175 Jahre: Kinder helfen Kindern

von Christof Beckmann

Sonntag, 03.01.2021

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Auguste von Sartorius (1830-1895), Gründerin des „Vereins der heiligen Kindheit“, der vor 175 an der Wiege der heutigen „Aktion Sternsingen“ stand, Bild: Sternsinger

Auguste von Sartorius war 15, als sie aktiv wurde: Am 2. Februar 1846 gründete sie einen Verein, der Hilfe für Mädchen und Jungen in aller Welt organisieren sollte. Ihre Heimatstadt Aachen ist seitdem so etwas wie das deutsche „Headquarter“ der guten Tat.

INFO: „Segen bringen, Segen sein. Kindern Halt geben – in der Ukraine und weltweit“ lautet das Motto der 63. Aktion Dreikönigssingen, die am 29. Dezember mit einem Gottesdienst mit Bischof Helmut Dieser im Aachener Dom eröffnet wurde. Normalerweise sind um den Dreikönigstag am 6. Januar jährlich rund 300.000 Kinder als Heilige Drei Könige verkleidet unterwegs und bitten um Spenden für ihre Altersgenossen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa. Vor einem Jahr sammelten die Kinder rund 52,4 Millionen Euro etwa für Gesundheits- und Bildungsprojekte. Die Sternsinger bringen zudem den Segensgruß „C + M + B“ für „Christus mansionem benedicat“ (Christus segne dieses Haus) in die Häuser. Zugleich weisen die Buchstaben auf die allgemein verbreiteten Namen der drei Weisen aus dem Morgenland hin, die sich nach biblischem Bericht an einem neu aufgegangenen Stern orientierten und so nach Bethlehem zum neugeborenen Jesuskind kamen. Der Tradition nach hießen sie Caspar, Melchior und Balthasar. 2004 wurden die Sternsinger in Münster mit dem Westfälischen Friedenspreis ausgezeichnet, seit 2015 ist das Sternsingen, das bereits auf mittelalterliche Heischebräuche zurückgeht, Unesco-Kulturerbe.

Hilfsprojekte: Die bundesweite Aktion gilt als die weltweit größte Solidaritätsinitiative von Kindern für Kinder in Not. Träger sind seit 1959 das in Aachen ansässige Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) als Dachverband vieler katholischer Jugendorganisationen. Seither haben die Sternsinger rund 1,19 Milliarden Euro für mehr als 75.600 Projekte etwa im Bildungs- und Gesundheitsbereich gesammelt. 2019 standen dem Hilfswerk der Sternsinger Einnahmen in Höhe von insgesamt rund 79 Millionen Euro für die Arbeit zur Verfügung. Gefördert wurden Projekte in 108 Ländern. Beim Sternsingen zum Jahresbeginn 2020 hatten die Mädchen und Jungen aus 10.034 Pfarrgemeinden, Schulen und Kindergärten rund 52,4 Millionen Euro gesammelt. Neben der Förderung der Kinder-Hilfsprojekte zählen der Einsatz für die Rechte von Kindern weltweit sowie die Bildungsarbeit zu den Aufgaben. Mehr als 1.600 Projekte für Not leidende Kinder weltweit werden jährlich so vom Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ unterstützt. Die nächste bundesweite Aktion Dreikönigssingen wird um den Jahreswechsel 2021/22 zentral im Bistum Regensburg eröffnet.

Besuche bei der Politik: Der Einsatz der kleinen und großen Könige Kinder erfährt große Wertschätzung. So empfangen der Bundespräsident und die Bundeskanzlerin Sternsinger-Delegationen, am Neujahrstag feiern Sternsinger mit dem Papst Gottesdienst im Petersdom und bringen dem Heiligen Vater die Gaben zum Altar. Darüber hinaus sind die in den ersten Januartagen im Europaparlament in Brüssel, in Bundesministerien und in den Staatskanzleien der Bundesländer zu Gast. Diesmal fallen die Besuche bei Bundespräsident und Kanzlerin. Stattdessen wollen die Mädchen und Jungen eine Videobotschaft sowie ein Paket mit Segensaufklebern und Informationen zur aktuellen Aktion an die Politiker senden. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wollen ihrerseits mit einer Videobotschaft antworten. Informationen auf Sternsinger-Seite zu digitalen Besuchen: https://www.sternsinger.de/sternsingen/digitaler-besuch/

Corona: Wegen der Corona-Pandemie müssen die Mädchen und Jungen dieses Mal allerdings zuhause bleiben. Die Aktion läuft dafür länger als sonst - bis zum 2. Februar. Alternativ finden mancherorts digitale Formate statt. Unter www.sternsinger.de/corona gibt es Tipps und Empfehlungen zur Organisation des Sternsingens unter veränderten Rahmenbedingungen.

