Kirche auf dem Wasser: Binnenschifferseelsorge

von Carsten Griese

Sonntag, 19.02.2017

Fluss mit Binnenschiff
Die rund 4.500 deutschen Binnenschiffer transportierten im Jahr 2015 gut 221 Millionen Tonnen an Gütern.

Die Wasserstraßen und Häfen entlang der Rheinschiene sind das Revier der "Johann Hinrich Wichern". Das Kirchenboot, das im Duisburger Binnenhafen beheimatet ist, besucht pro Jahr rund 1.000 Schiffe und deren Besatzungen.

Zur Crew der "Johann Hinrich Wichern" gehören zwei Schiffsführer sowie der Pfarrer Frank Wessel und die Sozialarbeiterin Gitta Samko. Das knapp 15 Meter lange und gut vier Meter breite Boot ist schwimmende Kirche und Gemeindehaus in einem. Es hat zehn Schlafplätze, einen Sanitärbereich und eine komplette Küche. An vier Tagen in der Woche ist die Mannschaft mit ihrem Kirchenboot unterwegs und geht sowohl bei Binnenschiffern als auch bei internationalen Seeschiffen an Bord.

Von der Seefahrerromantik früherer Jahre ist heute kaum noch etwas übrig. In der Handelsschifffahrt herrscht hoher Termin- und Kostendruck und der Platz an Bord ist eng. Das birgt Konfliktpotential unter den Seeleuten, sagt Pfarrer Frank Wessel: "Weil man ja (…) nicht ausweichen kann. Ich kann nicht sagen: »Jetzt haben wir uns gestritten, jetzt mache ich die Tür hinter mir zu und geh mal in die nächste Kneipe.« Von daher muss man schon gucken: Wie ist das mit der Chemie untereinander an Bord?"

Die Gesprächsthemen sind so unterschiedlich wie die Menschen, denen die Kirchen-Crew begegnet, erzählt die Sozialarbeiterin Gitta Samko: "Manchmal ist es Liebeskummer, manchmal Heimweh, aber manchmal tatsächlich ganz normale Probleme wie z.B. den nächsten Supermarkt zu finden, wenn der Koch frisches Gemüse braucht. Alles das, was für uns an Land so selbstverständlich ist, kann an Bord zu einer großen Herausforderung werden."

Unter den Binnenschiffern gebe es etliche, die ihre komplette Familie mit an Bord nehmen, weiß Pfarrer Wessel. Aber das funktioniere nur, solange die Kinder noch klein seien: "Wenn das Kind schulpflichtig wird, muss entweder die Frau mit dem Kind an Land, oder das Kind muss zu Oma, Opa, Tante." Dann werde die Familie auseinandergerissen - das sei für alle Beteiligten eine große Belastung.

Doch es gibt immer wieder auch schöne Momente. So finden auf dem Kirchenboot nicht nur Gottesdienste statt, sondern auch Taufen und Trauungen. Der evangelische Binnenschifferdienst ist Teil der Deutschen Seemannsmission, die Anlaufstellen in 13 deutschen und weiteren 18 internationalen Häfen unterhält. Seeleute finden dort ein "Zuhause auf Zeit" und einen "Ankerplatz für die Seele". Mehr Infos dazu unter www.seemannsmission.org

Sonntag, 19.02.2017