Kolping-Gedenken: Anpacken, Machen

von Stefan Klinkhammer

Sonntag, 05.12.2021

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Collage: Kolping / KIP

Er starb am 4. Dezember 1865 in Köln, der Schuster, Priester und Verbandsgründer Adolph Kolping. 30 Jahre nach der Seligsprechung ihres Gründers bittet die Kolpingfamilie den Papst um seine Heiligsprechung. Was macht ihn heute noch zum Vorbild?

INFO: An diesem Wochenende feiern Kolpingbrüder und -schwestern im Kolpingwerk Deutschland und in rund 9.000 Kolpingsfamilien weltweit den Kolping-Gedenktag. Diesmal in einem besonderen Jahr: Der in über 60 Ländern tätige Sozialverband begeht ein 175-jähriges Jubiläum, denn er führt sich auf die Gründung des ersten Gesellenvereins im damals selbständigen Elberfeld zurück. Der Lehrer Johann Gregor Breuer verfasste dort am 23. Oktober 1846 eine Denkschrift und beschrieb sein Ziel, einen Gesellenverein zu gründen, um „einheimischen und fremden Jünglingen und namentlich Handwerkergesellen in einem Alter von 18 bis 25 Jahren und darüber durch Vortrag und passende Lektüre Belehrung, Erbauung, Fortbildung und angenehme Unterhaltung und Erheiterung zu verschaffen.“ Am 26. Oktober 1846 legte Breuer die Denkschrift und einen Statutenentwurf bei einer Versammlung 40 jungen Männern vor und kurz darauf, am 6. November 1846, wurde der erste Gesellenverein gegründet. Er existiert heute noch als Kolpingsfamilie Elberfeld-Mitte.

Die Initiative für die weitere Verbreitung der Idee übernahm der junge Kaplan Adolph Kolping: Am 20. Oktober 1850 schlossen sich auf seine Anregung hin die bereits bestehenden drei Gesellenvereine Elberfeld, Köln und Düsseldorf zum „Rheinischen Gesellenbund“ zusammen – es war die Gründung des Verbandes, der 1935 in „Kolpingwerk“ umbenannt wurde und zugleich der Grundstein für dessen überörtliches Wirken als katholischer Sozialverband in Gesellschaft und Kirche.

Heiligsprechung für Adolph Kolping: Zum 30. Jahrestag der Seligsprechung Adolph Kolpings am 27. Oktober 2021 – er wird jedes Jahr gefeiert - hatte KOLPING INTERNATIONAL ursprünglich zu einer Wallfahrt nach Rom eingeladen. Unter dem Motto „Auf dem Weg zur Heiligkeit“ wird sie vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie nun um ein Jahr verschoben: Vom 25.-27.Oktober 2022 will die Gemeinschaft der Kolpinggeschwister der Seligsprechung Adolph Kolpings gedenken, zusammen feiern, singen und um seine Heiligsprechung beten. Dazu wurde unter dem Motto „Kolping ist mir heilig!“ am 27.10.2020 die weltweite Unterschriftenliste unter www.petition-kolping.com freigeschaltet. Die gesammelten Unterschriften aus aller Welt sollen im Rahmen der Romwallfahrt zum Jubiläum der Seligsprechung am 27. Oktober 2022 an Papst Franziskus übergeben werden. Für einen positiven Abschluss des Verfahrens bedarf es gemäß der aktuellen Ordnung für die Heiligsprechung zwar eines weiteren medizinischen Wunders, das auf die Fürsprache des seligen Adolph Kolping zurückgeht. Papst Franziskus hatte im Heiligsprechungsverfahren für Papst Johannes XXXIII. eine Dispens erteilt – darauf hofft man auch bei Kolping. Die Petition versteht sich deshalb als eine Bitte an Papst Franziskus, das segensreiche Wirken des Kolpingwerkes auf der ganzen Welt selbst als wundersames Zeichen der Heiligkeit Adolph Kolpings zu sehen.