175 Jahre Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘: Am 3. Januar 2021 startet das Kindermissionswerk mit einem live im ZDF übertragenen Fernsehgottesdienst ins Jubiläumsjahr. Von 9.30 Uhr bis 10.15 Uhr wird Pfarrer Dirk Bingener den Gottesdienst aus der Kirche Rabanus Maurus in Mainz zelebrieren. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes zum 175. Geburtstag stehen die Gründerin des Hilfswerks und die vielen engagierten Sternsinger in Deutschland.
Die Aktion geht auf die damals 15-jährige Auguste von Sartorius (1830-1895) zurück, die den Anstoß zur Gründung eines Hilfswerks gab. Es wurde unter dem damaligen Namen „Verein der heiligen Kindheit“ am 2. Februar 1846 in der Aachener Pfarrei St. Foillan ins Leben gerufen. Auguste stammte aus einer großen, sehr sozial engagierten Familie und interessierte sich früh für neue kirchliche Impulse, die aus Frankreich kamen. Nach dem Vorbild eines Vereins in Nancy sammelte sie Geld für Kinder in China, erhielt zunehmende Unterstützung und für ihre Gründung 1856 die Anerkennung durch Papst Pius IX.. Im Jahr zuvor schloss sie sich dem neuen und weltweit expandierenden Schwesternorden der Gesellschaft vom Heiligen Herzen Jesu in Vaals (Sacré-Cœur-Schwestern) an. Nach Noviziat im Mutterhaus in Paris und erstem Ordensgelübde 1858 übernahm sie 1861 die Leitung eines Internats in Blumenthal und legte 1863 in Paris ihre Ewige Profess ab. Weil im Kulturkampf Orden und Kongregationen aus dem Deutschen Reich ausgewiesen wurden, kam es 1872 nicht zur Gründung eines Noviziats im Kloster Marienthal bei Münster – trotz ihres Protestes. Auguste von Sartorius übernahm 1881 die Leitung des Ordenskonvents in Lüttich, wurde 1884 Vikaroberin für Louisiana/USA und in Mexiko in die Selbständigkeit, 1886 Generalvikarin in der Pariser Zentrale für alle amerikanischen Niederlassungen und 1894 nach dem Tod der Generaloberin ihre Nachfolgerin. Sie starb am 8. Mai 1895 nach einem Schlaganfall und ist in der Krypta des Klosters von Conflans in der Gemeinde Charenton-le-Pont, südlich von Paris bestattet. Ihren Verein erhob 1922 Papst Pius IX. den Verein zum Päpstlichen Werk mit dem Namen „Päpstliches Missionswerk der Kinder in Deutschland“. Seit 1934 wurde das Werk immer mehr durch staatliche Maßnahmen eingeschränkt und durch die Gestapo überwacht, 1941 wird die Zentrale in der Stephanstr. 35 zwangsgeräumt. 1946 wird das 100-jährige Jubiläums des Werkes der hl. Kindheit im Aachener Dom gefeiert, 1959 die erste Aktion Dreikönigssingen ausgerufen und seit 1961 als gemeinsame Aktion des Kindermissionswerkes und des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) durchgeführt. Seit 1976 ist das Kindermissionswerkes der päpstlichen Kongregation für die Evangelisierung der Völker in Rom zugeordnet, seit 1980 sind die Präsidenten von Missio Aachen und Missio München Co-Präsidenten. 2017 überspringt das Sammelergebnis der Sternsinger eine Milliarde Euro insgesamt, 2019 liegt das Jahresergebnis erstmals über 50 Millionen Euro.

Kontakt: Kindermissionswerk ,Die Sternsinger‘ e.V., Stephanstraße 35, 52064 Aachen, Tel. 0241 / 44 61-0, E-Mail: kontakt@sternsinger.de. Mehr: http://www.kindermissionswerk.de. Spendenkonto: Pax-Bank eG, IBAN: DE 95 3706 0193 0000 0010 31, BIC: GENODED1PAX.

Sonntag, 03.01.2021