Dreikönigstag: Wer wird Bohnenkönig?

von Johanna Risse

Sonntag, 06.01.2019

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Galette des Rois, Foto: N. Andrea Mohr, http://kitchenlioness.blogspot.de/

Der Dreikönigstag hat eine ganz besondere Bedeutung für Andrea Mohr in Bonn. Sie ist so beeindruckt von den Heiligen Drei Königen, dass sie ihre Kinder nach ihnen benannt hat. Und für alle backt sie eine französische Galette des Rois (Dreikönigskuchen).

INFO: Das Spiel vom Bohnenkönig ist seit dem Spätmittelalter aus vielen europäischen Ländern überliefert und erreichte über die Klöster, Schulen, Gruppen und Familien eine große Verbreitung über alle sozialen Schranken hinweg. Am Dreikönigstag oder am Vorabend war es danach Brauch, einen durch Los ermittelte König und andere Hofämter zu bestimmen – oft durch Verteilung eines Kuchens, in den eine Bohne eingebacken ist. Demjenigen, in dessen Kuchenstück sich die Bohne befindet, fällt damit das Königsamt zu, daher der Name „Bohnenkönig“.

Das vorgestellte Rezept des französischen Dreikönigskuchens stammt aus einem Dorf namens Pitviers, 80 Kilometer von Paris, von wo es der berühmte Koch Marie Antoine Carême (1784-1833) nach Paris brachte – dies schreibt unsere in Bonn lebende Gesprächspartnerin Nicola Andrea Mohr in ihrem Blog http://kitchenlioness.blogspot.de. Für sie selbst hat der Dreikönigstag eine ganz besondere Bedeutung: Sie wurde einen Steinwurf vom Schrein der Heiligen Drei Könige entfernt geboren und drei ihrer Kinder Jakob Balthasar, Clara Casparina und Gretchen Melchiora sind nach den Heiligen Drei Königen benannt. Für sie und die ganze Familie stehen an diesem Tag natürlich die französische Galette des Rois auf dem Tisch, ein mit Frangipane gefüllten Blätterteigkuchen. In ihm wird eine kleine Figur aus Porzellan, eine sogenannte fève oder santon (Bohne), versteckt. Wer sie in seinem Stück Kuchen findet, wird für diesen Tag zum König oder Königin ernannt. Darum bekommt man in Frankreich vom Bäcker immer eine goldene Papierkrone, wenn man eine Galette des Rois kauft. Hier mit freundlicher Genehmigung das Rezept von Andrea Mohr:

Zutaten

  • 500 Gramm fertigen Blätterteig (man kann natürlich auch Blätterteig selbst herstellen)


Zutaten für die Füllung

  • 100 Gramm ungesalzene Butter, Zimmertemperatur
  • 100 feinster Backzucker
  • 2 TL Bourbon Vanille-Zucker (selbstgemacht oder gekauft)
  • eine Prise feines Meersalz
  • 1 Eigelb (L), Bio- oder Freiland
  • 100 Gramm Mandeln, gemahlen
  • 1/2 TL gemahlener Zimt
  • 30 Gramm Weizenmehl
  • etwas Eierstreiche (ein Ei mit etwas Wasser verquirlt)


Wahlweise

  • eine kleine Porzellanfigur oder eine ganze Mandel oder eine kleine Münze, die man in Alufolie gewickelt hat


Zutaten für die Glasur

  • etwas Aprikosenmarmelade (durch ein Sieb gestrichen)
  • 60 Gramm Mandelblättchen


Zubereitung der Galette

1.Den Ofen auf 180 Grad Celsius vorheizen.

2. Ein Backblech mit Backpapier auslegen.

3. Auf einer bemehlten Fläche den Blätterteig dünn ausrollen und zwei Kreise (26-28 cm) ausschneiden. In den Kühlschrank stellen.

4. Für die Mandelfüllung die Butter, den Zucker, Vanillezucker und Salz schaumig schlagen.

5. Das Eigelb hinzufügen und zirka drei Minuten weiter schlagen.

6. Die gemahlenen Mandeln mit Dem Zimt und dem Mehl mischen.

7. Die Mehlmischung zu der Buttermischung geben, gut verrühren.

8. Einen Blätterteigkreis auf das mit Backpapier belegte Backblech legen, dabei einen Rand von ca. 4 cm mit dem verquirlten Ei bestreichen.