Adolph Kolping: Der auch als „Gesellenvater“ bezeichnete Priester, Sozialreformer, Publizist und Seelsorger Adolph Kolping, geboren am 8. Dezember 1813 als Sohn einer Tagelöhnerfamilie in Kerpen, zog als gelernter Schuhmacher selbst zehn Jahre lang als „fahrender Geselle“ von Ort zu Ort. Mit 23 Jahren besuchte Kolping abermals die Schule, machte sein Abitur in Köln und studierte Theologie in München und Bonn. 1845 in Köln zum Priester geweiht, war er zunächst vier Jahre lang als Kaplan in Wuppertal-Elberfeld. 1849 nach Köln versetzt, gründete er dort den ersten katholischen Gesellenverein, um damit jungen Handwerksgesellen Halt und Heimat zu geben. Bis zu seinem Tod am 4. Dezember 1865 widmete er sich ganz dem Aufbau der Kolpingbewegung. Sein Grab befindet sich dort in der Minoritenkirche. Am 27. Oktober 1991 sprach Papst Johannes Paul II. den „Gesellenvater“ selig. Am 4. Dezember steht er auf dem Heiligenkalender. Sein Geburtsort mit der Ausstellung im Kolpingmuseum präsentiert sich offiziell als „Kolpingstadt Kerpen“.

Das Kolpingwerk: Das Kolpingwerk Deutschland ist ein Sozialverband mit bundesweit mehr als 230.000 Mitgliedern in 2.350 Kolpingsfamilien, davon etwas 40.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Bereich der Kolpingjugend. Allein in NRW sind rund 100.000 Mitglieder in 800 Kolpingsfamilien organisiert. Es ist Teil des Internationalen Kolpingwerkes und des Kolpingwerkes Europa. Im Sinne Adolph Kolpings will der Verband Bewusstsein für verantwortliches Leben und solidarisches Handeln fördern. Dabei versteht sich das Kolpingwerk als Weg-, Glaubens-, Bildungs- und Aktionsgemeinschaft. Schwerpunkte des Handelns sind die Arbeit mit und für junge Menschen, das Engagement in der Arbeitswelt, das Zusammenwirken mit und der Einsatz für Familien und für die Eine Welt.
Weltweit zählt das Kolpingwerk mit Sitz in Köln mit seinen rund 500.000 Mitgliedern und etwa 5.800 Kolpingsfamilien in 62 Ländern zu den großen Sozialwerken der Katholischen Kirche. Die Homepage des Kolpingwerks mit detaillierten Informationen über Aufgaben, Ziele und Leben Adolph Kolpings im Internet: www.kolping.de. Mehr im Netz auch über die Organe und Gremien, die Kolpingjugend, verbandliche Gliederungen, das Bundessekretariat, die Stiftung, Einrichtungen und Unternehmen, das Leitbild, Adolph Kolping und die Verbandsgeschichte.

200. Geburtstag von Johann Gregor Breuer: Als Begründer des ersten Gesellenvereins gilt Johann Gregor Breuer (1821-1897), der über vier Jahrzehnte gegen die Not der Bevölkerung in Wuppertal wirkte. Seinen 200. Geburtstag am 26. November beging die katholische Kirche in Wuppertal mit einem ganzjährigen Festjahr. Internet: www.johann-gregor-breuer.de sowie www.johann-gregor-breuer.momente-weitergeben.de/. Biographie: https://gemeinden.erzbistum-koeln.de/johann-gregor-breuer/Biografie/https://gemeinden.erzbistum-koeln.de/johann-gregor-breuer/start/. Video: „200 Jahre Johann Gregor Breuer“

Briefmarke zum Geburtstag von Johann Gregor Breuer: Im Kolpingwerk Diözesanverband Köln gibt es ein besonderes Angebot. Ein Briefmarkenbogen zeigt u.a. ein Porträt von Johann Gregor Breuer sowie eine Marke mit einem QR-Code, der auf Informationen über sein Leben und Wirken verlinkt. Der Preis liegt nach Staffelrabatt bei etwa 26 Euro zzgl. Porto. Bestellung per Mail an Lothar Dröse, droese@wtal.de.

Unsere Gesprächspartnerin: Elisabeth Adolf ist 27 Jahre alt und durch ihre Familie zur Kolpingjugend gekommen. 2007/2008 verbrachte sie ein Jahr lang mit den Kolping-Jugendgemeinschaftsdiensten (JGD) in Venezuela und nahm an Workcamps in Südafrika teil. Nach Ausbildung zur Europasekretärin übernahm sie die Filialleitung eines Spielwarenfachgeschäfts. Im Frühjahr 2019 wurde sie zur Bundesjugendsekretärin der Kolpingjugend gewählt. Kontakt: Kolpingjugend im Kolpingwerk Deutschland, St.-Apern-Straße 32, 50667 Köln, E-Mail: elisabeth.adolf@kolping.de, Internet: https://www.kolpingjugend.de.  

Sonntag, 05.12.2021