Weihnachten feiern mit Old Shatterhand & Co.

von Jil Blume

Sonntag, 11.12.2016

Zeichnung eines Indianers zu Pferde
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Die Romanhelden Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi sind die Alter Ego ihres Schöpfers Karl May.

Winnetou, Old Shatterhand, Kara Ben Nemsi – die Helden, die Karl May in seinen Büchern erschaffen hat, sind weltberühmt. Weniger bekannt ist das christliche Sendungsbewusstsein des Schriftstellers. Bei einer Lesung in Köln kann man mehr darüber erfahren.

Die Evangelische Kirchengemeinde Ehrenfeld veranstaltet am 15. Dezember 2016 ab 19.30 Uhr im Ernst-Flatow-Haus (Vogelsanger Straße 153) einen Leseabend mit Geschichten von Karl May. In einer Pressemitteilung heißt es dazu: "»Ich verkünde große Freude, die Euch widerfahren ist.« So beginnt Karl May sein großes Weihnachtsgedicht, das sich als roter Faden durch seinen Roman »Weihnacht« zieht. Hier feiert der Erzähler zunächst im Erzgebirge und später im Wilden Westen als Old Shatterhand Weihnachten – und Winnetou beschert Nuggets. Aber auch im Orient wird Weihnachten gefeiert: In Ardistan rufen Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar gar eine Weihnachtsbaumschmuck-Manufaktur ins Leben. Weihnachten war nicht nur für seinen Helden, sondern auch für Karl May selbst immer ein ganz besonderer Zeitpunkt: Viele Katastrophen im Leben Karl Mays geschahen immer Weihnachten. Und doch feiert kaum ein Autor in seinem Werk so gern und schillernd das Christfest."

Der im sächsischen Hohenstein-Ernsttal geborene Karl May (1842-1912) zählt bis heute zu den auflagenstärksten und meistgelesenen deutschen Schriftstellern. Allein in Deutschland verkauften sich seine Bücher bis heute 100 Millionen Mal, weltweit wird die Auflage auf 200 Millionen geschätzt. Erst im Alter von 32 Jahren begann Karl May überhaupt zu schreiben. Da hatte der aus armen Verhältnissen stammende Autor eine gescheiterte Karriere als Lehrer und insgesamt acht Jahre Gefängnis hinter sich. Wohl auch deshalb erzählt May in seinen Romanen und Reisegeschichten immer wieder von Gefangenschaft, Flucht und wagemutigen Befreiungsaktionen.

In den 38 Jahren seines Schaffens schrieb May Artikel, Reiseerzählungen, Jugendliteratur, Romane, Gedichte und sogar ein Drama. Zu den bis heute bekanntesten Werken zählen die "Orienterzählungen" um den Helden Kara Ben Nemsi und die Nordamerika-Romane mit Winnetou und Old Shatterhand. Beide erschienen zunächst als Fortsetzungsgeschichten, vor allem in der katholischen Familienzeitschrift "Deutscher Hausschatz". Erst ab 1880 wurden sie auch in Buchform herausgegeben. Heute umfasst das Gesamtwerk von Karl May knapp 100 Bände.

Ein zweites Motiv, das sich wie ein roter Faden durch fast alle Geschichten von Karl May zieht, ist der der christliche Glaube: "Als Kara Ben Nemsi oder Old Shatterhand hat er (…) manches tiefsinnige Gespräch mit den Gefährten geführt – (…) regelrecht seelsorgerlich" – so urteilt Rainer Buck in seiner Biografie über Karl May. Tatsächlich zeichnet sich Mays "Alter Ego" Old Shatterhand in vielen Situationen durch Nächstenliebe, Friedfertigkeit und Barmherzigkeit aus – selbst gegenüber den übelsten Schurken. Sein Blutsbruder Winnetou bekennt sich auf dem Sterbebett zu Christus. Und während der Orientreisen lässt May seine Figuren Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar mehr als nur einmal über Christentum und Islam streiten.

Das große christliche Sendungsbewusstsein von Karl May wirkt trotzdem nie aufdringlich. Rainer Buck schreibt dazu in seiner Biografie: "May verpackt seine `Predigten´ in spannende Handlungen und Dialoge. So gelingt es ihm, die üblichen frommen Termini zu vermeiden. (…) Die christliche Leserschaft findet sich so in seinen Erzählungen wieder, und die Andersdenkenden werden durch die Art, wie May seine Glaubensüberzeugung einbringt, zumindest nicht abgestoßen."

Lesetipp:

Rainer Buck: "Karl May. Der Winnetou-Autor und der christliche Glaube"

Verlag Brendow, Februar 2012

192 Seiten – 14,95 Euro
Sonntag, 11.12.2016