Wie viel Handy braucht mein Kind - und ab wann?

von Magnus Anschütz

Sonntag, 26.06.2016

junges Mädchen tippt auf ihrem Smartphone
Es braucht nur ein Smartphone mit Internetzugang, und schon hat man die Welt in der Hosentasche.

Handys und erst recht Smartphones sind heutzutage wahre Alleskönner: Sie spielen Filme und Musik ab und haben Kamera, Spiele und Internetzugang mit an Bord. Das reizt natürlich auch Kinder. Aber ab welchem Alter ist so ein Gerät für sie wirklich sinnvoll?

Lehrer, Erziehungsexperten und Beratungsportale im Internet sind sich weitgehend einig: Kindergarten- und Grundschulkinder brauchen kein eigenes Handy. Denn die vielen Funktionen, die die Geräte heute haben, müssen nicht nur verstanden sondern auch beherrscht werden. Mit dieser Verantwortung sind 6-9jährige noch überfordert. Trotzdem besitzt derzeit schon jeder Dritte unter den 8- bis 9jährigen ein eigenes Handy. Bei den 10- bis 11jährigen sind es zwei Drittel, bei den 12- bis 13jährigen steigt die Quote sogar auf 86 Prozent.

Nach Angaben der Studie "Jugend-Information-Multimedia" (JIM-Studie) von 2015 liegt die Ausstattung bei den älteren Jugendlichen "deutlich über 90 Prozent (14-15 Jahre: 93 %, 16-17 Jahre und 18-19 Jahre je 95 %). Die Internetfähigkeit der Smartphones ist dank einer 95prozentigen WLAN-Abdeckung in den Haushalten auch eine reale Option der Internetnutzung im Alltag. Bei drei Viertel der Handybesitzer ermöglicht eine Internetflatrate auch die Nutzung unterwegs. Schon die Zwölf- bis 13-Jährigen haben mehrheitlich (62 %) ein »all-inclusive-Paket« für die Internetnutzung. Unter diesen Voraussetzungen können die meisten Jugendlichen »always on«, also jederzeit online sein."

Angesichts dieser weiten Verbreitung selbst in jungen Altersklassen fällt es Eltern schwer, ihrem Kind ein eigenes Handy zu verweigern. Außerdem vermitteln Mobiltelefone auch ein Gefühl der Sicherheit: Die Eltern können das Kind jederzeit erreichen, ihm Planänderungen im Alltagsablauf mitteilen und es notfalls sogar orten lassen – immer vorausgesetzt, das Kind trägt das Handy wirklich bei sich und es ist eingeschaltet. Auch lange oder unsichere Schulwege können Eltern dazu bewegen, ihren Sprössling mit einem Mobiltelefon auszustatten.

Im Grunde gilt dann als Faustregel: Je jünger das Kind, desto einfacher sollte das Handy zu bedienen sein. Der Funktionsumfang muss also nicht groß sein – ein einfaches Modell, vielleicht sogar ein ausrangiertes der Eltern, reicht zumindest für Grundschulkinder in der Regel völlig aus. Um hohe Kosten zu vermeiden, empfiehlt sich ein Prepaid-Tarif. Einen eventuell vorhandenen Internetzugang sollte man abschalten, denn mobiler Datenempfang geht schnell ins Geld.

Fachleute wie Lothar Simon von der Evangelischen Beratungsstelle Köln raten Eltern außerdem dazu, mit dem Kind gemeinsam das Handy oder Smartphone zu erkunden, seine Möglichkeiten zu entdecken und auch über mögliche Gefahren zu sprechen, die damit verbunden sind. "Letztlich", so Lothar Simon, "geht es ja darum, eine Medienkompetenz zu entwickeln, die das Kind befähigt, im Bewusstsein auch der Gefahren die Möglichkeiten zu nutzen."

Viele weitere Tipps für Eltern finden sich z.B. hier und auf der Internetseite www.schau-hin.info

Sonntag, 26.06.2016