9. Darauf gleichmäßig die Mandelfüllung verstreichen, dabei rundherum den 4 cm Rand frei lassen. TIPP: Wenn man einen Glücksbringer in die Füllung stecken möchte, sollte man das jetzt machen, dabei die gewünschte Figur oder Nuss ein wenig in die weiche Mandelmasse drücken.

10. Mit der zweiten Hälfte des Blätterteigs den Kuchen bedecken.

11. Den Teig an den Rändern andrücken. Es soll eine Art Kuppel entstehen, überschüssigen Teig abschneiden.

12.Mit der stumpfen Seite eines Messers den Teigdeckel verzieren, dabei den Teig nicht einschneiden.

13. Die Galette mit dem restlichen verquirlten Ei bestreichen,

14. Den Kuchen ca. 40 bis 45 Minuten backen, auf einem Kuchenrost etwas erkalten lassen.

15. Die noch warme Galette aprikotieren und mit den Mandelblättchen bestreuen.


Guten Appetit! Und weil alles so lecker ist, wollen wir gerne in der nächsten Zeit immer mal wieder ins Kirchenjahr passende Rezepte von Andrea Mohr veröffentlichen! Kontakt: N. Andrea Mohr, Seehausstr. 33, 53117 Bonn, E-Mail: nclndrmhr@gmail.com, Internet: http://kitchenlioness.blogspot.de

Das Fest „Erscheinung des Herrn“ (Heilige Drei Könige): Im Mittelpunkt des am 6. Januar gefeierten „Festes der Erscheinung (griech.: Epiphanie) des Herrn“ steht das erste öffentliche Auftreten Jesu Christi bei der Taufe durch Johannes den Täufer im Jordan (Mt 3,13-17). Bei den orthodoxen Christen ist es die Taufe und die Offenbarung des dreieinigen Gottes. Nach ihrem Verständnis wurde durch das Eintauchen Christi das Wasser und die ganze Schöpfung geheiligt. Darum wird an diesem Tag die Wasserweihe (Segnung der Flüsse, Seen, des Meeres und des Wassers allgemein) vollzogen.
In Deutschland gedenkt man zugleich besonders der „Heiligen Drei Könige“, die durch ihre Geschenke und ihre Anbetung im Jesuskind den Gottessohn bekennen. Das Matthäus-Evangelium berichtet - je nach Übersetzung - von Weisen, Magiern oder Astrologen aus dem Osten, die einem Stern folgend über Jerusalem nach Bethlehem kamen, um den neugeborenen König der Juden zu suchen: „Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.“ Der Volksglauben machte aus den Magiern Könige verschiedener Erdteile und legte ihre Zahl in Anbindung an die Zahl der Geschenke auf drei fest. Seit dem 6. Jahrhundert werden ihre Namen mit Caspar, Melchior und Balthasar angegeben. In der Kunst wird zumeist Caspar als Myrre schenkender Afrikaner, Melchior als Goldschätze überreichender Europäer und Balthasar als asiatischer König gezeigt, der Weihrauch zur Krippe bringt. Die Heiligen Drei Könige werden als Schutzpatrone der Reisenden, Pilger, Kaufleute, Gastwirte und Kürschner verehrt. Das Fest ist in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt Feiertag.
Ihre wohl aus Konstantinopel stammenden Reliquien kamen 1164 durch Erzbischof Rainald von Dassel als Kriegsbeute aus Mailand in den Kölner Dom, wo für sie der größte erhaltene mittelalterliche Schrein geschaffen wurde. Er wurde im 1248 begonnenen gotischen Dom zum Ziel großer Pilgerströme, auch für die in Aachen gekrönten deutschen Könige war er ein Pflichttermin. Seit 1948 steht der Schrein hinter dem Hochaltar. Er enthält die Schädel und Knochen von drei Männern unterschiedlichen Alters, zudem die Gebeine von Gregor von Spoleto sowie weitere unbeschriftete Skelettteile, die lange den Heiligen Felix und Nabor zugeschrieben wurden. Die Untersuchung der Stoffe, die die Knochen umhüllten, ergab in den 1980er Jahren, dass sie im Nahen Osten hergestellt wurden und aus dem 2. und 4. Jahrhundert stammen. Mehr: www.koelnerdom.de.

Sonntag, 06.01.2019