 1914 ruft die Katholische Kirche jährlich zum „Welttag des Migranten und Flüchtlings“ auf. Seitdem Papst Franziskus den Tag von Januar auf den letzten Sonntag im September verlegt hat, findet er als nationaler „Tag des Flüchtlings“ im Zeitraum der Interkulturellen Woche (IKW) statt – in diesem Jahr am 29. September. Diesmal steht er unter dem Motto „Es geht nicht nur um Migranten" – damit soll verdeutlicht werden, dass es in der Diskussion um Flucht und Migration auch um die Ängste von Aufnahmegesellschaften geht. Dies unterstreicht Papst Franziskus in einem Video zum diesjährigen Motto.

Papst Franziskus: Botschaft zum Welttag des Migranten und des Flüchtlings 2019: „Gewalttätige Konflikte und echte Kriege hören nicht auf, die Menschheit auseinanderzureißen; ununterbrochen geschehen Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen; man tut sich schwer, wirtschaftliche und soziale Ungleichgewichte auf lokaler oder globaler Ebene zu überwinden. Und es sind vor allem die Ärmsten und Benachteiligten, die dafür bezahlen“, mahnt Papst Franziskus in seiner Botschaft zum diesjährigen Welttag:

„Die wirtschaftlich am weitesten fortgeschrittenen Gesellschaften entwickeln in ihrem Inneren die Tendenz eines ausgeprägten Individualismus, der, in Verbindung mit einer utilitaristischen Mentalität und in Ausweitung durch das Netzwerk der Medien, eine `Globalisierung der Gleichgültigkeit´ hervorbringt. In diesem Szenario sind Migranten, Flüchtlinge, Vertriebene und Opfer von Menschenhandel zu Sinnbildern der Ausgrenzung geworden, weil ihnen, neben den Schwierigkeiten, die ihre Lage an sich schon beinhaltet, oft ein negatives Urteil anhaftet, das sie als Ursache gesellschaftlicher Missstände ansieht. Die Einstellung ihnen gegenüber ist ein Alarmzeichen, das vor dem moralischen Niedergang warnt, der einen erwartet, wenn man der Wegwerfmentalität weiterhin Raum gibt. In der Tat steht so jedes Subjekt, das nicht den Maßstäben des physischen, psychischen und sozialen Wohlbefindens entspricht, in der Gefahr, an den Rand gedrängt und ausgegrenzt zu werden.“

Die Anwesenheit von Migranten, Flüchtlingen und schutzbedürftigen Menschen sei daher auch eine Einladung, „einige wesentliche Dimensionen unserer christlichen Existenz und unserer Menschlichkeit wiederzugewinnen, die Gefahr laufen, in einem komfortablen Lebensstandard einzuschlafen“, so Papst Franziskus: „Deshalb also „geht es nicht nur um Migranten“, das heißt: wenn wir uns für sie interessieren, geschieht dies auch in unserem eigenen und im Interesse aller; wenn wir uns um sie kümmern, wachsen wir alle; indem wir ihnen zuhören, geben wir auch dem Teil von uns eine Stimme, den wir vielleicht verborgen halten, weil er heutzutage nicht gut angesehen ist.“ Das vollständige Papstwort zum Welttag des Migranten und Flüchtlings steht mit weiteren Videos sowie Social Media-Motiven zum Teilen auf einer eigenen Homepage zum Thema zur Verfügung. Datei herunterladen.

 

Interkulturelle Woche 2019: In einem Gemeinsamen Wort der Kirchen luden der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, Metropolit Augoustinos, zur Teilnahme an der Interkulturellen Woche (IKW) ein. Sie findet vom 22. bis 29. September 2019 statt und steht unter dem Leitthema: „Zusammen leben, zusammen wachsen“.

Die Vorsitzenden machen darauf aufmerksam, dass die Menschen weltweit im Zuge der Globalisierung, erhöhter Mobilität und nahezu uneingeschränkter Kommunikationsmöglichkeiten immer näher zusammenrücken. In dieser Situation sehen sie eine wichtige Aufgabe darin, „mit aller Kraft daran zu arbeiten, dass dies zu einem Wachstumsschritt in Richtung eines friedlichen Miteinanders über alle Unterschiedlichkeiten hinweg führt“. Die kulturell vielfältige Gesellschaft fordere jede und jeden Einzelnen heraus. „Wir treffen permanent auf Menschen, die uns in irgendeiner Weise fremd sind, sei es, weil sie eine andere Sprache sprechen, sei es, weil sie von einer anderen Kultur geprägt sind oder einer anderen Religion angehören, oder sei es, weil sie eine politische Position vertreten, die unserer eigenen Überzeugung zuwiderläuft. Jedem Einzelnen mit Aufmerksamkeit und Respekt zu begegnen, trägt dazu bei, dass in unserer Gesellschaft Gräben der Ignoranz, Mauern der Abschottung und Fronten des Hasses überwunden werden.“

Die Interkulturelle Woche sei ein lebendiges Zeichen dafür, wie es gelingen könne, zusammen zu leben und zusammen zu wachsen. „Sie schenkt Freude am Miteinander und macht Mut, unser gesellschaftliches Zusammenleben zu gestalten.“ Die Vorsitzenden wenden sich mit einem Wort des Dankes an alle, die sich vor Ort für die Anliegen der Interkulturellen Woche einsetzen, und „wünschen ihnen gute Erfahrungen und Gottes Segen für ihr Engagement“. Hinweise: Das Gemeinsame Wort der Kirchen zur Interkulturellen Woche 2019 ist als pdf-Datei im Anhang und unter www.dbk.de verfügbar.

Geplant waren mehr als 5.000 Veranstaltungen an über 500 Orten im gesamten Bundesgebiet. Die auf Initiative der Kirchen begründete bundesweite Aktion ging aus der seit 1975 begangenen „Woche der ausländischen Mitbürger“ hervor. Sie wird von Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden, Migranten-Organisationen und Integrations-Beauftragten mitgetragen. Sie veranstalten Feste, Podiumsdiskussionen, Gottesdienste und kulturelle Events. Mehr: www.interkulturellewoche.de.

Sonntag, 29.09.2019