Weltkulturerbe: Das Westwerk von Corvey

von Dirk Bendfeld

Sonntag, 04.06.2017

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Seit 2014 sind sie UNESCO-Weltkulturerbe: „Das Karolingische Westwerk und die Civitas Corvey“ sollen noch faszinierender werden. Im berühmten Westwerk des alten Benediktinerklosters aus dem 9. Jahrhundert ist eine Reise in die „Himmelsstadt“ geplant ...

INFO: Die in Ostwestfalen bei Höxter gelegene frühere Benediktinerabtei Corvey entstand auf Initiative von Karl dem Großen, wurde von seinem Nachfolger Ludwig dem Frommen gegründet und galt im frühen Mittelalter als eines der bedeutendsten Klöster in Europa. Die ersten Mönche stammten aus der nordfranzösischen Benediktinerabtei Corbie. Unter dem ersten Abt, einem Vetter Kaiser Karls, ging der Mönch Ansgar als „Apostel des Nordens“ auf Mission nach Skandinavien, die Reliquien des heiligen Vitus gelangten nach Corvey und 885 wurde die Klosteranlage mit der Errichtung des Westwerks abgeschlossen. Die 873-885 entstandene und an antike Vorbilder angelehnte karolingische Kirchenfassade gilt heute als einziges weitgehend erhaltenes Bauwerk aus der Karolingerzeit und präsentiert sich in wesentlichen Teilen wie zur Zeit seiner Erbauung. 200 Jahre später verfügte Corvey über Besitzungen von Holland bis an die Elbe. Nach Krieg und Zerstörungen in den folgenden Jahrhunderten gipfelte der Wiederaufbau 1706 im Abschluss der barocken Abtresidenz. 1792 wurde Corvey Fürstbistum, doch schon 1803 säkularisiert. Über den geflohenen niederländischen Statthalter Wilhelm V. von Oranien-Nassau und Landgraf Viktor Amadeus von Hessen-Rotenburg kam das Anwesen in den Besitz von Viktor Prinz zu Hohenlohe-Schillingsfürst, der ab 1840 den Titel „ Herzog von Ratibor und Fürst von Corvey“ führte. August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, ab 1860 als Bibliothekar in Corvey tätig und hier bestattet, vergrößerte den Bestand auf 74.000 Bände. Bis heute ist die Bibliothek deutschlandweit eine der größten Buchsammlungen in Privatbesitz.

2014 wurden „Das Karolingische Westwerk und die Civitas Corvey“ in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen und sollen sich nun ab 2019 den Besuchern auf völlig neue und innovative Weise erschließen: Eine facettenreiche, virtuelle Raum- und Lichtinszenierung und Virtual-Reality-Brillen sollen die jahrhundertealten Mauern und die frühmittelalterliche Geschichte des Weltkulturerbes anschaulich und sinnlich erfahrbar zum Sprechen bringen. Unter dem Arbeitstitel „Von Engeln bewacht – In der Himmelsstadt“ werden multimediale Installationen mit Bildern, Sprache und Tönen einen lebendigen Eindruck der Bau- und Kunstgeschichte im Ober- und Untergeschoss des Westwerks, der angrenzenden ehemaligen Abteikirche St. Stephanus und Vitus und der mittelalterlichen Klostergeschichte vermitteln. Digitale Mittel rekonstruieren Teile der ursprünglichen Farbigkeit und der karolingischen Architektur und machen sie auf Abruf sichtbar. Eine gläserne Trennwand zwischen der unteren Halle des Westwerks und dem Kirchenschiff bietet die Möglichkeit, ungestört an Gottesdiensten teilzunehmen.

Das vom Erzbischöflichen Diözesanmuseum Paderborn / Fachstelle Kunst erarbeitete Gesamtkonzept entstand in enger Abstimmung mit der katholischen Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus und einem fachwissenschaftlichen Beirat. Restauratoren und Kunsthistoriker arbeiten Hand in Hand mit Archäologen, Denkmalschützern, Architekten und Klimaspezialisten an der Sicherung sensibler Bauteile und einem zukunftsfähigen Konzept für die Besucherführung. Alle stehen in engem Kontakt mit dem Deutschen Nationalkomitee von ICOMOS (International Council on Monuments and Sites) und dem Landeskonservator für Westfalen-Lippe. Im Auftrag des Erzbistums Paderborn zeichnet federführend Professor Dr. Christoph Stiegemann verantwortlich. Die publikumsgerechte Gesamterschließung soll bis zu 2,5 Millionen Euro kosten, die das Erzbistum Paderborn zur Verfügung stellt.

Am UNESCO Welterbetag, Sonntag 4. Juni 2017, gibt es um 15 Uhr eine Sonderführung zum Thema „Das Westwerk Corvey im Vergleich mit der Aachener Pfalzkapelle“. Treffpunkt beim Ticketshop, Kosten: Eintritt + 4 € Führungsgebühr; Themenführungen durch Corvey

Mehr: Schloss Corvey, Kulturkreis Höxter-Corvey gGmbH, Schloss Corvey, 37671 Höxter, Tel. 05271 / 69 40 10, E-Mail: schloss-corvey.de; Pastoralverbund Höxter (Abteikirche St. Stephanus und Vitus), Pfarramt St. Nikolai, Marktstr. 21, 37671 Höxter, Tel. 05271 / 75 14, Internet: www.pv-hx.de

Sonntag, 04.06.2017